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Unternehmer Hermann Hess zur Sanierung des alten Bauernhauses in Amriswil: «Denkmalpflege light wäre ideal»

Fast rundum erneuern musste die Hess Investment das alte Bauernhaus in Gizehus. Es wäre einfacher gegangen, sagt Hermann Hess. Er ist überzeugt, dass es andere Lösungen gäbe.
Rita Kohn
Hermann Hess vor dem sanierten Gebäude im Amriswiler Ortsteil Gizehus. (Bilder: Andrea Stalder)

Hermann Hess vor dem sanierten Gebäude im Amriswiler Ortsteil Gizehus. (Bilder: Andrea Stalder)

«Es gäbe andere Wege: quasi eine Denkmalpflege light.» Unternehmer Hermann Hess macht sich nicht erst seit kurzem Gedanken zum Thema Denkmalpflege. «Wir arbeiten bei sehr vielen unserer Objekte in der ganzen Schweiz seit Jahren erfolgreich mit der Denkmalpflege zusammen», sagt er.

«Wir haben in den letzten Jahren mehrfach denkmalgeschützte Objekte erworben.» Nun aber ist sein Verständnis an Grenzen gestossen. Grund für die Verärgerung ist die Sanierung des alten Bauernhauses in Gizehus.

Rund 3,3 Millionen Franken hat die Hess Investment AG in die Sanierung gesteckt. Das alte Gebäude, dessen Ursprung auf das 17. Jahrhundert zurückgeht, wurde von der Denkmalpflege als «erhaltenswert» eingestuft. Für den Besitzer bedeutete das, dass die Sanierung nur in enger Absprache mit der Denkmalpflege vorgenommen werden konnte. Ein teures Unterfangen, wie Hermann Hess konstatiert.

Nur wenige Elemente konnten erhalten werden

So sieht das alte Bauernhaus nun von innen aus.

So sieht das alte Bauernhaus nun von innen aus.

Heute präsentiert sich das Bauernhaus als stattliches Mehrfamilienhaus mit historischem Charakter. Ein Blick ins Innere verrät, dass es sich um ein zu 85 Prozent erneuertes Gebäude handelt. Denn die Bausubstanz war in einem miserablen Zustand.

«Mann muss bedenken, dass der Thurgau einst Hoheitsgebiet von fremden Herren war. Die Menschen hier hatten nur wenig Geld und konnten sich keine aufwendigen Häuser leisten.»

Das Bauernhaus in Gizehus wurde in drei Teilen errichtet. Zunächst der mittlere Teil mit Bohlenständerelementen, der aus dem 17. Jahrhundert stammt, dann der östliche Teil, der wohl einst als Restaurant diente und schliesslich der westliche Teil, früher wohl Stall und Scheune, bevor er in Wohnraum umgewandelt wurde. Das Alter hatte dem Gebäude zugesetzt. Vor allem die Wände und das Fundament im westlichen Bereich und an der Nordseite des Gebäudes waren marode. Hess sagt:

«Es wäre sinnvoll gewesen, das Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen.»

Einen Neubau, der in Erscheinungsbild, Materialwahl und Charakter dem einstigen Bauernhaus weitestgehend entsprochen hätte. «Wir hätten die Elemente, die noch in einem guten Zustand waren, in den Neubau integrieren können», sagt Hess. Entstanden wäre ein Gebäude, das genauso aussähe wie das heute in Gizehus bewunderte Objekt. «Aber es wäre eine vernünftigere Lösung möglich gewesen.»

Das sanierte Bauernhaus von aussen.

Das sanierte Bauernhaus von aussen.

Konkret denkt er da an den Strassenabstand, an die Raumaufteilung und an eine geringfügige Anpassung der Raumhöhe. Alles Bereiche, die nun nicht optimal sind, obwohl der Hauskern in weiten Teilen demjenigen eines Neubaus entspricht.

Hohe Kosten bestimmen den Mietzins

Statt 3,3 hätte der unter strengen Auflagen der Denkmalpflege erstellte Neubau nur 2,3 Millionen gekostet. Damit wären auch die Mieten günstiger ausgefallen. «Es wäre gegenüber der heutigen Lösung nichts verloren gegangen», ist Hermann Hess überzeugt. Er kann nicht verstehen, dass es für solche Fälle nicht eine Art «Denkmalpflege light» gibt. Er regt an:

«Man könnte Auflagen machen, was auf welche Weise übernommen werden muss.»

Mit einem solchen System könnten etliche erhaltenswerte historische Elemente bewahrt und die Liegenschaften dennoch sinnvoll genutzt werden. «Und vor allem würde man Besitzer von solchen Objekten nicht vor unzumutbare und unlösbare finanzielle Probleme stellen.»

Obwohl er die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege nicht grundsätzlich kritisieren möchte, ist Hermann Hess überzeugt, dass es hier einen neuen Denkansatz braucht. «Dadurch könnte das vorhandene Geld bei jenen Objekten eingesetzt werden, die unbedingt als Ganzes geschützt werden müssen.»

Haus besichtigen

Wer sich ein Bild darüber machen möchte, welche Elemente des alten Bauernhauses erhalten werden konnten und wie aus dem renovierungsbedürftigen Bau ein Schmuckstück geworden ist, bekommt am Samstag, 9. März, von 11 bis 15 Uhr Gelegenheit, das Gebäude im Rahmen eines Tags der offenen Türe zu besichtigen. Gezeigt werden zum einen die verschiedenen Wohnungen, in denen teilweise noch ein Eindruck der früheren Gestaltung zu sehen ist, wie auch der gesamte Aufbau des ehemaligen und nun neu konzipierten Bauernhauses.

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