Unsinn ist auch eine Kunstform

Christof Wolfisberg, die eine Hälfte von «Ohne Rolf», machte am Freitag den Saisonauftakt im Kreuzlinger Theater an der Grenze.

Judith Schuck
Hören
Drucken
Teilen
Keine Lesung, aber mit Gartenzwerg: Christof Wolfisberg liest Gedanken.

Keine Lesung, aber mit Gartenzwerg: Christof Wolfisberg liest Gedanken.

(Bild: Judith Schuck)

Dass das Hirn eine bizarre Masse sei, betonte Christof Wolfisberg gleich mehrmals. Auf dieser Feststellung basiert sein erstes Solo-Programm «Abschweifer». Während beim Duo «Ohne Rolf» kein einziges Wort fällt und Wolfisberg mit seinem Partner Jonas Anderhub ausschliesslich über beschriebene Plakate kommuniziert, spricht er in «Abschweifer» gleich für den ganzen Saal.

Das Missverständnis, dass sich das Publikum nicht wie angekündigt im Theater, sondern in einer Lesung befände, räumt er gleich zu Beginn aus der Welt.

«Der Abend startet mit einer gemeinsamen Enttäuschung»,

sagte er dazu. Den Begriff sieht er aber als durchweg positiv, bedeutet er doch, dass eine Täuschung aufgedeckt wird. Das möchte er mit «Abschweifer» zeigen: Denn Wolfisberg geht nicht davon aus, dass ihm das Publikum bei seiner knapp zweistündigen Lesung durchweg konzentriert lauscht. Er weiss, dass das menschliche Hirn dazu neigt, ständig von einem Gedanken zum anderen zu springen.

Während er also aus dem Roman vorliest, schweift er beim Lesen zu seinen eigenen Gedanken ab, die er beim Schreiben hatte, oder die ihm beim Betrachten des Publikums kommen. Als wäre dies nicht genug Gedankenspielerei, taucht der Luzerner ausserdem in die Köpfe seiner Zuschauer ein und gibt wieder, was diese gerade beschäftigt.

In den Köpfen des Publikums

Für manch einen im Raum mag dieser Einbezug ins Stück unangenehm gewesen sein; denn spontan durch den Kopf schwirrende «Abschweifer» kennen keine Tabus. Da sitzt zum Beispiel eine Frau, der Wolfisberg prophezeit, nach einem Date schwanger zu werden. Oder der «Mann mit den schweissigen Händen», der ordentlich durch die Mangel genommen wird.

Am Ende spart der Künstler aber nicht an Selbstentblössung. Seine von ihm geschaffenen Figuren gewinnen sogar die Macht über ihn und greifen in die Handlung mit ein. Ein Zuschauer kommentiert das Stück als kompletten Nonsens. Doch ist auch der «Unsinn» eine Kunstform, den Wolfisberg im Stück ganz bewusst betont. Er verweist damit auf die oft sinnlosen Gedankenfetzen, die unser Leben mitlenken. Dazu gehören auch ganz banale «Furzgeschichten».

Mehr zum Thema