Über 1000 OL-Läufer suchen in der Kreuzlinger City nach Posten

Am 6. September kämpfen Orientierungsläufer aus der ganzen Schweiz in der Innenstadt um den Meistertitel.

Martina Eggenberger Lenz
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Medienchef David Zürcher mit einem Posten.

Medienchef David Zürcher mit einem Posten.

Bild: Martina Eggenberger

Es ist der erste Grossanlass in der Stadt Kreuzlingen seit Monaten. Zwar kann er nicht ganz wie ursprünglich geplant durchgeführt werden. Aber er kann. Darüber ist das Organisationskomitee von OL Amriswil froh. Die notwendigen Bewilligungen liegen vor. Die Schweizer Meisterschaften im Sprint-OL werden am Sonntag in einer Woche im Zentrum von Kreuzlingen ausgetragen.

Eigentlich hätte sich ein grosser Teil der Läufe auf Konstanzer Boden abspielen sollen. «Darauf mussten wir wegen Corona aber verzichten», erklärt Medienchef David Zürcher. Der Anlass findet nun nur noch auf Schweizer Boden statt. Das Wettkampfzentrum befindet sich bei der Dreispitzhalle.

Die Hubmann-Brüder sind mit am Start

Für die Kreuzlinger Bevölkerung macht es dies umso spannender. Sie wird Hunderte Sportbegeisterte dabei beobachten können, wie sie mit Laufschuhen und Karte ausgerüstet durch die Stadt rennen, immer auf der Suche nach den orange-weissen Postenfähnchen, die es zu registrieren gilt.

In der Elite-Kategorie sind über 50 Männer und 30 Frauen am Start, unter anderem die Thurgauer Brüder Daniel und Martin Hubmann. Dass die wichtigen Schweizer Läufer dabei sind, sei wiederum eine positive Nebenerscheinung von Corona. Eigentlich wären viele von ihnen an diesem Wochenende an einem internationalen Wettkampf in Tschechien gewesen, der aber abgesagt worden ist. Im Sprint-Orientierungslauf legen die Teilnehmer nur wenige Kilometer zurück und sind schnell unterwegs. David Zürcher erklärt:

«Die besten werden nach zwanzig bis dreissig Minuten im Ziel sein.»

Jeder Fehler beim Kartenlesen habe auf einer solchen Kurzdistanz natürlich gravierende Auswirkungen. Die Abstände bei der Elite bewegen sich jeweils im Sekundenbereich.

Doch nicht nur die Profis und Halbprofis reisen nach Kreuzlingen an, sondern auch Teilnehmer aller Alterskategorien zwischen 10 und 80. Um einen coronakonformen Ablauf zu ermöglichen, gibt es Morgen- und Nachmittagstarts mit einer Pause dazwischen. So sei sichergestellt, dass sich auf jeden Fall weniger als 1000 Personen am Anlass aufhalten, sagt Zürcher. Garderoben und Duschen gibt es keine. Die Mitglieder der einzelnen Vereine und Regionen werden nicht durchmischt, sondern erhalten je ein Zelt. Es besteht, ausser beim Laufen, Maskenpflicht. Hinzu kommen weitere Vorkehrungen wie Einbahnverkehr, die bargeldlose Festwirtschaft mit Twint und der Verzicht auf die offenen Kategorien für Kurzentschlossene.

Eine neue Karte extra für den Wettkampf

Damit die Meisterschaft in Kreuzlingen durchgeführt werden kann, mussten die Organisatoren das Gebiet kartografisch neu aufnehmen lassen. Das kostet jeweils einige tausend Franken. Die Karte im Massstab 1:4000 wird streng unter Verschluss gehalten, dass sich keiner vorab umsehen kann. Ebenso geheim ist natürlich die Route, die der Bahnleger ausgetüftelt hat. Die Posten werden während des Wettkampfs auch bewacht.

Orientierungslauf sei in der Schweiz nach wie vor populär, erzählt der Medienchef der SM. Das Schöne daran sei, dass die Sportart von allen Altersgruppen ausgeübt werde. «Es ist ein Familiensport.» Der typische OL-Läufer sei ein gesundheitsbewusster Mensch mit grossem Faible fürs Kartenlesen. Letzteres sei lernbar, man müsse kein Naturtalent sein. Vom Sport allein leben die wenigsten Eliteläufer. Sie sind angewiesen auf Sponsoren. Das Preisgeld, das es bei den Wettkämpfen zu gewinnen gibt, ist ein Zückerli.

«Für mich persönlich macht der Reiz von OL aus, dass ich joggen kann, was ich gerne tue. Aber es steckt mit der Postensuche ja zusätzlich ein Sinn dahinter. Man hat auch eine Aufgabe für den Kopf», begründet David Zürcher seine Leidenschaft für die Sportart.

Strassen gesperrt

Während der Austragung der Schweizer Meisterschaft im Sprint-OL am Sonntag von 9 bis 16 Uhr ist aus Sicherheitsgründen ein grosser Teil der Kreuzlinger Innenstadt für den Durchgangsverkehr gesperrt. Verkehrskadetten werden an den neuralgischen Punkten positioniert und den Verkehr umlenken. Betroffene Anwohner dürfen allerdings zu ihren Liegenschaften zufahren, teilt das Organisationsteam mit. (meg)

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