Turi Schallenberg kandidiert als Stadtpräsident von Romanshorn und verspricht: «Ich werden den Job gut machen.»

Der Bürglemer SP-Kantonsrat und aktuelle Grossratspräsident spricht im Interview über den Hafen als Zentrum, die Schwierigkeit des Sparens und Widersprüche in eigenen Aussagen.

Markus Schoch
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Turi Schallenberg am See beim Spielplatz. (Bild: Reto Martin)

Turi Schallenberg am See beim Spielplatz. (Bild: Reto Martin)

Turi Schallenberg, Sie begründen Ihre Kandidatur mit Ihrer Person. Sie seien für die positive Entwicklung von Romanshorn der Richtige. Warum ist David H. Bon der Falsche?

Wenn es in Romanshorn keine Veränderung brauchen würde, hätte es keine Findungskommission gegeben.

Was macht Herr Bon falsch?

Es liegt mir fern, ihm zu sagen, was er richtig oder falsch macht. Ich wohne nicht in Romanshorn. Ich sage einfach: Ich habe mich um die Stelle beworben, weil es ein interessanter Job ist. Und ich werde ihn gut machen können.

Aber Sie müssen sich doch überlegt haben, warum die Romanshorner Sie wählen sollten und nicht Herrn Bon.

Ja natürlich. Es ist eine Unzufriedenheit da, wie ich aus Gesprächen mit vielen Romanshornern schliesse, was die Führung von David H. Bon anbetrifft. Und damit meine ich den Stadtrat ebenso wie die Mitarbeiter. Das ist keine leere Behauptung, sondern eine Aussage, die sich auf Fakten stützt. Wer sich das Mitarbeiterverzeichnis auf der Website ansieht, stellt fest, dass es in den letzten Jahren einen massiven Personalwechsel gegeben hat.

Über die Gründe ist im Detail nichts bekannt. Was man aber weiss: Der Stadtpräsident ist nicht Auslöser für das grosse Sesselrücken im Stadtrat. Nur Petra Keel macht David H. Bon mitverantwortlich dafür, dass sie nicht mehr antritt. Die vier anderen Stadträte stellen öffentlich in Abrede, dass sie wegen ihm gehen. Geredet wird trotzdem viel.

Es wird immer viel geredet, es wird in Romanshorn sogar sehr viel geredet. Aber nochmals: Ich masse mir kein Urteil über David H. Bon an.

Ihre Kernkompetenz liegt nach eigenen Worten in der Führung, Koordination und Organisation von Menschen und Projekten. Das tönt mehr nach Verwalter als nach Stadtpräsidenten, der Romanshorn mit eigenen Ideen vorwärts bringen will.

Die Ideen kommen aus der Bevölkerung und dem Stadtrat. Natürlich habe ich selber auch Ideen und Vorstellungen, aber es geht nicht darum, als selbstherrlicher Kerl hinzustehen und zu sagen, ich mache dies und mache das. Die Aufgabe einer Stadtverwaltung und eines Stadtpräsidenten ist es, die Stadt so zu leiten und zu führen, dass es eine Dienstleistung am Bürger und an der Bürgerin ist.

Was haben Sie für Ideen?

Romanshorn hat schon sehr viel. Aber Romanshorn müsste eine familien-, kinder- und seniorenfreundliche Stadt werden. Wo fehlt es? Man kann beispielsweise nicht die Bushaltestelle beim Coop aufheben. Sie ist für viele wichtig. Tagesstrukturen könnte es klar mehr geben.

Die Verantwortung für das Chinderhuus Sunnehof liegt neuerdings bei der Primarschulgemeinde.

Gemäss Gesetz ist die Schaffung von vorschulischen Tagesstrukturen Aufgabe der Gemeinde respektive der Stadt. Natürlich macht es Sinn, wenn sie mit der Primarschule zusammenarbeitet. Es kann aber nicht sein, dass man sagt, die Schule macht es. Und dann höre ich auf der Strasse, es sollte mehr Angebote geben.

Weitere Projekte, die bei Ihnen hohe Priorität haben?

Was ich klar sehe: Es braucht einen Ersatz für den Bodansaal. Und es braucht Platz für Sportmöglichkeiten, das heisst eine neue Turn- oder Mehrzweckhalle. Da ist die Stadt dran. Das ist richtig. Man müsste Gas geben. Eine hohe Priorität hat weiter das Stadtzentrum. Für mich liegt es am Hafen.

Das hören die Ladenbesitzer wahrscheinlich nicht gerne.

Wir müssen die Einkaufsstrassen selbstverständlich auch beleben. Und es gibt auch Massnahmen, wie das gemacht werden könnte. Beispielsweise mit einem Markt. Aber wenn Romanshorn ein Zentrum haben soll, dann muss es am Hafen sein. Denn wo trifft man sich, wo pulsiert das Leben? Dieses Gebiet muss man erstens kultivieren und zweitens frei halten für die Öffentlichkeit, und zwar alles, inklusive Bunkerwiese, die nicht eingehagt werden darf. Der Hafen ist einer der Entwicklungsschwerpunkte der Stadt. In den letzten Jahren hat sich bereits vieles getan.

Der Handlungsbedarf ist vergleichsweise klein zur sogenannten Innenstadt mit der Einkaufsstrasse.

