Unterschiedlich und doch ähnlich: Zwei Ostschweizer erzählen auf Radio SRF 1 ihre Lebensgeschichte

Die sonntägliche SRF-Gesprächsrunde «persönlich» ist wieder nahe bei den Menschen: Den Besuchern im Romanshorner Kino Roxy machte es sichtlich Freude, Barbara Camenzind und Roland Grossenbacher zuzuhören. Dani Fohrler ging mit ihnen auf Spurensuche.

Markus Bösch
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Erzählen frisch von der Leber weg – von schwierigen Zeiten und glücklichen Momenten: Roland Grossenbacher, Barbara Camenzind und Moderator Dani Fohrler.

Erzählen frisch von der Leber weg – von schwierigen Zeiten und glücklichen Momenten: Roland Grossenbacher, Barbara Camenzind und Moderator Dani Fohrler.

Bild: Markus Bösch

Nach längerem Unterbruch wurde «Persönlich» wieder persönlich: Der Sonntagmorgen-Talk des Schweizer Radios war Gast im Kino Roxy, und Barbara Camenzind und Roland Grossenbacher erzählten Moderator Dani Fohrler und damit den Radiohörerinnen und Radiohörern Witziges und Wesentliches aus ihrem Leben. Vor allem die Musik verbindet sie. Und ein bewegtes Leben.

Beide sind verheiratet, sie ist 46 Jahre alt, er zählt deren 71 Jahre. Und so unterschiedlich ihre Tätigkeiten waren und sind, so gibt es doch Parallelen und auch Verbindendes – wie zum Beispiel die Musik. Barbara Camenzind, aufgewachsen als «Watteschachtelkind» in einer Bildungsfamilie, wie sie sagt, hat zwar den Lehrberuf erlernt, trat aber dann später in Innsbruck als Opernsängerin und Komödiantin auf. Nach zehn Jahren zwang sie eine Krankheit, damit aufzuhören: Heute arbeitet sie wieder als Lehrerin – und gibt neben Französisch Theaterkurse an ihrer Schule.

Peter Kraus war in seinem Museum zu Besuch

Roland Grossenbacher hat nach der Kochlehre sein dort erworbenes Organisationstalent an grösseren Events anwenden können. Mit diesem Verdienst habe er dann auch seine angehäuften Schulden abbauen können, sagte Grossenbacher:

«Dank des Erbes meines Onkels
habe ich dann einen Lebenstraum verwirklichen können.»

Und weiter: «In meinem Pop- und Rockmuseum in Niederbüren gibt es viele Sammlerstücke und Unikate zu bewundern – und selbstverständlich sehr viel Musik. Das gibt mir und vor allem den Besuchern so viel Freude», so Grossenbacher. Vor einer Woche sei sogar der 81-jährige Peter Kraus bei ihm gewesen – und er sei begeistert gewesen.

Auf eine je eigene und natürlich individuelle Art war die Kindheit der beiden nicht nur einfach: Während Roland Grossenbacher von Pflegefamilie zu Pflegefamilie kam und seine Mutter gar nie gesehen hatte, musste Barbara Camenzind ausbrechen: «Ich habe mir als Kind vieles selber beigebracht, das Schreiben und dann die daraus folgenden langen Geschichten. Als Teenager war ich oft in einer Aussenseiterrolle. Opernsängerin bin ich wohl auch aus Trotz geworden. Und trotzdem bin ich jetzt wieder Lehrerin», sagt sie. In ihrem Haus wohne auch ihre Mutter, die «wilde Hilde». Damit das funktioniere, sei es ganz wichtig, immer wieder miteinander zu reden.

Stolz auf das, was sie erreicht haben

Auf das, was sie gemacht haben und was sie heute tun – davon sind beide Gesprächsteilnehmer überzeugt – dürfen und sollen sie auch stolz sein. Immer mit dem Bewusstsein, dass sie es nicht allein bis dahin gebracht hätten:

«Ich habe in meinem Leben, vor allem in der zweiten Hälfte, immer wieder Glück gehabt.»

Da habe ganz klar einer von oben, auf ihn geschaut. Darum sei er auch dankbar, wenn er im Gespräch mit Gott sei, wenn er bete, sagt Grossenbacher.

Auch Camenzind ist in der Kirche zu Hause: «Sie gibt mir Halt, und ich kann mich auch fallen lassen in der katholischen Liturgie.» Damit erhalten ihre zwei Lebensgeschichten mit Umwegen sozusagen mehrere verbindende Fäden in der Musik, im Glauben und in den Biografien selber.