Unterwäschekönig
Er war ein echter Patron: ISA-Chef Andreas Sallmann tritt ab

Am Freitag wurde ISA-Inhaber Andreas Sallmann 65 Jahre alt. Er feierte mit 180 Weggefährten und übergab die Firma seinen Nachfolgern.

Manuel Nagel
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Die ganze Belegschaft der ISA bodywear AG schaut Andreas Sallmann über die Schulter, als er das Abschiedsgeschenk seiner rund 50 Angestellten kurz überfliegt. Ab Montag habe er dann genug Zeit, es ganz genau anzuschauen, sagt Sallmann.

Die ganze Belegschaft der ISA bodywear AG schaut Andreas Sallmann über die Schulter, als er das Abschiedsgeschenk seiner rund 50 Angestellten kurz überfliegt. Ab Montag habe er dann genug Zeit, es ganz genau anzuschauen, sagt Sallmann.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 29. Oktober 2021)

Wenn ein Inhaber nach 35 Jahren die Verantwortung seiner Firma abgibt, so ist das Grund genug für ein rauschendes Fest. Dass er dazu auch sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einlädt, vom Kadermann bis hin zur Näherin, das ist typisch für Andreas Sallmann.

«Unerschrocken, direkt und menschenorientiert.»

Das sei er, sagt Stephan Kuhn über seinen Freund Andreas an diesem Abend des 29. Oktober, der zugleich auch der 65. Geburtstag des Patrons der ISA bodywear AG ist. Er ist einer der 180 geladenen Gäste, die Sallmann in seinen Ruhestand begleiten.

Nebst Sallmanns 50 Angestellten aus Amriswil und Porrentruy – drei Personen reisten extra aus dem Jura in den Oberthurgau – sind es Weggefährten aus Beruf oder Militär, aber auch ganz viele Bekannte und Verwandte der Grossfamilie mit sechs Kindern, die Andreas mit seiner Frau Doris grossgezogen hat. All seine Engagements neben der ISA, in der Armee, im Kantonsrat oder im Schweizerischen Textilverband, «all dies war nur möglich, weil ich die genialste Frau geheiratet habe», sagt Sallmann. Nur einmal habe ihn seine Doris zurückgepfiffen, «als ich in die nationale Politik einsteigen wollte», erzählt Andreas Sallmann. «Zum Glück», sagt er zu seiner Frau.

«Dafür bin ich dir ewig dankbar.»
Andreas Sallmann verfolgt mit seiner Frau Doris aufmerksam das Programm, das zu seinem Abschied auf die Beine gestellt wurde.

Andreas Sallmann verfolgt mit seiner Frau Doris aufmerksam das Programm, das zu seinem Abschied auf die Beine gestellt wurde.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 29. Oktober 2021)

Wie eine junge Einkäuferin der ABM die ISA rettete

Es ist an dem Abend aber auch noch eine andere Frau anwesend, der Sallmann sehr dankbar ist. «Ohne sie hätte ich wohl Konkurs anmelden müssen», erzählt Sallmann sehr offen diese Anekdote, die sich vor genau 20 Jahren abspielte. Damals gab es noch den Grossisten ABM, für den die ISA ein grosses Lager an Unterwäsche führte. Als im Jahr 2001 bekannt wurde, dass ABM schliesst, wollte der damalige ABM-Chef die ISA auf dem Lager sitzen lassen und verbot, die Reststücke zu kaufen. Doch eine junge Einkäuferin lehnte sich auf gegen diese Ungerechtigkeit, einen langjährigen Geschäftspartner so zu behandeln und sich selbst zu überlassen. Sie sagte damals:

«Wissen Sie, Herr Sallmann, der Chef verlässt in zwei Wochen die Firma und dann weiss niemand mehr, was er gesagt hat.»

Und so ging das Geschäft drei Wochen später über die Bühne und Andreas Sallmann konnte sein ganzes Lager mit der ABM-Wäsche für 1,8 Millionen Franken verkaufen, die für ihn sonst beinahe wertlos geworden wäre.

Und der ISA-Patron erzählt seinen Gästen noch eine andere Geschichte, als sein Sohn Thomas eine kleine Modeschau moderiert, in der einige spezielle Kollektionen aus der Ära seines Vaters gezeigt werden. So etwa die erste Schwingerkollektion vom Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld. Er sei an einer langweiligen Debatte über Hundechipping im Grossen Rat gewesen, als er mit einem anderen Kantonsrat an die frische Luft gegangen sei. Dieser wollte von der ISA 30'000 Franken Sponsoringgelder für das Schwingfest. «Die bekommst du», habe er, Sallmann, seinem Ratskollegen gesagt.

