Umnutzung
Lernen statt beten: Das Priesterhaus Bernrain wird zur ersten Montessori-Schule im Thurgau

Die Katholische Kirchgemeinde Kreuzlingen hat für die Liegenschaft nach dem Auszug der Redemptoristen einen neuen Mieter gefunden.

Martina Eggenberger Lenz
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Das Priesterhaus Kreuzlingen wird zum Standort für die erste Montessori-Schule in der Ostschweiz.

Das Priesterhaus Kreuzlingen wird zum Standort für die erste Montessori-Schule in der Ostschweiz.

Bild: Andrea Stalder

Das Priesterhaus Bernrain erwacht aus dem Dornröschenschlaf. Wie die Vorsteherschaft der katholischen Kirche mitteilt, soll im kommenden Sommer eine Montessori-Schule ins Erdgeschoss der Liegenschaft einziehen. Nach dem Weggang der polnischen Redemptoristen im Sommer 2020 hatte die Kirche eine Findungsgruppe eingesetzt, die nach kirchlichen und weltlichen Mietern für das Haus suchte.

«Wir freuen uns darüber, dass wir mit der Montessori-Schule nun einen Mieter gefunden haben, der unsere Räumlichkeiten sowie die Anbauten und den Garten wieder mit Leben füllen wird», schreibt Kirchenpräsident Beat Krähenmann.

Es fallen keine grösseren Investitionen an

Der von der katholischen Kirchgemeinde geplante und bereits bewilligte Umbau des unter Denkmalschutz stehenden Priesterhauses Bernrain im Rahmen von 2,1 Millionen Franken wurde bis jetzt nicht realisiert und wird es auch nicht, weil die neuen Mieter mit der baulichen Situation vorerst zufrieden sind.

Pater Josef Gander ist derzeit der einzige Bewohner in diesem Haus, das früher bis zu 15 Priestern einen Wohnraum bot. Damit die Schule starten kann, gebe es lediglich Anpassungen beim Brandschutz und bei den Toilettenanlagen. Krähenmann rechnet mit Kosten hierfür in der Höhe von maximal 50'000 Franken.

Wenn die Montessori-Schule einzieht, bleiben trotzdem noch fast zwei ganze Stockwerke der Liegenschaft frei. «Da sind wir nach wie vor auf der Suche nach einem kirchlichen Mieter», sagt der Kirchenpräsident. Denkbar wäre etwa eine Nutzung einer Klostergemeinschaft. «Wir sehen der Entwicklung offen entgegen und warten erst einmal ab.»

Eltern setzen Angebot des Kinderhauses fort

Kirchenpräsident Beat Krähenmann.

Kirchenpräsident Beat Krähenmann.

Bild: Donato Caspari

Krähenmann betont, dass man dem Gründerteam der Montessori-Schule mit einem tiefen Mietzins entgegenkomme. Die Kirche profitiere insofern, als dass die Fixkosten des Hauses durch die Mieten gedeckt werden könnten.

«Der neue Mieter ist für uns ein Glücksfall. Wir sind froh, dass die Räume in gute Hände kommen.»

Hinter dem für die Ostschweiz einzigartigen Schulangebot stehen engagierte Eltern des seit zwölf Jahren bestehenden Montessori-Kinderhauses, das einen Hort und die Kindergartenstufe anbietet. Sonja Perren, Mitglied des Gründerteams, Mutter und Entwicklungspsychologin, betont, es sei der Wunsch eines weiterführenden Angebotes vor Ort entstanden. Bislang gingen viele Kreuzlinger Montessori-Kinder nach dem Chindsgi in eine Konstanzer Schule mit Montessori-Philosophie. Dagmar Fuchs, die Leiterin des Kinderhauses, unterstütze die Elterninitiative sehr. Die beiden Institutionen wollen auf jeden Fall zusammen arbeiten.

Sonja Perren, Mitglied Gründungsteam.

Sonja Perren, Mitglied Gründungsteam.

Bild: PD

Starten wird die Montessori-Schule mit einer altersdurchmischten 1. und 2. Primarklasse. «Wir hoffen auf 8 bis 12 Kinder», sagt Perren. Die Schule soll dann langsam und organisch auf maximal 36 Kinder anwachsen. Ein gemeinsamer Mittagstisch und ein wöchentlicher Waldnachmittag gehören zum Schulalltag. Ein Ausbau hin zur Tagesschule sei vorgesehen. Die Schule wird durch Elternbeiträge finanziert, wobei man sich preislich an anderen Privatschulen orientiere. Die Lehrpersonen sind anerkannte Primarlehrer mit Schweizer Lehrdiplom und einer Zusatzausbildung in Montessoripädagogik. Die Privatschule hat beim Kanton eine Bewilligung beantragt. «Wir sind zuversichtlich, dass wir im August starten können», betont die Vertreterin des Gründungsteams.

Infoabend per Zoom

Am 25. Februar um 19.00 Uhr findet ein öffentlicher Elterninformationsabend (online per Zoom) statt. Das Gründungsteam und die Pädagoginnen stellen die Schule vor. «Allerdings hoffen wir alle, dass wir bereits im Frühling interessierte Eltern auch wieder im persönlichen Gespräch für unsere Vision begeistern und ihre Kinder für unsere Schule gewinnen können», lässt sich das Gründungsteam mit einem optimistischen Augenzwinkern zitieren.
www.bildung-mit-weitblick.ch