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Trotz dem Erfolg der Pilgerherberge in Märstetten fehlen die Helfer

Nur noch sieben Freiwillige kümmern sich um die Pilgerherberge Märstetten, lange waren es doppelt so viele. Dabei ist die Wohnung an der Hubstrasse rege besucht: Im letzten Jahr kamen über 400 Wallfahrende.
Janine Bollhalder
Brighit Stahel vor der Pilgerherberge in Märstetten. (Bild: Donato Caspari)

Brighit Stahel vor der Pilgerherberge in Märstetten. (Bild: Donato Caspari)

Vor 16 Jahren eröffnete Brighit Stahel eine Pilgerherberge in Märstetten. Ihr zur Seite stand Ruth Brogle sowie das Ehepaar Jürg und Ruth Trippel. Es war die erste Pilgerherberge überhaupt in der Schweiz. Ihr System ist noch heute landesweit einzigartig.

«Die Pilgernden werden bei der Schlüsselübergabe persönlich von uns begrüsst», sagt Stahel. Nicht nur das ist einzigartig: Oftmals gibt es in Pilgerherbergen sogenannte «Herbergseltern», welche die Gäste bekochen und betreuen. In Märstetten ist das anders: Die Pilgernden sind für sich selbst verantwortlich – einkaufen, kochen und füreinander sorgen. «Gegenüber der Wohnung gibt es einen Volg, etwas weiter entfernt eine Bäckerei. Viele gehen aber in ein Restaurant», sagt Stahel.

Aktives Mitglied seit der ersten Stunde

Sie selbst ist das einzige der vier Gründungsmitglieder, welches heute noch aktiv mitwirkt. Die 77-Jährige managt die Anfragen der Pilger und koordiniert die freiwilligen Helfer. Die Wohnung an der Hubstrasse 2 kostet monatlich 570 Franken. Ein Betrag, der kein Loch in die Kasse der Herberge-Verantwortlichen reisst. «Wir machen sogar einen kleinen Gewinn», sagt Stahel.

Es ist kein Verein, den sie und die freiwilligen Helfer der Pilgerherberge gegründet haben. «Es ist ein einfaches, loses Konstrukt. Aber es funktioniert», sagt sie. Trotzdem ist sie nachdenklich: Von einst 14 freiwilligen Helfern sind nur noch deren sieben geblieben.

«Ich verstehe das nicht. Es ist doch nicht viel Arbeit: Zweimal im Monat hat man Pikett-Dienst. Ab fünf Uhr muss man bereit sein, den ankommenden Pilgern den Wohnungsschlüssel auszuhändigen. An der Türe ist eine Liste angebracht, um die jeweils zuständige Person zu erreichen»

Brighit Stahel hofft, dass sich bald freiwillige Helfer melden. (Bild: Donato Caspari)

Brighit Stahel hofft, dass sich bald freiwillige Helfer melden. (Bild: Donato Caspari)

Zur freiwilligen Mitarbeit gehört auch das Waschen. «Wer wäscht, erhält eine kleine Entschädigung. Es haben schliesslich nicht alle Helfenden die Möglichkeit, zusätzliche Wäsche zu waschen.» Natürlich gäbe es Alternativen, wenn keine weiteren Freiwilligen gefunden werden können: «Es wäre schon einfacher, den Schlüssel zu hinterlegen», sagt Stahel, «aber ich würde das System mit der persönlichen Übergabe gerne beibehalten.»

Das Prinzip hat sie in Frankreich abgeschaut, wo sie selbst pilgerte. Sie schätzt den direkten Kontakt: «Es sind berührende Geschichten, die man erfährt.» Stahel hat schon seit längerer Zeit ein Herz für Pilgernde: Kurz nach der Rekonstruierung des Schwabenweges zwischen Konstanz und dem Hörnli hinterlegte sie einen Brief in der Märstetter Kirche, in welchem sie die Wallfahrenden zu sich nach Hause einlädt. Sogar einen Stempel hat sie anfertigen lassen, um ihren Gästen diesen Wegabschnitt zu bestätigen.

Karge Zimmer bieten alles nötige

«Die Wohnung an der Hubstrasse ist für die pilgernden Gäste so eingerichtet, wie ich es als Pilgerin geschätzt habe», sagt sie. Auf die Wallfahrenden wartet eine alte Wohnung, die aber viel Charme habe. «Es sind nur drei kleine Zimmer, aber es gibt alles, was man braucht: Bett, Badezimmer mit Föhn, eine Küche mit gewissem Vorrat und sogar ein kleines Frotteetuch.» Die Ausstattung habe sie günstig oder sogar geschenkt bekommen. Insgesamt gibt es zehn Betten.

«Im ersten Jahr hatten wir schon 73 Besucher», erzählt Stahel freudig. Im letzten Jahr stieg die Zahl bereits auf über 400. Erwachsene bezahlen 20 Franken, Kinder bis sechs Jahre longieren gratis. Die Herberge ist rege besucht, in den 16 Jahren ihres Bestehens nächtigten 4565 Pilger in Märstetten. Stahel hofft, dieses Jahr die 5000-Marke zu knacken.

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