Unihockey
Der unerschrockene Finne: Wie sich Jukka Ruotsalainen bei Floorball Thurgau einen Namen macht

Jukka Ruotsalainen soll Floorball Thurgau in die Unihockey-NLA führen. Für den Klub ist der 36-Jährige, der über die Landesgrenze hinaus einen hervorragenden Ruf als Ausbildner geniesst, genau der richtige Mann.

Peter Birrer
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Trainer Jukka Ruotsalainen (hier im Testspiel gegen Wiler-Ersigen) ist mit Floorball Thurgau auf einer Mission.

Trainer Jukka Ruotsalainen (hier im Testspiel gegen Wiler-Ersigen) ist mit Floorball Thurgau auf einer Mission.

Mario Gaccioli

Sein Ziel in der kommenden Saison? «Aufsteigen», sagt Jukka Ruotsalainen ohne Zögern: «Uns ist bewusst, dass es kein Selbstläufer wird, aber wir haben die Voraussetzungen geschaffen, um diesen Schritt nun zu machen.» Selbstbewusst, unerschrocken: So steigt der Headcoach mit Floorball Thurgau am 11. September in die neue NLB-Meisterschaft im Unihockey.

Der 36-jährige Finne kam vor zwei Jahren nach Weinfelden, inzwischen hat er den Vertrag bis 2023 verlängert. Weil das Gesamtpaket passt: Er spielt in einem ambitionierten Projekt eine Hauptrolle – und im Thurgau fühlt er sich wohl.

Ruotsalainen stammt aus der Nähe von Kuopio, einer ostfinnischen Stadt, in welcher der Sport einen hohen Stellenwert geniesst. Er entscheidet sich für das populäre Unihockey, muss aber mit 22 aufhören. Nach einem Riss der Patellasehne benötigt er lange Monate, bis er das rechte Bein wieder belasten kann. Einen Alltag ohne Unihockey kann und will er sich aber nicht vorstellen. Ruotsalainen fängt an, Junioren zu trainieren, übernimmt in Porvoo ein Team in der zweiten Liga, bevor er bei Turku unterschreibt.

Floorball Thurgau strebt Professionalisierung an

Sechs Jahre bleibt er, und eigentlich hätte der Verein dauerhaft auf ihn gebaut. Aber Rutosalainen zieht eine Luftveränderung vor. In Schweden, dem Nachbarland mit starker Unihockey-Kultur, sind offene Trainerstellen rar, dafür ergibt sich in der Schweiz eine Option: Thurgau sucht einen neuen Headcoach. Ruotsalainen verlässt die Heimat und bereut es nicht, das Abenteuer eingegangen zu sein. Obwohl die NLB nicht die ganze grosse Bühne ist.

Aber ewig soll das nicht mehr der Fall sein. Denn Floorball Thurgau hat seine Strukturen angepasst und eine Geschäftsleitung gebildet, die ausschliesslich für den Leistungssport zuständig ist. Benjamin Kuhn, Präsident seit Anfang Juli, sagt: «Unsere Spieler betreiben einen immensen Aufwand. Ihnen möchten wir bessere Bedingungen bieten.» Mit anderen Worten: Floorball Thurgau strebt eine Professionalisierung an.

Yannic Fitzi (rechts) gehört zu den Aushängeschildern der Mannschaft von Jukka Ruotsalainen.

Yannic Fitzi (rechts) gehört zu den Aushängeschildern der Mannschaft von Jukka Ruotsalainen.

Mario Gaccioli

Nicht, dass in Zukunft das Team gleich aus lauter Berufsunihockeyanern besteht, aber Kuhn hat die Vision des Halbprofitums. «Wir sehen Chancen, diese Entwicklung voranzutreiben. Es braucht einfach Zeit», so der 36-jährige. Gegenwärtig beläuft sich das Saisonbudget auf rund 420000 Franken. Die Verantwortlichen bemühen sich intensiv um mehr Mittel und haben die Hoffnung, Sponsoren zu finden, die in eine attraktive, medial immer präsentere Sportart investieren – und in eine Mannschaft, in der viele eigene Talente Platz haben sollen. Für die gezielte Förderung ist Ruotsalainen genau der Richtige, so sagt es Kuhn: «Er ist ein hervorragender Ausbildner.»

Klar ist für den Präsidenten aber auch: Ausschliesslich mit Einheimischen funktioniert der Betrieb auf höchster Stufe nicht. Floorball Thurgau setzt jetzt schon auf vier Verstärkungen aus Finnland und will auf Dauer als dritte sportliche Kraft im Kanton nach dem HC Thurgau und Volley Amriswil wahrgenommen werden. Inzwischen zählt der Klub 200 Mitglieder und 13 verschiedene Teams.

Ruotsalainen: «Leute im Verein motivieren einen»

Kuhn ist einer von vielen unermüdlichen Ehrenamtlichen, die Ruotsalainen Eindruck machen. «Es ist unglaublich, was all die Leute im Verein leisten», sagt der Coach, der nebenbei auch als Assistenztrainer des finnischen Frauen-Nationalteams amtet, «sie sind für mich und die Spieler eine zusätzliche Motivation, um Erfolg zu haben. So macht die Arbeit richtig Spass».

Ruotsalainen ist mit so viel Leidenschaft bei der Sache, dass er sich nicht einmal von einer Blinddarmoperation aufhalten lässt. Er verliess am vergangenen Dienstag das Spital für fünf Stunden, um bei einem Testspiel seiner Equipe dabei zu sein. Am Samstag, beim Galaspiel gegen den Schweizer NLA-Rekordmeister Wiler-Ersigen (2:12), stand er bereits wieder voller Leidenschaft als Trainer im Einsatz. «Es ging nicht anders», sagt er mit einem Lächeln, «ich muss bei meinen Spielern sein. Dann geht es mir gut.»

Im Testspiel anlässlich der Jubiläumsgala vom Samstag gegen den NLA-Spitzenklub Wiler-Ersigen musste Floorball Thurgau (Irio Lankinen, am Boden) unten durch. Die Ambitionen der Thurgauer in der zweithöchsten Liga sind dennoch berechtigt.

Im Testspiel anlässlich der Jubiläumsgala vom Samstag gegen den NLA-Spitzenklub Wiler-Ersigen musste Floorball Thurgau (Irio Lankinen, am Boden) unten durch. Die Ambitionen der Thurgauer in der zweithöchsten Liga sind dennoch berechtigt.

Mario Gaccioli

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