«Es war kein Mobbing»: Bericht entlastet Kreuzlinger Schulbehörden

Die Untersuchungskommission in der Affäre um den Rücktritt von Schulpräsident René Zweifel hat ihren Bericht veröffentlicht. Zumindest einen Teil davon.

Urs Brüschweiler
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Sekundarschulvizepräsident Michael Thurau und Primarschulvizepräsident Markus Blättler und Untersuchungskommissionspräsident Christoph Tobler während des Pressegesprächs (Bild: Donato Caspari)

Sekundarschulvizepräsident Michael Thurau und Primarschulvizepräsident Markus Blättler und Untersuchungskommissionspräsident Christoph Tobler während des Pressegesprächs (Bild: Donato Caspari)

«René Zweifel hätte als Held abtreten können», sagt Michael Thurau. Die ganze Affäre um den Rücktritt des Schulpräsidenten hätte letzten Sommer eine ganz andere Wendung nehmen können und sollen, wäre es nach den Mitgliedern der Schulbehörde gegangen. Mit der gewonnenen Hallenbad-Abstimmung und den Folgen seiner Krebserkrankung, die eine Weiterführung des Amtes verunmöglichen würden, hatte man eine einvernehmliche und positive Rücktrittsregelung treffen wollen. Doch Zweifel liess den Unterschriftstermin verstreichen und die Behörden stellten eine Rücktrittsforderung auf, welche publik wurde. Der Rest der Geschichte wurde zu einer Schlammschlacht.

8 von 61 Seiten sind öffentlich

Am Dienstag veröffentlichte die Untersuchungskommission, welche im Dezember von den Schulbehörden eingesetzt wurde, ihre Ergebnisse. Präsident Christoph Tobler, Claudius Graf-Schelling und Gabriela Frei Aggeler haben Akten gewälzt, Emails und Protokolle gelesen und 20 Gespräche geführt, mit Schulleitern, Verwaltungsangestellten, Behördenmitgliedern und zweimal mit René Zweifel. 61 Seiten umfasst der Bericht nun. Nur 8 davon werden allerdings öffentlich. Bei der Präsentation dabei waren neben Tobler auch die beiden Vizeschulpräsidenten Michael Thurau und Markus Blättler.

Die Anwesenden hätten lieber den kompletten Bericht veröffentlicht, wie sie betonten. René Zweifel hatte dies jedoch aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen abgelehnt, was man akzeptiere.

Bericht und Mitteilung sind online abrufbar

Der Auszug aus dem Untersuchungsbericht und eine Mitteilung der Schule sind abrufbar unter: www.schulekreuzlingen.ch

Ein differenziertes Bild, nicht schwarz oder weiss

So fehlten zwar die Details, aber die Ergebnisse und Antworten der Kommission sind dennoch aussagekräftig. «Es ist ein differenziertes Ergebnis, nicht schwarz oder weiss», sagt Tobler. Juristisch gibt es nichts, was hängen bleibt. Die geschlossene Rücktrittsvereinbarung sei korrekt. Sie berücksichtige die «grundsätzliche Zahlungspflicht», bis zum 31. Juli 2021. Bis dahin war René Zweifel gewählt. Den kolportierten Vorwurf, die Behörden hätten Zweifel aus dem Amt gemobbt, verneint der Bericht explizit. Der Rücktritt sei freiwillig passiert, auch wenn er mit einigem Nachdruck nahe gelegt worden war. Ein bereits vorliegender Beschluss beider Behörden, dem Schulpräsidenten alle Funktionen zu entziehen und ihn freizustellen, wäre jedoch nicht statthaft gewesen. Er war René Zweifel allerdings nie zugestellt worden. Für andere Motive als die «Sorge um das Wohl der Schulen» hat die Kommission bei den Behörden keine Indizien gefunden.

Zu viel Energie ins Hallenbad gesteckt

Der Ex-Schulpräsident habe sich keine Verfehlungen zu Schulden kommen lassen. Er sei aber von Anfang an nicht allen seinen Aufgaben gewachsen gewesen, habe in einigen Fachbereichen nicht die erforderlichen Kompetenzen mitgebracht.

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Zudem habe Zweifel zu viel Energie ins Hallenbad-Projekt gesteckt und anderes vernachlässigt, erklärte Tobler.

«Kritische Selbstwahrnehmung gab es bei ihm hingegen selten.»

Nach der Rückkehr von seiner ersten Erkrankung versuchte man, die Differenzen zu beseitigen. Es blieb allerdings beim Versuch. Zweifels Wille, den Erwartungen sofort gerecht zu werden, führte zu einer Überforderung, welche in einer zweiten, psychischen Erkrankung mündete. Zu dieser Zeit entstand gemäss Bericht der unüberbrückbare Vertrauensverlust zwischen Behörde und Präsident.

René Zweifel empfindet Aussagen als «Hohn»

René Zweifel verschickte am Dienstagabend eine schriftliche Mitteilung an alle Medien, welche ihn um eine Stellungnahme angefragt hatten. Darin heisst es: «Dass die Behördenvertretung betont, sie habe ‹in der Sorge um das Wohl› von mir gehandelt und gleichzeitig, völlig ohne Notwendigkeit, mich in der Vergangenheit und aktuell öffentlich diskreditiert, ist schlicht ein Hohn. Ebenso befremdlich ist es, dass es unterlassen wurde, sich bei meinem behandelnden Facharzt über meinen effektiven Gesundheitszustand zu erkundigen und eine Prognose einzuholen. Trotz Aufforderung und Angebot sowohl des Arztes als auch von mir. Ich nehme mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis, dass sich viele der von mir erfolglos geforderten Entwicklungsschritte zu Gunsten der Schule Kreuzlingen im Bericht wiederfinden. Ich ziehe hiermit einen definitiven Schlussstrich, mir geht es gut und ich wünsche der Schule für die Zukunft nur das Beste.»

Mit Blick auf die Zukunft schlägt die Untersuchungskommission vor, die organisatorischen Strukturen der Schulen umfassend zu überprüfen und zu optimieren. Etwa im Bereich Bau brauche es fachliche Unterstützung oder die Vizepräsidenten müssten stärker in die Führung einbezogen werden. Besonders auch auf die Kommunikation müsse man ein Auge werfen. Die Schulen seien einige dieser Themen bereits angegangen. Manches sei sogar bereits umgesetzt, sagte Michael Thurau.

Die Chronologie

  • Im April 2015 wird René Zweifel zum neuen Schulpräsidenten gewählt.
  • Im Februar 2017 erzielt er bei seiner ersten Wiederwahl ein Glanzresultat.
  • Anfang September informiert Zweifel, dass er an Krebs erkrankt ist und länger ausfällt.
  • Am 1. März 2018 kehrt Zweifel im 50-Prozent-Pensum zurück, er hat den Krebs besiegt.
  • Ende April wird er erneut krankgeschrieben. Öffentlich kommuniziert wird dies nicht.
  • Anfang Juli informieren die Behörden alle Mitarbeiter der Schule, dass sie Zweifel zum Rücktritt auffordern. Das Vertrauen sei zerstört, er erfülle die Anforderungen nicht.
  • Am 23. Juli geben die Schulen bekannt, dass René Zweifel zurückgetreten ist. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart.
  • Es folgt Kritik am Vorgehen der Behörden. Die Freie Liste verlangt eine Untersuchungskommission.
  • Die Schule setzt im Dezember eine solche ein.
  • Am 10. Februar 2019 wird Seraina Perini zur neuen Schulpräsidentin gewählt.