Trotz Millionenverlust: «Es ist ein langweiliges Budget», sagt Amriswils Stadtpräsident Gabriel Macedo

Die Stadt Amriswil rechnet für das kommende Jahr mit einem Verlust von mehr als 1,7 Millionen Franken.

Manuel Nagel
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Viel Platz im Pentorama bei der Budgetvorstellung der Stadt Amriswil.

Viel Platz im Pentorama bei der Budgetvorstellung der Stadt Amriswil.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 11. November 2020)

Nicht wie üblich im grossen Sitzungszimmer des Stadthauses, sondern im Pentorama präsentierte die Stadt ihr Budget. Finanzverwalter Thomas Grimm, Stadtpräsident Gabriel Macedo, Stadtschreiber Roland Huser sowie die neun Partei- und Medienvertreter hatten reichlich Platz. «Den hätten wir hier auch für die geplante Gemeindeversammlung am 10. Dezember», sagte Huser. Doch der Stadtrat entscheidet erst kommenden Dienstag, ob diese durchgeführt wird oder ob die Stimmbürger an der Urne über das Budget befinden werden.

Es ist ein Abwägen. Die Abstimmung könnte erst im März 2021 stattfinden und die Stadt müsste das Jahr ohne vom Volk abgesegnetes Budget beginnen. «Doch die Teilnehmerzahlen bei anderen Versammlungen sind eingebrochen», sagte Macedo. Und der Stadtpräsident gab zu bedenken:

«Wenn dann nur noch 100 Leute, also weniger als zwei Prozent, über 38 Millionen abstimmen, dann wäre das schon sehr wenig.»
Amriswils Stadtpräsident Gabriel Macedo.

Amriswils Stadtpräsident Gabriel Macedo.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 11. November 2020)

Ob im Pentorama oder an der Urne, es geht in jedem Fall um einen budgetierten Verlust von 1'715'150 Franken bei einem Aufwand von 38'623'000 Franken. Und hier bereitet Grimm insbesondere die «Gesundheit» Sorgen, «da wir in diesem Bereich keinen Einfluss nehmen können. Die Kosten in der Langzeitpflege sowie in der ambulanten Krankenpflege entstehen einfach», erklärt der Finanzverwalter. Für 2021 rechnet der erneut mit einem Anstieg von diesmal rund 150'000 Franken auf total 2,2 Millionen.

Eine zusätzliche Stelle auf der Bauverwaltung

Der Aufwand 2021 liegt gegenüber dem Budget 2020 um rund 370'000 Franken höher. Auffällig ist, dass ebenso die Personalkosten im Vergleich zum Vorjahr um genau diesen Betrag höher liegen. Thomas Grimm erklärt:

«Für individuelle Lohnanpassungen sind 0,6 Prozent vorgesehen, für den Teuerungsausgleich nichts. Und auch die Abzüge für Sozialversicherungen erhöhen sich im Jahr 2021.»
Amriswils Finanzverwalter Thomas Grimm präsentiert im Pentorama das Budget 2021.

Amriswils Finanzverwalter Thomas Grimm präsentiert im Pentorama das Budget 2021.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 11. November 2020)

Ebenfalls in diesen 370'000 Franken enthalten sei eine zusätzliche Stelle auf der Bauverwaltung. Denn als Rolf Scheurer in Pension ging, sei dessen Stelle aus dem Budget 2020 gestrichen und versucht worden, Scheurers Aufgaben in der Bauverwaltung zu verteilen.

APZ und ASA stehen finanziell sehr gut da

Beim Alters- und Pflegezentrum (APZ) und bei der Alterssiedlung (ASA) budgetiert die Stadt Amriswil einen Ertragsüberschuss von 196'000 und 199'000 Franken. Beim APZ rechnet die Stadt mit 96 Prozent Auslastung, bei den Alterswohnungen geht man gar von einer Vollbelegung aus. Laut Finanzverwalter Thomas Grimm stehen sowohl das APZ wie auch die ASA finanziell sehr gut da und benötigen keine Beiträge der öffentlichen Hand. (man)

Die geschätzte Ertragsseite mit diesmal 36'907'850 Franken lag für das Jahr 2020 um eine Million höher. Aufgrund der Steuergesetzrevision werden Unternehmen jedoch nur noch mit 2,5 statt bisher vier Prozent veranlagt. Grimm rechnet deshalb bei den juristischen Personen mit einem Rückgang von 2,2 auf 1,6 Millionen Franken.

Thomas Grimm, Gabriel Macedo und Roland Huser.

Thomas Grimm, Gabriel Macedo und Roland Huser.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 11. November 2020)

Zwar habe der Stadtrat über den Steuerfuss diskutiert, wie der Stadtpräsident verriet, doch er bleibe vorderhand bei 63 Prozent und steige allenfalls erst 2023 auf 65 Prozent an. Im Vergleich mit den fünf anderen Städten – insbesondere im Oberthurgau – stehe man aber gut da. Zum Abschluss sagte Macedo zu den Anwesenden:

«Es ist ein langweiliges Budget – nichts Neues aus dem Stadthaus.»

Gemeindeversammlung
Donnerstag, 10. Dezember 2020, 20.00 Uhr, Pentorama Amriswil.