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Treffpunkt für Demente in Sulgen: Es ist, was es ist, sagt die Liebe

Das Café Vergissmeinnicht ist erfolgreich gestartet. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen trafen sich am Freitag in geselliger Runde.
Barbara Hettich
Inge Hartlauer und Katrin Grossenbacher sorgen im Café Vergissmeinnicht für eine entspannte Atmosphäre. (Bild: Barbara Hettich)

Inge Hartlauer und Katrin Grossenbacher sorgen im Café Vergissmeinnicht für eine entspannte Atmosphäre. (Bild: Barbara Hettich)

Eine Neueröffnung ist immer wieder etwas ganz Besonderes: Kommt jemand und stösst dieses neue Angebot überhaupt auf Interesse? Diese Frage stellten sich Katrin Grossenbacher, Sabine Meister und Inge Hartlauer am vergangenen Freitag.

Lange müssen sie nicht warten, pünktlich um halb drei erscheinen die ersten Gäste im Restaurant Profumo die Helvetia, das an diesem Nachmittag den schönen Namen «Café Vergissmeinnicht» trägt und sich als neuer Treffpunkt für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen etablieren soll – ein Angebot von «Alzheimer Thurgau».

Die Begrüssung ist herzlich, man kennt sich bereits oder lernt sich kennen. Katrin Grossenbacher, Leiterin des Sulger Tageszentrums für Menschen mit Demenz, erklärt warum sie mit Pflegefachfrau Sabine Meister und Freiwilligenhelferin Inge Hartlauer hier ist und nicht das dafür vorgesehene Team mit Ursi Brunner, Patricia Jungclaus, Lea Brem und Lucia Welti. «Im Seniorenzentrum Sulgen grassiert ein Norovirus und die vier sind entweder selbst krank oder in der Pflege unabkömmlich.»

Austausch findet statt

Im Café Vergissmeinnicht lässt man sich die gute Stimmung durch den Norovirus nicht verderben. «Wir haben plötzlich so einen guten Draht zueinander», sagen zwei Herren, die sich bislang nur vom Sehen kannten und sich bestens unterhalten. Es wird viel gelacht, viel erzählt – von schönen Erlebnissen aber auch von belastenden Situationen, die sich krankheitsbedingt ergeben.

«Wir haben mit so etwas einfach nicht gerechnet», erzählt ein Ehepaar. Ihr Mann habe die Diagnose Alzheimer 2017 erhalten und man versuche, damit zurechtzukommen, sagt die Frau. Sie sei oftmals überfordert. Kopfnicken in der Runde, denn das mit der Überforderung kennen alle. Jeder hat etwas beizutragen, wie und wo man welche Hilfe holen kann. «Es ist ganz wichtig, dass man aktiv bleibt und unter die Leute kommt. Mir hilft das psychisch sehr», sagt dazu ein Betroffener, der für diesen Treff noch ohne Begleitung mit dem Zug nach Sulgen fahren konnte.

Den Humor nicht verlieren

Die Krankheit so nehmen, wie sie ist, den Humor und die Lebensfreude nicht verlieren, dies sei die grosse Kunst, erzählt ein weiterer Gast, dessen Frau bereits in einem weit fortgeschrittenen Stadium ist und still am Tisch sitzt. Er erzählt von wunderbaren Begegnungen, von Kolleginnen seiner Frau aus einer Tanzgruppe, die immer wieder für einen Tanz vorbei kommen. «Was mir auch hilft, ist ein Gedicht von Erich Fried: ‹Es ist, was es ist, sagt die Liebe›». Hat das seine Frau verstanden? Ein Lächeln huscht jedenfalls über ihr schönes Gesicht – als ginge die Sonne auf.

Die Zeit vergeht schnell. Ein geselliger Nachmittag neigt sich dem Ende zu. Für Heiterkeit sorgt ein Betroffener, der doch tatsächlich sein Portemonnaie vergessen hat. Dieses braucht er dank eines grosszügigen Konsumationsspenders auch gar nicht. «Wir kommen wieder», lautet der Tenor bei der Verabschiedung.

Hinweis
Das nächste Café Vergissmeinnicht im Restaurant Helvetia findet am Freitag, 22. Februar, von 14.30 bis 17 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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