«Unser Seil ist nicht gerissen»: Der Romanshorner Drahtseil-Lieferant Fatzer bezieht Stellung nach dem tödlichen Gondelbahn-Unfall am Titlis

Die Firma hat vor Ort Spleissarbeiten vorgenommen. Für die unglücklichen Abspannarbeiten war sie laut eigenen Angaben allerdings nicht zuständig.

Tanja von Arx
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Ein Angestellter der Fatzer AG wurde auf der Gerschnialp verletzt. Rechts sein Dienstauto. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Ein Angestellter der Fatzer AG wurde auf der Gerschnialp verletzt. Rechts sein Dienstauto. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Für die Titlisbahnen ist es der schwärzeste Tag in der Unternehmensgeschichte. Bei den Revisionsarbeiten der Gondelbahn von Engelberg zum Trübsee hat sich gestern ein tödlicher Arbeitsunfall ereignet: Einer ihrer Mitarbeiter ist auf der Gerschnialp ums Leben gekommen, und sechs weitere Personen wurden teilweise schwer verletzt (siehe Kasten). Darunter befindet sich auch ein Angestellter der Drahtseil-Firma Fatzer mit Hauptsitz in Romanshorn.

Verletzte Arbeiter ausser Lebensgefahr

Am Mittwoch teilte die Kantonspolizei Obwalden mit: «Mitarbeitende des Seilbahn- und des Förderseilherstellers sowie Angestellte der Bergbahnen Engelberg-Titlis arbeiteten morgens auf der Gerschnialp am Förderseil der Gondelbahn, als sich die temporäre Abspannung im Bereich Seilspleisses des Förderseils löste, worauf die Arbeiter vom Förder- wie Entlastungsseil getroffen wurden.» In der Folge wurde ein Mitarbeiter der Titlisbahnen so schwer verletzt, dass er noch vor Ort verstarb. Zwei weitere mit den Arbeiten beschäftigte Personen wurden erheblich, eine Person mittelschwer verletzt. Alle drei Verletzten wurden von der Rega zur weiteren Behandlung in ausserkantonale Spitäler geflogen. Sie sind unterdessen ausser Lebensgefahr. Die Revisionsarbeiten wurden wieder aufgenommen. (tva)

Der Mitarbeiter rief von der Alp aus an

Roland Züst, Projektleiter bei der Fatzer AG, sagte kurz nach dem Unglück gegenüber den Medien: «Unser Mitarbeiter hat um 7.30 Uhr früh angerufen. Er erzählte, irgendwas sei im Zuge der Abspannarbeiten gerissen. Das Seil sei losgespickt, und ein Titlis-Mitarbeiter sei noch auf der Unfallstelle gestorben.» Der Angestellte läge zur Zeit im Kantonsspital Luzern. In Zusammenhang mit weiteren Fragen von Journalisten verwies der Obwaldner Staatsanwalt Bernhard Schöni, dem die Abklärung betreffend die Unfallursache obliegt, auf «laufende Ermittlungen». Angaben inhaltlicher Natur könnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht gemacht werden.

Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Philipp Büche, ebenfalls Projektleiter bei der Fatzer AG: «Unsere Firma produzierte 2015 das Förderseil für besagte Gondelbahn. Dieses ist allerdings nicht gerissen. Beim Unfall selbst waren wir für Spleissarbeiten vor Ort.» Und stellt des Weiteren klar: «Mit den Abspannarbeiten, im Rahmen derer sich das Unglück vermutlich ereignete, waren wir nicht beauftragt.»

«Der Verletzte konnte nach Hause gehen»

Projektleiter Büche sagt ferner, der mittelschwer verletzte Mitarbeiter habe gestern Abend nach Hause gehen können. «Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.» In den nächsten Wochen könne er allerdings noch nicht wieder arbeiten. «Zu den Verletzungen kann ich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nichts sagen.»

Bernhard Eicher, CEO der Fatzer AG in Romanshorn. (Bild: Reto Martin)

Bernhard Eicher, CEO der Fatzer AG in Romanshorn. (Bild: Reto Martin)

Fatzer-CEO Bernhard Eicher hebt an dieser Stelle hervor:

«Der höchst bedauerliche Todesfall und die schweren Verletzungen weiterer Beteiligter haben alle unsere Mitarbeiter sehr betroffen gemacht.»

Der Obwaldner Staatsanwalt Schöni sagt, dass zur Klärung des Unfallhergangs die Suva und das Forensische Institut Zürich beigezogen würden. «Wahrscheinlich wird auch die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt aufgeboten, um festzustellen, ob ein Material-Problem vorgelegen hat.»