Trotz Niederlage gegen Volley Amriswil ist der Präsident von Schachtjor Soligorsk voll des Lobes: «Die Schweiz ist eben die Schweiz»

Nach dem 2:3 gegen Amriswil im Qualifikationsspiel zur Champions League muss der Präsident des weissrussischen Teams seine Volleyballer trösten.

Manuel Nagel
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Die Handvoll Fans mit Klubpräsident Waleri Starzew in der Mitte feuert die Mannschaft von Schachtjor Soligorsk an.

Die Handvoll Fans mit Klubpräsident Waleri Starzew in der Mitte feuert die Mannschaft von Schachtjor Soligorsk an.

Bild: Manuel Nagel

«Es lief alles gegen uns», sagte Klubpräsident Waleri Starzew und haderte mit dem Schicksal. Soeben musste der weissrussische Meister Schachtjor Soligorsk in der Tellenfeldhalle eine unerwartete 2:3-Niederlage einstecken. Entsprechend enttäuscht waren die Spieler, die Starzew trösten musste. «Es gibt keinen Grund, die Köpfe hängen zu lassen», habe er ihnen gesagt, so Starzew, der zugleich auch Hauptaktionär des Sponsors ist.

Ganz anders war die Gemütslage bei der Amriswiler Vereinsführung um Präsident Martins Salvisberg und seinem Vize Andreas Bösch. Von allen Seiten wurde das Duo beglückwünscht zum «sensationellen Sieg», wie es Bösch ausdrückte. Denn gerechnet habe er nicht damit, als er das Training von Soligorsk beobachtet hatte. Da habe es nur so geknallt, als die weissrussischen Riesen die Bälle ins Feld schmetterten, erzählt Andreas Bösch fast ehrfürchtig.

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Nun ist Volley Amriswils Vize doppelt glücklich. Einerseits wegen des Resultates, andererseits auch weil mit der Registrierung der Zuschauer alles reibungslos geklappt habe. 365 Besucher kamen in die Halle und trommelten und schrien und klatschten mit einigen Dutzend Helfern des Vereins ihre Volleyballer nach vorne. Von der Atmosphäre im Tellenfeld war auch Waleri Starzew begeistert, obschon des negativen Resultates. «Welikolepno» sagte er bloss – also «prächtig» – und er meinte damit nicht nur die Stimmung, sondern auch die neue Halle.

Es sei nicht ihr erster Besuch in der Schweiz, verriet Starzew, und seine Gattin neben ihm nickte. Damals seien sie in Aarberg gewesen. «2009 war das. Wir waren an den Eishockey Weltmeisterschaften in Bern, als Russland Weltmeister wurde», sagte Starzew und dabei glänzten seine Augen, als ob seine Mannschaft Amriswil soeben locker 3:0 weggeputzt hätte.

Schönheit der Schweiz lässt Niederlage vergessen

Am Sonntag seien sie mit dem Team angereist und nun in einem Hotel in Arbon untergebracht. Wunderschön sei es am Bodensee. So ruhig, verglichen mit Soligorsk, einer Stadt im Süden Weissrusslands mit etwas mehr als 100000 Einwohnern. Nach Aarberg und Arbon hat das Ehepaar Starzew nun also auch noch Amriswil und dessen Sehenswürdigkeiten gesehen. Das russische Wort dafür – «Dostoprimetschatelnosti» – hat sogar noch ein paar Buchstaben mehr. Für Starzew und seine Frau waren dies das Schloss Hagenwil und noch die Amriswiler Kirche, «weil wir in unserer Heimat auch oft zur Kirche gehen», sagte Waleri Starzew und meinte nach einer kurzen Pause: «Euer Land ist so wunderschön. Die Schweiz ist eben die Schweiz.»

Die beiden Präsidenten Martin Salvisberg von Volley Amriswil und Waleri Starzew von Schachtjor Soligorsk lassen sich nach dem Spiel fotografieren.

Die beiden Präsidenten Martin Salvisberg von Volley Amriswil und Waleri Starzew von Schachtjor Soligorsk lassen sich nach dem Spiel fotografieren.

Bild: Manuel Nagel

Wie der Klubpräsident von Schachtjor Soligorsk von seinem Aufenthalt hier im Oberthurgau schwärmte, so schien es, als sei die ganze Enttäuschung über die Niederlage verflogen. Starzew liess es sich auch nicht nehmen, noch ein Foto mit Volley-Amriswil-Präsident Martin Salvisberg zu machen und ihm zum Sieg zu gratulieren.

Hinweis
Am Donnerstagabend, 19 Uhr, spielt Volley Amriswil das zweite Qualifikationsspiel gegen den belgischen Meister VC Maaseik.

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