Über 2000 alte Bilder digitalisiert: Martin Sax zeigt den Weinfeldern auf Facebook, wie die Stadt früher aussah

Martin Sax hat über 2000 alte Bilder aus Weinfelden digitalisiert. Wegen des Lockdowns gab er den Weinfelderinnen und Weinfelder auf Facebook einen Einblick in seine Sammlung. Die alten Fotos fanden grossen Anklang, bereits der zweite Bildband ist nun daraus entstanden.

Sabrina Bächi
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Weinfelden feiert 1891 erstmals auf dem Marktplatz den Nationalfeiertag.

Weinfelden feiert 1891 erstmals auf dem Marktplatz den Nationalfeiertag.

Bild: Privatarchiv Martin Sax

Zu beschreiben, was Martin Sax kann, ist schwierig. Denn fast scheint es eine Superkraft zu sein, dass er alte Weinfelder Fotos anschauen und sagen kann, was für Strassen und Häuser darauf sind. Aber Sax wurde mit dieser Superkraft nicht geboren. Nein, er trainiert sich das Wissen seit über 20 Jahren an.

1998 wurden erstmals Fotos aus dem Bürgerarchiv digitalisiert – für die 200-Jahr-Feier des Kantons. «Wir liessen damals Plakate erstellen und installierten sie genau dort, wo der Fotograf stand. So konnte man die Früher-Heute-Unterschiede erkennen», sagt Sax.

Ihn selbst hat es seither nicht mehr losgelassen. Heute digitalisiert er selbst die Fotos aus dem Bürgerarchiv und aus privaten Sammlungen. Mit alten Postkarten zusammen hat er rund 2000 Archivalien digitalisiert. Und: Zu fast allen Bildern und Fotos weiss er auch eine Geschichte zu erzählen.

Die Deucherstrasse vor und nach dem Bau

Achten Sie auf das Dach des linken Hauses... (Bild: Privatarchiv Martin Sax)

Das hat er sich bereits im Frühling während des Lockdowns zunutze gemacht. «Geschichten aus dem Homeoffice», nennt Sax die Aktion. Täglich stellt er alte Fotos mit Bildbeschrieb auf Facebook. Daraus sind zwei Bildbände entstanden. Jener mit den Bildern vom Frühling ist bereits erhältlich. Seit Oktober veröffentlicht er weitere Bilder in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Wiifelde wenn …» und hat die Beiträge ebenfalls zu einem Buch zusammengefasst.

«Bis Ende November nehme ich Bestellungen entgegen, die dann sicher vor Weihnachten bei den Käufern sind», sagt der Dorfhistoriker. Auch später kann man die Bücher noch bestellen. Der Preis beträgt 80 Franken, das sei fast zum Selbstkostenpreis. Ein allfälliger Gewinn geht in die Kasse der Dorfführungen.

Die Entwicklung der Stadt ist auf den Fotos zu sehen

«Mein Anliegen ist es, die Bilder zu verbreiten, sonst geht das Wissen verloren», erklärt er seine Motivation. Zudem sei er selbst fasziniert von den Fotos.

Martin Sax, Lokalhistoriker

Martin Sax, Lokalhistoriker

Bild: Mario Testa
«Die Entwicklung der Stadt und ihrer Häuser und Strassen zu sehen ist sehr spannend.»

Er wolle mit den alten Bildern auch aufzeigen, wie viel Veränderung Weinfelden schon erfahren hat und «dass es nicht immer nur schlechter wird». Im Buch sind die Bilder mit Kontext angereichert, so wie die Beiträge auf Facebook. Oftmals stelle er auch aktuelle Bilder dazu, damit man den Unterschied sehen könne.

Sax hat bis auf ein paar wenige Bilder alle zeitlich einordnen und beschriften können. Er orientiert sich dabei an der Umgebung und an markanten Gebäudeteilen, wie etwa der Dachform eines Hauses. Zudem weiss Sax vieles über die Baugeschichte Weinfeldens.

Wenn etwa die alte Kantonalbank im Hintergrund zu sehen ist, weiss er, in welcher Zeit das Bild in etwa entstanden sein muss. Eine schwierige Knacknuss diesbezüglich war das Bild der 600-Jahr-Feier der Schweiz. Erstmals einen 1. August feierten die Schweizer 1891. Das ist auf einem der Bilder im Buch zu erkennen. Da es aber nicht beschriftet war, wusste man zunächst nicht, was für ein Fest das Bild zeigt. Anhand verschiedener Bauten konnte es Sax eingrenzen und weiss heute mit Sicherheit: Es ist die erste 1.-August-Feier Weinfeldens.

Die Thurbrücke im Laufe der Zeit

Die Thurbrücke ist Anfang des 20. Jahrhunderts noch eine Holzbrücke mit Dach. Sie wurde 1789/90 erbaut. (Bild: Privatarchiv Martin Sax)

Anderes wie etwa die Thurbrücke, die sich im Laufe der Zeit ebenfalls gewandelt hat, ist einfach zu erkennen. Eindrücklich sind auch Bilder vor und nach grossen Umbauten, wie etwa der Bau der Deucherstrasse.

Der neue Band von «Geschichten aus dem Homeoffice» umfasst 47 verschiedene Geschichten zu alten Weinfelder Fotos und Bildern. Bestellen kann man sie auf der Website der Dorfrundgänge im Shop.

www.rundgangweinfelden.ch/shop