Umweltpolitik
Kreuzlingen macht es vor: Grüne, SP und EVP haben die Idee eines Umweltbeauftragten für Romanshorn noch nicht aufgegeben

Am Freitagabend luden die drei Parteien die Bevölkerung zu einem Informationsabend ein. Referent war der Umweltbeauftragte der Stadt Kreuzlingen. Gut möglich, dass die drei Parteien an der Budgetgemeinde am 8. November einen neuen Anlauf nehmen.

Markus Schoch
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Noch viele weitere solche Projekte wünschen sich Grüne, SP und EVP: Am Samstag lud die Stadt die Bevölkerung ein, auf dem Schlossberg Zwiebeln von Dichternarzissen zu setzen.

Noch viele weitere solche Projekte wünschen sich Grüne, SP und EVP: Am Samstag lud die Stadt die Bevölkerung ein, auf dem Schlossberg Zwiebeln von Dichternarzissen zu setzen.

Bild: PD/Rolf Müller

Die drei Parteien lassen nicht locker. Denn es war ein Zufallsmehr. An der Gemeindeversammlung vor einem Jahr scheiterten sie ganz knapp mit dem Antrag, 150'000 Franken für eine Umweltfachstelle ins Budget aufzunehmen. Mit 38 gegen 36 Stimmen sagten die anwesenden Stimmbürger damals Nein. Und sie waren auch nicht für eine abgespeckte Variante zu haben, die 75'000 Franken gekostet hätte. Grüne, SP und EVP haben die Idee aber noch nicht aufgegeben. Sie sind nach wie vor überzeugt, dass es in der Verwaltung jemanden braucht, der den Überblick behält und Massnahmen in den Bereich Umwelt- und Klimaschutz sowie Biodiversität ressortübergreifend koordiniert.

Am Freitagabend luden sie deshalb die Bevölkerung zu einer Informationsveranstaltung ein, zu der sie Stefan Braun eingeladen hatten. Dieser ist seit zehn Jahren Umweltbeauftragter der Stadt Kreuzlingen. In der Aula Rebsamen berichtete der studierte Umweltingenieur den gut ein Dutzend Besucherinnen und Besuchern von seinem Arbeitsalltag.

Es hat ein Umdenken stattgefunden

Stefan Braun, Umweltschutzbeauftragter der Stadt Kreuzlingen.

Stefan Braun, Umweltschutzbeauftragter der Stadt Kreuzlingen.

Bild: Donato Caspari (10. April 2017)

Hintergrund der Veranstaltung: Sowohl Stadtpräsident Roger Martin als auch die FDP lehnten die Forderung der Grünen, der SP und der EVP seinerzeit mit dem Argument ab, eine Umweltfachstelle bringe nichts oder viel zu wenig. «Wir sollten keine Papiertiger produzieren», hiess es von Seiten der Freisinnigen. Zumindest in Kreuzlingen scheint diese Befürchtung nicht zuzutreffen. «Unser Ziel ist es, viele Projekte auf den Boden zu bringen», sagte Braun. Vor allem aber habe dank der vor über 20 Jahren ins Leben gerufenen Umweltfachstelle ein Umdenken stattgefunden.

«Bei Strassenprojekten wird heute nicht einfach dort am Schluss ein Baum gepflanzt, wo ein Platz frei geblieben ist.»

Zu tun habe diese Entwicklung auch damit, dass das Wort des Umweltbeauftragten in Kreuzlingen Gewicht habe. «Ich bin Leiter des Ressorts Umwelt und Energie in der Bauverwaltung und beispielsweise dem Leiter der Ressorts Tiefbau gleichgestellt», sagte Braun.

Parteien lassen das weitere Vorgehen offen

Sein Aufgabengebiet ist breit: Er kümmert sich um die kommunale Entsorgung, Altlasten, Naturobjekte, den regionalen Klimaschutz, die Biodiversitätsförderung und anderes mehr. Vieles müsste die Stadt auch ohne Braun erledigen. 70 bis 80 Prozent seiner Arbeitszeit wende er für den Vollzug der Gesetzgebung im Bereich von Umwelt und Entsorgung auf. Braun hat ein 90-Prozent-Pensum, ab neuem Jahr arbeitet er Vollzeit. Er sei kein Fundamentalist, sondern versuche, pragmatische Lösungen zu finden.

Ob Grüne, SP und EVP an der Budgetgemeinde am 8. November einen neuen Anlauf nehmen, ist offen. «Wie es weitergeht, werden wir sehen», sagte Markus Bösch, der Präsident der Grünen.

Umweltpolitik

Stadtrat macht vorwärts

Der Stadtrat will sein Engagement im Energie-, Klima- und Umweltschutzbereich verstärken. Letzte Woche hat er an einer Klausurtagung die Ziele und Strategien der Energie- und Umweltpolitik vertieft beraten. Am Samstag lud die Behörde die Bevölkerung dazu ein, auf dem Schlossberg 8900 Zwiebeln von Dichternarzissen zu setzen: 220 Romanshornerinnen und Romanshorner inklusive Regierungsrat Urs Martin folgten dem Aufruf. (mso)

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