«Aber ich will einen Stand am Eidgenössischen Schwingfest.»
Thomas Sallmann moderiert die kleine Modeschau, zwei Models präsentieren die Schwingerunterwäsche zum Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld, mit der Andreas Sallmann einen Hit landete.

Thomas Sallmann moderiert die kleine Modeschau, zwei Models präsentieren die Schwingerunterwäsche zum Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld, mit der Andreas Sallmann einen Hit landete.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 29. Oktober 2021)

Die Schwingerunterwäsche ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken aus dem ISA-Sortiment. In den letzten zwölf Jahren machte Sallmann 6,5 Millionen Umsatz damit. Es dürften wohl Sallmanns bestinvestierte 30'000 Franken gewesen sein.

«Erst im Ruhestand, wenn man an der Wand hängt»

Doch damit ist ab sofort Schluss, denn Andreas Sallmann wird sich nicht mehr ums operative Geschäft kümmern. Er übergibt an diesem Abend die ganze Verantwortung an seine Söhne Christian und Thomas sowie an seinen langjährigen Finanzchef Jürg Keel. Er werde sich nun für lange Zeit nicht mehr in der Firma blicken lassen, verrät Sallmann den Anwesenden.

Die feierliche Übergabe des Kommandohutes an Sallmanns Söhne Thomas und Christian sowie an ISA-Finanzchef Jürg Keel (rechts).

Die feierliche Übergabe des Kommandohutes an Sallmanns Söhne Thomas und Christian sowie an ISA-Finanzchef Jürg Keel (rechts).

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 29. Oktober 2021)

Wobei das jedoch nicht ganz stimmt. Die ISA-Belegschaft wird ihren Ex-Patron weiterhin sehen – nämlich an der Ehrenwand der vorherigen Firmenchefs. «Im Ruhestand ist man als Chef der ISA erst, wenn man an der Wand hängt», sagt Sohn Christian mit einem Lachen und übergibt zusammen mit seinem Bruder Thomas das Porträt.

Nun kommt er an die Wand zusammen mit seinen Urahnen und Vorgängern als Firmenchef. Andreas Sallmann mit seinem Porträt, übergeben von seinen Söhnen und Nachfolgern Christian und Thomas.

Nun kommt er an die Wand zusammen mit seinen Urahnen und Vorgängern als Firmenchef. Andreas Sallmann mit seinem Porträt, übergeben von seinen Söhnen und Nachfolgern Christian und Thomas.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 29. Oktober 2021)

Nun hat Andreas Sallmann viel Zeit, etwa für die Kutschensammlung, die er von seinem Vater Robert erben konnte. Oder aber für eine grosse Reise. Von ihrer Familie erhalten Doris und Andreas Sallmann ein Geschenk, «von dem Papi immer geträumt hat», verraten seine Kinder. «Auf der ‹Queen Mary› nach New York fahren.» Los geht’s aber erst im April 2023, in der Hoffnung, dass Corona dann kein Thema mehr sei. Und vielleicht schaut Andreas Sallmann bis dann ja doch wieder einmal bei seinen Angestellten vorbei.

Auf Andreas Sallmanns Geburtstagstorte hat es nebst der «Queen Mary» links oben auch noch Werkzeug und Räder – für seine Kutschen? – sowie Wanderschuhe für den passionierten Wanderer. Und hinter der «Queen Mary» symbolisiert der Nuggi die Zeit, die Sallmann nun mit seinen Enkelkindern verbringen darf. Alles zusammen auf einem – wie könnte es auch anders sein – ISA-Pyjama.

Auf Andreas Sallmanns Geburtstagstorte hat es nebst der «Queen Mary» links oben auch noch Werkzeug und Räder – für seine Kutschen? – sowie Wanderschuhe für den passionierten Wanderer. Und hinter der «Queen Mary» symbolisiert der Nuggi die Zeit, die Sallmann nun mit seinen Enkelkindern verbringen darf. Alles zusammen auf einem – wie könnte es auch anders sein – ISA-Pyjama.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 29. Oktober 2021)

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