Turi Schallenberg gibt auf und sagt: «Ich wünsche Romanshorn eine weise Entscheidung fürs Stadtpräsidium»

Der Thurgauer Grossratspräsident aus Bürglen tritt nicht zum zweiten Wahlgang für das Stadtpräsidium in der Hafenstadt an. Seine Beweggründe erklärt er in einem offenen Brief an die Einwohner.

Annina Flaig
Drucken
Teilen
Turi Schallenberg zieht sich zurück im Rennen um das Amt des Romanshorner Stadtpräsidenten. (Bild: Reto Martin)

Turi Schallenberg zieht sich zurück im Rennen um das Amt des Romanshorner Stadtpräsidenten. (Bild: Reto Martin)

Er müsse noch einmal darüber schlafen, hat er am Montag noch gesagt. Am Dienstagmorgen verschickt Turi Schallenberg aus Bürglen dann diese Zeilen an die Medien: «Nach einer genauen Analyse des Abstimmungsergebnisses und nach sorgfältiger Abwägung möglicher Szenarien für den zweiten Wahlgang, habe ich mich entschieden für den zweiten Wahlgang nicht mehr anzutreten.» Der als Grossratspräsident aktuell höchste Thurgauer gestaltet seine Mitteilung als offenen Brief an die Hafenstädter und schreibt:

«Liebe Romanshornerinnen und Romanshorner. Sie haben am Sonntag richtungsweisend entschieden welche Persönlichkeit Ihre schöne Stadt führen soll.»

Der auswärtige Sozialdemokrat Turi Schallenberg hat am Wahlsonntag in Romanshorn 660 Stimmen erhalten, was 22 Prozent aller gültigen Stimmen entspricht. «Das ist ganz ansehnlich, aber doch nicht genügend», sagt Schallenberg dazu. Im Brief bedankt er sich bei allen, die ihn unterstützt haben.

Enttäuscht haben ihn die Rückmeldungen aus Wirtschaftskreisen, wie er auf Anfrage ausführt. «Ich kann einfach kein SP-Mitglied wählen», hätten einige zu ihm gesagt. Dabei sei es gerade eine wichtige Aufgabe eines Stadtrates, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die Geschäfte in der Stadt gut entwickeln können. «Das kann einer - völlig unabhängig seiner Parteizugehörigkeit - wenn er die nötigen Fähigkeiten mitbringt.»

Ihm sei es nicht gelungen die Stimmbürger von seinem Können zu überzeugen. Seinen Brief beendet er mit den Worten: «Ich wünsche Romanshorn eine weise Entscheidung fürs Stadtpräsidium und eine prosperierende Zukunft.»

Der parteilose Martin hat die Nase vorn

Mit dem Rückzug des Sozialdemokraten verbleiben für den zweiten Wahlgang am 31. März in der Hafenstadt lediglich noch zwei der ursprünglich vier Kandidaten: der parteilose Roger Martin aus Salmsach und der amtierende Stadtpräsident David H. Bon (FDP).

Martin machte am Sonntag mit Abstand das beste Resultat im ersten Wahlgang. Er holte 1200 Stimmen und liess Bon mit 859 Stimmen weit hinter sich zurück. Der vierte Kandidat, Daniel Sommer (SVP) aus Bonaduz belegte mit 301 Stimmen den letzten Platz und entschied sich bereits am Sonntag, dass er nicht mehr zum zweiten Wahlgang antreten wird.

In Romanshorn ergreifen Parteilose die Macht

Die Stimmbürger wählten am Sonntag vier Parteilose in den Stadtrat. Fast die halbe Regierung politisiert also künftig ohne Partei im Rücken. Damit ist die Hafenstadt eine Exotin unter den Thurgauer Städten.
Annina Flaig