Tschüss Walter: Gemeindeweibel von Weinfelden geht in Pension

Am Donnerstag wird Walter Reinhart nach knapp 30 Jahren als Gemeindeweibel pensioniert. Er geht mit einem guten Gefühl in den Ruhestand und freut sich auf die anstehenden Ferien mit dem Wohnmobil

Sabrina Bächi
Drucken
Teilen
Gemeindeweibel Walter Reinhart geht am Donnerstag in Pension. (Bild: Andrea Stalder)

Gemeindeweibel Walter Reinhart geht am Donnerstag in Pension. (Bild: Andrea Stalder)

Wenn Walter Reinhart auf seinem Drahtesel durch die Strassen Weinfeldens kurvt, hebt er oft die Hand zum Gruss. Der 64-jährigen Weinfelder ist im Dorf bestens bekannt – und er kennt die Leute.

Fast 30 Jahre lang hat er als Gemeindeweibel wie eine Spinne ein Netz aus Kontakten gewoben und ist zur Anlaufstelle Nummer eins in den unterschiedlichsten Belangen geworden. Wer eine Frage zur Entsorgung, zu den Weinfelder Märkten oder der Pilzkontrolle hat, der konnte sich an Walter Reinhart wenden. Kontaktperson für Anliegen jeglicher Art, könnte man seinen Stellenbeschrieb wohl formulieren.

Heute geht Reinhart in Pension. «Ich gehe mit einem guten Gefühl», sagt er. Jeden Tag sei er gerne arbeiten gegangen, weshalb ihm der Abschied nicht schwerfalle. Es sei nun gut so, wie es ist. Als freiheitsliebende Person war es eben genau die grosse Freiheit und Vielfalt, die ihm an seinem Beruf so gefiel. «Ich hatte wirklich sehr viele unterschiedliche Aufgaben, aber alle konnten sich darauf verlassen, dass es erledigt wurde», erzählt er.

Nichts Relevantes vergessen

Reinhart bezeichnet sich als organisierten Menschen. Er hat ein Zettelisystem, um nichts zu vergessen. Einiges ist auch in seinem Kalender eingetragen. Wieder anderes hat er im Kopf. Automatisch denkt er zehn Tage vor den Märkten daran, die Blachen auszuhängen und davor noch das Datum zu ändern. «Ich glaube, dass ich von mir behaupten darf, in den ganzen Jahren nichts Relevantes vergessen zu haben», sagt er, runzelt nochmals die Stirn, denkt nach und sagt schliesslich: «Nein, nichts Relevantes».

Sein Lächeln bringt die blauen Augen zum Leuchten, seine gmögige Ausstrahlung ist wohl einer der Gründe, weshalb der Weibel in der Gemeinde auf so grosse Gegenliebe stösst. «Ich habe nie jemanden weggeschickt, das ist sicher auch noch wichtig», sagt er. Den Anfang hat sein Berufsleben jedoch nicht im Büro, sondern in der Küche genommen.

Per Zufall auf den Bahamas

Im Restaurant Eisenbahn in Weinfelden hat Reinhart die Kochlehre absolviert und abgeschlossen. Danach war der Ur-Weinfelder in verschiedenen Restaurants tätig. Einmal auch im Flughafen-Restaurant in Zürich. Dadurch ergab sich der Zufall, dass sein Chef ihn weiterempfahl und Reinhart in den Bahamas als Küchenchef arbeiten konnte. Seine damalige Partnerin reiste nach und sie heirateten auf den Bahamas. Als Nachwuchs folgte, reiste die junge Familie zurück in die Schweiz.

Insgesamt hat Walter Reinhart zehn Jahre als Koch und zehn Jahre als Küchenchef gearbeitet, bevor er als Hausmeister eine Stelle bei der Gemeinde antrat. Nur ein Jahr später wurde er Weibel.

Aufgaben werden aufgeteilt

Seine Aufgaben werden nun in der gesamten Gemeindeverwaltung aufgeteilt. Mehrere Male sei er deswegen mit Gemeindeschreiber Reto Marty zusammen gesessen, um zu überlegen, welche Aufgabe neu in welchem Bereich verwaltet wird. Doch auch diese Organisation ist gemeistert und Reinhart geht mit einem guten Gefühl kurz nach seiner Pensionierung für rund fünf Wochen in die Ferien.

Zunächst mit seiner Partnerin Tiziana und dem Wohnmobil nach Österreich und Ungarn. Dann, Mitte Juni bis Mitte August, begleitet er einen Kollegen, der mit dem Velo von der Schweiz bis ans Nordkap fährt. Reinhart begleitet ihn mit dem Wohnmobil, damit der Sportler nachts eine Bleibe hat. «Wir sind ein gutes Team. Er radelt und ich organisiere alles rundherum.»

Ein Klassiker für Reinhart. Auch nach seiner Pensionierung bleibt er wie die Spinne im Netz und hat alles im Überblick, jeder Faden sitzt am richtigen Ort, alles ist organisiert. Schliesslich will er Ende Jahr für drei Monate mit seiner Partnerin nach Südspanien und Portugal. Erst dann kehrt Reinhart in die Heimat seines Herzens, nach Weinfelden, zurück, um hier die Zeit zu geniessen und weiter sein Kontaktnetz zu pflegen.