Das sehe ich anders. Meiner Meinung nach liegt der Fokus heute falsch. Man sagt, man wolle ein anderes Zentrum machen. Soll die Stadt ihre ganze Energie auf den Hafen konzentrieren und den Rest sich selber überlassen? Selbstverständlich nicht. Die Alleestrasse ist auch wichtig. Und die Stadt muss sich überlegen, wie sie die lokalen Anbieter unterstützen kann. Ich bin kein Romanshorner und komme mit dem Blick von aussen in die Stadt. Was mir auffällt, ist die Verzettelung. Wenn ich gewählt würde, würde ich als erstes eine saubere Übersicht über all die verschiedenen Projekte haben wollen, die am Laufen sind. Und zwar in Bezug auf ihre zeitliche und finanzielle Dimension. Das finde ich nirgends.

Der Richtplan und der Finanzplan geben Ihnen gewisse Anhaltspunkte.

Mir fehlt die Klarheit. Zudem könnten sich die Prioritäten ändern. Man hat in der Vergangenheit zu viel Geld in hochtrabende Projekte investiert, die nicht verwirklicht werden können, weil das Geld nicht da ist. Die Lage neu zu beurteilen, ist Sache des neuen Stadtrates, und nicht von Turi Schallenberg allein. Mir ist eine gute Zusammenarbeit in der Behörde sehr wichtig. Sie muss kollegial funktionieren. Das ist von zentraler Bedeutung.

Wie wollen Sie das machen?

Es braucht für alle einen genauen Aufgabenbeschrieb mit Kompetenzverteilung. Auch die Prozessabläufe müssen geregelt sein. So wie ich es höre, gibt es das heute nicht oder zu wenig. Fürs interne Klima und die Aussenwirkung wichtig wäre es, wenn der Stadtrat nach den Sitzungen jeweils gemeinsam irgendwo isst. Heute ist das nicht möglich, weil die Sitzungen teilweise bis Mitternacht dauern. Die Weinfelder beweisen, dass es anders geht.

Was halten Sie vom Sparprogramm beziehungsweise den sogenannten haushaltsichernden Massnahmen?

Grundsätzlich ist es richtig, die Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu behalten. Es ist in meinen Augen aber falsch, wenn man beim Bürger spart, also beispielsweise bei den Vereinen, die das Leben in einer Stadt oder einer Gemeinde ausmachen. Sie zu gängeln, finde ich wahnsinnig schwierig. Auch beim Personal den Rotstift anzusetzen, ist meiner Meinung nach grundsätzlich schlecht. Da müsste es andere Möglichkeiten geben. Es ist aber auch klar, dass es sehr viele gebundene Ausgaben gibt und Sparen immer schwierig ist.

Welche anderen Möglichkeiten gäbe es denn zum Sparen?

Auch für mich gilt grundsätzlich: Wer den Rappen nicht zählt, ist den Franken nicht wert. Es muss darum grundsätzlich an jedem Ort gespart werden. Man muss genau hinschauen und sehen, wo man sparen kann, dass es dem Bürger am wenigsten weh tut und der Nutzen am grössten ist. Es braucht eine entsprechende Auflistung von Massnahmen.

Genau die gibt es bereits mit den haushaltsichernden Massnahmen. Zum Entwurf konnte sich die Bevölkerung sogar äussern.

Das kann ich nicht beurteilen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, die Entscheide der Bevölkerung zu erklären. Und da gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Anfang Jahr sagten Sie in einem Interview zu den Wahlen in Bürglen, Sie würden nicht als Kandidat fürs Präsidium zur Verfügung stehen. Grund: Sie würden im Mai das Präsidium des Grossen Rates übernehmen – eine ehrenvolle und herausfordernde Aufgabe. «Dazu passt ein gleichzeitig geführter Wahlkampf nicht», sagten Sie damals wörtlich. Jetzt handeln Sie gegen Ihre eigenen Grundsätze. Warum?

Es hat sich eine Veränderung ergeben bei mir. Ich habe gemerkt, ich habe Lust auf mehr und brauche eine andere Aufgabe. Als Grossratspräsident einen Wahlkampf zu führen, ist rechtlich zulässig.

Aber Turi Schallenberg sagte Anfang Jahr etwas anderes, als Turi Schallenberg jetzt macht.

Situationen verändern sich.

Sie hören Ende Januar als Leiter der Sozialen Dienste in Frauenfeld auf. Sie suchen einen neuen Job.

Ja, ich versuche, mich beruflich zu verändern. Ich möchte betonen: Es ist mein Entscheid. Ich habe gekündigt, und es ist nicht mir gekündigt worden, wie man sich erzählt.

Warum wollen Sie sich beruflich verändern?

Ich brauche etwas Neues. Ich war zehn Jahre auf dem Sozialamt, ich habe tolle und gute Mitarbeiter und die Aufgabe war interessant. Ich merke aber, ich muss einen Schritt weiter gehen und mich persönlich entwickeln. Ich hätte mir nicht vorstellen können, bis zur Pensionierung auf dem Sozialamt in Frauenfeld zu bleiben.

Was sagt Turi Schallenberg zu...

Hafenpromenade: Wichtig für die Entwicklung.

Lädelisterben: Mit Events auf der Alleestrasse könnte man ihm ein Stück weit entgegen wirken. Aber den Onlinehandel können wir nicht abstellen.

David H. Bon. Stadtpräsident von Romanshorn. Ich habe nichts gegen ihn persönlich.

Stadtentwicklung. Grosses Problem, hochtrabende Projekte, wenig konkrete Umsetzungsmöglichkeiten.

Jugendtreff. Die Schliessung tut mir als ehemaligem Leiter eines Jugendtreffs im Herzen weh.

Steuererhöhung. Wird man wahrscheinlich wieder diskutieren müssen.