Überforderter HC Thurgau schlittert in die Niederlage

Beim 3:6 auswärts gegen Langenthal haben die Ostschweizer die Partie schon bei Spielmitte verloren. Im Kampf um den Heimvorteil im Playoff ist diese Niederlage ein kleiner Rückschlag.

Leroy Ryser aus Langenthal
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Der frühere Thurgauer Simon Sterchi (links) schiesst zum 2:1 für Langenthal ein. HCT-Goalie Janick Schwendener wird später durch Nicola Aeberhard ersetzt.

Der frühere Thurgauer Simon Sterchi (links) schiesst zum 2:1 für Langenthal ein. HCT-Goalie Janick Schwendener wird später durch Nicola Aeberhard ersetzt.

Bild: Leroy Ryser

Im zweiten Drittel wurden die mitgereisten Fans des HC Thurgaus von ihrer Mannschaft überrascht – und dies für einmal negativ. Innerhalb von zweieinhalb Minuten fiel das Team in sich ­zusammen und kassierte vier Gegentore, zwischen dem vierten und fünften Treffer Langenthals lagen lediglich sechs Sekunden. «Wir sind aus dem Konzept gefallen», sagte Stürmer Dominic Hobi. Trainer Stephan Mair ging noch weiter: «Wenn man zufrieden ist und meint, dass man gut sei, dann passieren solche Sachen.»

Eingeleitet wurde dieses Spektakel beim Stand von 2:1 auch irgendwie von Franco Collenberg, der es nicht schafft, die Scheibe im eigenen Drittel zu befreien. Nachdem Langenthals Stürmer Kelvin Walz gleich drei Mal versucht hatte, den Puck im Tor unterzubringen und Janick Schwendener sich jeweils erfolgreich gewehrt hatte, hätte Collenberg den Puck befreien können. Der Versuch endete aber auf dem Stock von SCL- Captain Stefan Tschannen – und der traf mittels Lob über einen vier Spieler grossen Knäuel im Slot hinweg zum 3:1.

Verärgerter Mair nimmt nach 1:5 sein Time-out

Keine zwei Minuten später traf Ian Derungs in Überzahl zum 4:1 und gleich beim nächsten Angriff folgte gegen die desorientierte Thurgauer Abwehr das 5:1 durch Dominik Gyger. HCT-Coach Mair sah verärgert aus, nahm sein Time-out, redete auf seine Mannen ein und wechselte den Torhüter. Langfristig brachte dies zwar eine Beruhigung, kurzfristig aber folgte das 1:6 durch einen Weitschuss Pienitz’. Dem eingewechselten Nicola Aeberhard im Tor war dabei die Sicht verdeckt.

Thurgaus Start in die Partie war nicht einmal schlecht gewesen. Patrick Spannring verzeichnete bereits in der ersten Minute einen gefährlichen Torschuss. Danach aber erhöhte Langenthal das Tempo, Thurgau hatte Mühe sich zu wehren und kam oft einen Schritt zu spät. Schon nach 99 Sekunden fiel das 0:1, wobei Torschütze Luca Christen davon profitierte, dass Toms Andersons und HCT-Verteidiger Bernhard Fechtig Goalie Schwendener die Sicht nahmen.

Thurgau glich dann in den letzten Sekunden einer Überzahlsituation durch Michael Loosli aus, Langenthal bestätigte aber schon 44 Sekunden später den Trend. Simon Sterchi wurde so freigespielt, dass er vor dem leeren Tor stand und auf 2:1 erhöhte. Zudem konnte Thurgau auch punkto Physis nicht auftrumpfen, Langenthals Härte spürte beispielsweise Connor Jones in der 15. Minute. «Wir haben die Zweikämpfe nicht gewonnen und die Zuordnung hat nicht gepasst», sagte Verteidiger Joel Scheidegger nach der Partie. Zu oft seien Langenthaler Angreifer freistehend vor dem Tor angespielt worden.

Resultatkosmetik im Schlussdrittel

Immerhin liess sich der HC Thurgau nicht gänzlich deklassieren. Im Schlussabschnitt wehrte sich Mairs Equipe mit Händen und Füssen und erlangte vermehrt Spielanteile. Langenthals Goalie Philip Wüthrich bewies aber mehrmals seine Stärke und verteidigte die deutliche Führung des SCL lange. Erst in der 54. Minute, als Melvin Merola und Michael Loosli zu zweit nach dem 2:6 strebten, gelang es auch. Merola verwertet zwei Minuten vor Schluss zudem einen Abpraller von Wüthrich zum 3:6. Der Rückfall auf Platz fünf in der Tabelle war damit aber nicht mehr zu verhindern. Schon am Samstag um 17.30 Uhr, im Heimspiel gegen die GCK Lions, ist von den Thurgauern eine Reaktion gefordert.

Langenthal – Thurgau 6:3 (2:1, 4:0, 0:2)

Schoren – 2003 Zuschauer – SR Borga/Potocan, Burgy/Rebetez.
Tore: 2. Christen (Weber, Andersons) 1:0. 12. (11:15) Michael Loosli (Collenberg/Ausschluss Tschannen) 1:1. 12. (11:59) Sterchi (Pienitz, Clark) 2:1. 24. Tschannen 3:1. 26. (25:41) Derungs (Kummer, Maret/Ausschluss Seiler) 4:1. 26. (25:47) Gyger (Küng) 5:1. 27. Pienitz 6:1. 54. Merola (Michael Loosli, Schmuckli) 6:2. 58. Fechtig (Connor Jones, Altorfer) 6:3.
Strafen: je 3-mal 2 Minuten.
Langenthal: Wüthrich; Weber, Christen; Bircher, Pienitz; Guggenheim, Maret; Suleski; Tschannen, Clark, Sterchi; Derungs, Kläy, Küng; Benik, Kummer, Andersons; Nyffeler, Melnalksnis, Walz; Gyger.
Thurgau: Schwendener (ab 26. Aeberhard); Seiler, Parati; Wildhaber, Scheidegger; Collenberg, Fechtig; Schmuckli, Engeler; Spannring, Connor Jones, Altorfer; Rehak, Hobi, Merola; Hollenstein, Brändli, Michael Loosli; Niedermaier, Rundqvist, Frei.
Bemerkungen: Langenthal ohne Gerber, Müller (beide verletzt), Seydoux (krank) und Wieszinski (überzählig). Thurgau ohne Janik Loosli, Kellen Jones (beide verletzt) und Profico (zurück zu Rapperswil-Jona/NLA). 26. Time-out Thurgau. – 26. Sterchi scheidet verletzt aus.

Der HC Thurgau kriegt die Kurve im letzten Moment

Mit einem 2:1-Sieg nach Penaltyschiessen gelingt in La Chaux-de-Fonds die Revanche für das 3:6 vom Freitag. Mit den zwei Punkten ist die Mannschaft des Trainerduos Mair/Winkler nun definitiv für das Playoff qualifiziert.
Matthias Hafen aus La Chaux-de-Fonds