Trotz Lohnfrust hoch motiviert: Die Angestellten der Stadt Romanshorn sind überraschend zufrieden mit ihrer Arbeit

Vier von fünf würden die Stadt wieder als Arbeitgeber wählen. Es ist noch nicht lange her, da war die Rede davon, die Stimmung beim Personal sei sehr schlecht.

Markus Schoch
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Die grosse Mehrheit der Mitarbeiter der Stadt fühlt sich gut informiert und sieht auch sonst keinen Grund, die Stelle zu wechseln.

Die grosse Mehrheit der Mitarbeiter der Stadt fühlt sich gut informiert und sieht auch sonst keinen Grund, die Stelle zu wechseln.

(Bild: PD)

Entweder hat Stadtpräsident Roger Martin Wunder bewirkt. Oder sein Vorgänger David H. Bon war doch nicht so schlecht als Chef, dem die Mitarbeiter in Scharen davonliefen, wie böse Zungen behauptet haben. Jedenfalls ist das Personal der Stadt mit Abstrichen äussert zufrieden, wie eine anonyme Umfrage im letzten Dezember ergeben hat - gut ein halbes Jahr nach dem Wechsel von Bon zu Martin. Über 77 Prozent der Angestellten nahmen daran teil.

Fast unglaubliche 86 Prozent von ihnen gehen motiviert zur Arbeit, was nach Angaben der Stadt ein weit überdurchschnittlich guter Wert ist. Zum Vergleich: Im deutschsprachigen Raum liegt die Quote gemäss Stadt bei 30 Prozent. «Gründe für die hohe Motivation sind vor allem die abwechslungsreiche Tätigkeit, der Gestaltungsspielraum sowie die Möglichkeit, Ideen und Verbesserungsvorschläge einzubringen», heisst es in einer Mitteilung.

Die allermeisten wollen in Romanshorn bleiben

82 Prozent der Umfrageteilnehmer würden die Stadt wieder als Arbeitgeber wählen und sie mehrheitlich weiterempfehlen. Auch haben sie nicht vor, die Stelle zu wechseln, weil es ihnen auf der Verwaltung der Hafenstadt gefällt. Seit letztem Juni haben nur die Leiter der Jugendherberge gekündigt. Ihnen bot sich die Gelegenheit, eine ganz neue Jugendherberge zu übernehmen, sagt Martin. «Es war eine Chance, die sich im Leben nur einmal bietet.»

Gute bis sehr gute Noten gibt es für die Infrastruktur am Arbeitsplatz, die Arbeitszeiten, die interne Kommunikation und die Vorgesetzten, die sich genügend Zeit nehmen für die Anliegen ihrer Untergebenen. Trotz knapper Personalsituation in den Abteilungen - nebst dem wenig ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl einer der Kritikpunkte.

Stadtpräsident sagt: «Mein Führungsstil ist weniger autoritär»

Die insgesamt erfreulichen Ergebnisse seien sicher nicht sein Verdienst allein, sagt Martin.

Stadtpräsident Roger Martin.

Stadtpräsident Roger Martin.

(Bild: Reto Martin)
«Ein solcher Wandel passiert nicht von heute auf morgen. In vielen Bereichen war es früher offenbar nicht so schlecht, wie man immer gesagt hat.»

Er habe den Prozess aber vielleicht beschleunigt, sagt Martin. «Mein Führungsstil ist weniger autoritär.» Er sehe seine Rolle eher als Motivator.

Zu tun gebe es noch einiges. Denn restlos glücklich sind die Mitarbeiter nicht. Relativ schlecht bewerten sie insbesondere den Lohn, die Lohnnebenleistungen und die Pensionskasse.

Lohnvergleich mit anderen Städten

Dass die Pensionskasse nicht gut wegkommt, versteht Martin nicht. «Wir haben ein Finanzierungsproblem, bei den Leistungen fallen wir aber nicht ab.» Nachgehen will er den Klagen wegen der tiefen Löhne. «Wir werden einen Vergleich mit anderen Städten anstellen.» Viel Spielraum gebe es nicht. Martin sagt:

«Wir werden nie fürstliche Gehälter zahlen können.»

Überlegen müsse sich der Stadtrat hingegen, ob es richtig gewesen sei, dem Personal Goodies wie die Reka-Checks zu streichen. «Und sind vier Wochen Ferien noch zeitgemäss?», fragt sich Martin. Die Geschäftsleitung der Stadt wird sich zu gegebener Zeit vertieft mit den Ergebnissen der Umfrage auseinandersetzen und Massnahmen diskutieren.