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«Unfassbar»: Thurgauer Nationalrat Lohr entsetzt über Attacke auf Behinderten bei Bischofszell

Ein unbekannter Autofahrer hat einen Behinderten bei Bischofszell beschimpft, körperlich angegriffen und dann einfach liegenlassen. Der behinderte Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr spricht im Interview über den Gewaltvorfall.
Daniel Walt
Hier passierte es: Die Frau des Opfers am Ort, wo sich die Attacke ereignete. (Bild: Rita Kohn)

Hier passierte es: Die Frau des Opfers am Ort, wo sich die Attacke ereignete. (Bild: Rita Kohn)

Christian Lohr, was löst der Angriff auf den behinderten Mann bei Bischofszell in Ihnen aus?

Entsetzen und Unverständnis. Die Tatsache, dass man einen wehrlosen Menschen einfach auf der Strasse liegenlässt, ist unfassbar – egal, was zuvor passiert ist.

Hätten Sie es für möglich gehalten, dass so etwas in einem zivilisierten Land wie der Schweiz möglich ist?

Auch auf Polizisten und Rettungssanitäter geht man heutzutage los. Auch solche Dinge würde man eigentlich nicht für möglich halten – trotzdem passieren sie leider.

Der unbekannte Autofahrer beschimpfte den Mann laut dessen Schilderungen zunächst und sagte, einer wie er habe auf der Strasse nichts verloren. Ihm scheinen die Sicherungen durchgebrannt zu sein, weil der Behinderte mit seinem Spezialfahrzeug mit reduziertem Tempo auf der Strasse unterwegs war.

Der Mann hatte mit seinem Behindertenfahrzeug die Berechtigung, auf der Strasse zu fahren – von daher ist dieser Vorfall umso tragischer. Aber der respektvolle Umgang untereinander im Strassenverkehr ist ja ohnehin im Abnehmen begriffen.

Christian Lohr. (Bild: Keystone)

Christian Lohr. (Bild: Keystone)

Man könnte den Vorfall auch als Symptom einer Leistungsgesellschaft deuten, in der ständig Hochdruck herrscht. Menschen, die reduziert beziehungsweise etwas langsamer funktionieren, geraten buchstäblich unter die Räder.

Der Vergleich ist grundsätzlich richtig. Aber ich frage mich, ob man das wirklich derart verallgemeinern kann. Zum Glück sind solche krassen Vorfälle immer noch die Ausnahme.

Sie bewegen sich als Mensch mit einer Behinderung ebenfalls im öffentlichen Raum. Inwieweit haben auch Sie schon Unverständnis, Ärger oder offene Ablehnung erlebt?

Vereinzelt kommen solche Situationen im Zug vor. Nicht alle haben Verständnis, wenn sie einen Platz freigeben müssen, der für Menschen mit Behinderung vorgesehen ist. Da kann es schon mal zu verärgerten Reaktionen kommen. Richtig krasse Vorfälle passieren aber alle zehn Jahre einmal – und ich bin pro Jahr 200 bis 300 Mal mit dem Zug unterwegs.

Die Chancen, dass der Täter von Bischofszell zur Rechenschaft gezogen werden kann, sind klein. Der Mann dürfte weiterhin im Strassenverkehr unterwegs sein.

Leider, ja. Ich wünsche ihm, dass er selber zur Einsicht kommt, dass er einen Fehler gemacht hat.

Das Opfer seinerseits dürfte noch lange mit den körperlichen, aber auch den psychischen Folgen des Gewaltvorfalls zu kämpfen haben.

Das ist so. Solche Vorfälle lösen Angstgefühle aus. Ich rate dem Mann jedenfalls, sich wieder in sein Gefährt zu setzen und am Strassenverkehr teilzuhaben, sobald er sich erholt hat. Er soll sich auf keinen Fall verstecken.

Betroffenheit auch im Netz

Die Berichterstattung über den Angriff auf den Behinderten bei Bischofszell hat für zahlreiche Reaktionen im Netz gesorgt. «Schlimm. Kein Respekt vor Menschen mit Handicap!», schreibt beispielsweise Margrith Bruhin auf der Facebook-Seite des «Tagblatts». Jnge Wild findet, die Gesellschaft verrohe immer mehr. Schon den Kindern werde solches Benehmen vorgelebt. Reto Beer seinerseits hält fest, diese egoistische, selbstverliebte Welt gebe einem nur noch zu denken. Bedran Elma Hajdari vertraut aufs Karma: «Alles kommt im Leben früher oder später zurück.»

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