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Ulrich Zeugin nimmt die Zügel in Kesswil wieder in die Hand

Der ehemalige Gemeindepräsident ist besorgt über die Entwicklung im Dorf. Es gehe nichts mehr. Er ruft deshalb über ein Flugblatt eine Art Bürgerforum ins Leben.
Markus Schoch
Gemeindehaus von Kesswil: Nach Meinung von Ulrich Zeugin braucht die Behörde Hilfe bei der Bewältigung der Aufgaben. (Bild: Donato Caspari)

Gemeindehaus von Kesswil: Nach Meinung von Ulrich Zeugin braucht die Behörde Hilfe bei der Bewältigung der Aufgaben. (Bild: Donato Caspari)

Ulrich Zeugin kann nicht einfach zuschauen, auch wenn er seit über zehn Jahren nicht mehr in der Verantwortung steht. 2007 gab er das Amt des Gemeindepräsidenten nach 16 Jahren ab. Wegen der aktuellen Entwicklung im Dorf nimmt er die Zügel nochmals in die Hand. Er ruft in einem Flugblatt die Bevölkerung beziehungsweise ausgewählte Teile davon auf, sich bei ihm am 18. August im Garten zu treffen, um Ideen zu entwickeln, wie es vorwärts gehen könnte. Denn im Moment sei «trotz hervorragender Ausgangslage der Wurm drin», schreibt er im Flugblatt. «Fast alle Projekte dümpeln vor sich hin.»

Es klemmt bei der Ortsplanung und beim Hafen

Als Beispiele nennt er die Arbeiten an der Ortsplanung und am Baureglement, «das nur noch Makulatur zu sein scheint». Weiter erwähnt er die Diskussionen über das Verkehrskonzept und das Generationenhaus, die seit Jahren ohne konkretes Ergebnis verlaufenden Abklärungen zum Bau eines neuen Hafens sowie diverse blockierte Baugesuche. Gleichzeitig verliere Kesswil an Attraktivität. Als einzige Gemeinde im Oberthurgau sei die Bevölkerungsentwicklung in den letzten fünf Jahren negativ. Und die Gemeinde schreibe regelmässig rote Zahlen - trotz tiefer Abschreibungen und geringem Investitionsvolumen.

Neider, Egoisten und Rachsüchtige

Ulrich Zeugin. (Bild: Archiv)

Ulrich Zeugin. (Bild: Archiv)

Die Gründe für die Misere aus Sicht von Zeugin, der diese Woche abwesend ist: «Eine Handvoll Neider, Egoisten, frustrierte Rachsüchtige, notorische Querulanten und Verbände - unterstützt durch Juristen - verhindern mit unsäglichen Einsprachen die positive Entwicklung von Kesswil.» Dazu kämen «übergeordnete, nicht definierte Interessen von Schreibtischtätern, die zum Teil krass gegen Treu und Glauben verstossen und den Willen der Bevölkerung verletzen». Eine gewisse Schuld ortet Zeugin schliesslich auch beim Gemeinderat. Wobei er sich nicht sicher ist, wo das Problem liegt. Ist es Mutlosigkeit, Defaitismus oder Führungsschwäche, fragt er sich. Wie auch immer: Es sei dringend nötig, Gegensteuer zu geben, schreibt der alt Gemeindepräsident. Und er lädt alle «positiv eingestellten und kreativen Einwohner und Sympathisanten» am 18. August zu sich in den Garten zum Brainstorming ein. Dabei sollen Ideen entwickelt und mögliche Massnahmen diskutiert werden, «wie wir der Gemeindebehörde (und uns) helfen können».

Gemeindepräsident ist nicht begeistert

Gemeindepräsident Kurt Henauer begrüsst die Initiative grundsätzlich. Es laufe tatsächlich nicht alles optimal, ist er sich in der Analyse der Situation mit Zeugin einig. «Wir bringen im Moment fast nichts fertig.» Wenn sich die Bevölkerung in dieser Situation Gedanken darüber mache, wie es endlich vorwärts gehen könnte, sei das positiv. Mit dem Vorgehen von Zeugin ist Henauer aber überhaupt nicht einverstanden. «Ich hätte nichts dagegen gehabt, Probleme - soweit es die Verschwiegenheitspflicht erlaubt - auch in einem erweiterten Kreis zu besprechen.» Mit dem Flugblatt an die Adresse der Bevölkerung, der Medien und des Regierungsrates habe Zeugin seine Sorgen öffentlich gemacht. «Dieses Vorgehen betrachte ich als eine unglückliche Ausgangslage und ich bezweifle, dass wir so weiter kommen.» Ob er an die Aussprache Mitte August gehe, wisse er noch nicht.

Es braucht einen konstruktiven Dialog

Voraussichtlich dabei sein wird Christian Badertscher, der Präsident des Gemeindevereins. «Ich lasse mich überraschen.» Er teile die Einschätzung der Lage. Es sei aber zu einfach, die Schuld an allem dem Gemeinderat in die Schuhe zu schieben. «Was soll er machen, wenn es Einsprache hagelt?» Und es sei auch nicht so, dass sich in Kesswil gar nichts mehr bewege. Es werde im Dorf gebaut. «Wichtig ist mir, dass es einen konstruktiven Dialog gibt, bei dem es darum geht, Lösungen zu suchen, und nicht Schuldige zu finden.»

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