«Unfälle und Chaos vorprogrammiert»: Velo-Lobby kritisiert Zufahrtsstrasse zum neuen Reka-Dorf in Kreuzlingen – sie führt über den Bodensee-Radweg

Die Stadt Kreuzlingen legt die Zufahrt zum künftigen Tourismus-Leuchtturm und den internationalen Bodensee-Radweg auf derselben Strasse zusammen. «Pro Velo Thurgau» prognostiziert Unfälle und ein Chaos.

Urs Brüschweiler
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Auf dem Acker vorne ist das Reka-Dorf geplant. Die Kurve des Velowegs (oben im Bild) wird verlegt und über die neue Zufahrtsstrasse geführt.

Auf dem Acker vorne ist das Reka-Dorf geplant. Die Kurve des Velowegs (oben im Bild) wird verlegt und über die neue Zufahrtsstrasse geführt.

Bild: Reto Martin

Der neue Plan soll für einige Grossprojekte den Weg ebnen. Eine neue Tennishalle ist seit langem beim Schwimmbad Hörnli geplant. Und natürlich steht der Bau des Reka-Dorfes Bodensee ganz oben auf der Prioritätenliste. Doch es gibt kritische Stimmen zum Gestaltungsplan Seezelg II, der vom 4. bis 23. September bei der Kreuzlinger Bauverwaltung öffentlich aufgelegen ist.

Ein Knackpunkt: Der meist befahrene Veloweg der Schweiz führt durch das betroffene Areal. Der Interessenverband Pro Velo Thurgau befürchtet, dass dessen neue Streckenführung Konflikte zwischen Autofahrern und dem Langsamverkehr auslösen wird.

«Hier ist ein Chaos vorprogrammiert.»

Das schreibt der Verband in seiner Stellungnahme. Die Zufahrt zum Reka-Dorf und der Radweg sollen gemäss den Plänen künftig nämlich auf derselben Strasse verlaufen. Pro Velo verlangt zumindest ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde oder noch besser einen abgetrennten Veloweg. Der Verband fürchtet Kollisionen und Unfälle, sollte die Strasse wie geplant von Mischverkehr befahren werden. «Pro Velo Thurgau» schreibt an die Adresse der Stadt Kreuzlingen:

«Bitte lasst uns im Nachhinein
nicht sagen müssen,
wir hätten es euch ja gesagt.»

Keine Durchfahrt Richtung Bottighofen möglich

Dort hat man die kritischen Denkanstösse der Velofahrer-Lobby zur Kenntnis genommen. «Die Zufahrt zum Reka-Dorf ist eine Sackgasse. Eine Durchfahrt Richtung Bottighofen wird nicht möglich sein», erklärt Stadtrat Ernst Zülle.

Ernst ZülleStadtrat Kreuzlingen

Ernst Zülle
Stadtrat Kreuzlingen

(Bild: PD)
«Wir glauben deshalb nicht,
dass der motorisierte Verkehr
auf dieser Strasse
enorm zunehmen wird.»

Würde man einen separaten Fuss- und Veloweg und eine Strasse für den motorisierten Verkehr bauen, würde dies etwa zehn Meter breit werden.

«Das wäre quasi eine Autobahn.»

Jedoch sei die Stadt durchaus offen für Verbesserungsvorschläge wie zum Beispiel eine Temporeduktion. «Für die Streckenführung während der Bauphase holen wir Pro Velo gerne mit ins Boot», sagt Zülle.

Direkter Fuss- und Radweg vom Bahnhof zum Reka-Dorf

Der zuständige Stadtrat sieht das grössere Problem aber weiter vorne, bei der Einfahrt zum Schwimmbadparkplatz. Dort träfen mehrere verschiedene Verkehrsteilnehmer aufeinander. Bei der Stadt Kreuzlingen überlegt man sich deshalb, eine zusätzliche Velo- und Fussgängerverbindung von der Bahnhaltestelle Seepark über die Unterführung Bleichestrasse und direkt weiter zum Reka-Dorf zu bauen. «So würde auch die Anreise der Feriengäste mit dem Zug vereinfacht.»

Einsprachen von Anwohnern wegen Seesicht

Die Planungen im Gebiet Seezelg laufen bei der Bauverwaltung also weiterhin auf Hochtouren. Pro Velo Thurgau hat als Verband keine Einsprache gegen den Gestaltungsplan machen können. Allerdings seien von Seiten einiger Anwohner solche eingegangen, sagt Stadtrat Ernst Zülle. Er lässt durchblicken, dass diese befürchten, das neue Reka-Dorf würden ihnen die Sicht auf den See versperren.

Nun wird das kantonale Departement für Bau und Umwelt über die Einsprachen befinden. Sobald der Gestaltungsplan Seezelg II genehmigt und rechtskräftig ist, erwarte man anschliessend schon rasch das Baugesuch für das Reka-Dorf.