TOURISMUS-LEUCHTTURM
Ab 1. April ist wieder offen am Seerhein: «Drachenburg & Waaghaus» werden vorübergehend von Praktikanten geführt – Sanierung und Umbau verzögern sich jedoch

Während für die grosse Renovation der Gottlieber Traditionshäuser die Stararchitektin Tilla Theus gewonnen werden konnte, ermöglicht die Stiftung eine Zwischennutzung über den Sommer. Es soll eine Chance sein für den Berufsnachwuchs.

Urs Brüschweiler
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Links die Drachenburg, rechts das Waaghaus und das Haus Rheineck. Insgesamt sind es sogar sechs Liegenschaften, aus denen der historisch gewachsene Komplex besteht.

Links die Drachenburg, rechts das Waaghaus und das Haus Rheineck. Insgesamt sind es sogar sechs Liegenschaften, aus denen der historisch gewachsene Komplex besteht.

Bild: PD
«Die Begeisterung für unser Projekt ist bei allen Beteiligten immer noch sehr gross.»

Das sagt Niklaus Knüsel. Der Präsident der im vergangenen Frühling gegründeten Stiftung Drachenburg & Waaghaus freut sich, dass es spannende Neuigkeiten zu verkünden gibt, rund um die Gottlieber Traditionshäuser. «Mit Hochdruck arbeiten Stiftungsrat und Verwaltungsrat an der Zukunft», heisst es in einer Mitteilung.

Architektin mit Faible für denkmalgeschützte Liegenschaften

Tilla TheusArchitektin

Tilla Theus
Architektin

Bild: PD

Nun steht fest: Das ambitionierte Sanierungs- und Umbauprojekt für die historischen Hotel- und Gastronomiegebäude an bester Lage direkt am Seerhein wird in die Hände von Architektin Tilla Theus gelegt. Die gebürtige Bündnerin gehöre zu den «Grossen ihres Fachs», zeigte ihr Können und ihr Faible für denkmalgeschützte Liegenschaften im Thurgau bereits beim «Mammertsberg» in Freidorf. Theus lässt sich zitieren:

«Der Entschluss der Stiftung, einem Traditionsbetrieb die Zukunft zu sichern, überzeugte mich als richtig und weitsichtig und weckte meine Freude, architektonisch zum Gelingen beizusteuern.»
So könnte einst der Innenhof der Drachenburg aussehen.
5 Bilder
Eine Idee für den Mehrzweckraum in der Drachenburg.
Das künftige Restaurant Fischerstube im Waaghaus?
So könnte gemäss einer Vision von Tilla Theus der grosse Saal im Waaghaus aussehen.
Bezaubernder Blick auf den Seerhein: Ein Wintergarten für das Waaghaus?

So könnte einst der Innenhof der Drachenburg aussehen.

(Bild:PD)

Geduld der Gäste wird auf die Probe gestellt

So rasch, wie ursprünglich gedacht, wird es in Gottlieben aber nicht vorwärtsgehen. Nach einer Überprüfung der bis zu 400 Jahre alten Liegenschaften seien viele Fragen offen geblieben, erklärt Knüsel. «Wir hatten so keine Planungssicherheit», sagt Knüsel und berichtet von doppelten Wänden und Böden, unzähligen Anbauten verschiedener Generationen und neuen Vorschriften.

Niklaus KnüselPräsident Stiftungs- und Verwaltungsrat Drachenburg und Waaghaus Gottlieben.

Niklaus Knüsel
Präsident Stiftungs- und Verwaltungsrat Drachenburg und Waaghaus Gottlieben.

Bild: Andrea Stalder
«Es ist eine Vorsichtsmassnahme, dass wir jetzt zuerst noch vertiefte Analysen des Ist-Zustands machen, bevor wir genau festlegen, wohin wir wollen. Ansonsten leisten wir der Sache einen schlechten Dienst.»

Die Geduld der vielen treuen Gäste werde leider auf eine harte Probe gestellt, heisst es in der ausführlichen Projektinformation der Stiftung vom Januar. Finanziell ist das Projekt ebenfalls nicht weniger anspruchsvoll geworden: Mit einer Zielvorgabe von 21 Millionen Franken arbeite der Stiftungsrat derzeit, heisst es dort. Unter der Leitung des Kreuzlinger Rechtsanwalts Peter Lindt habe man über Fundraising bisher rund 14 Millionen Franken zugesichert bekommen, es fehlten also noch rund 7 Millionen Franken. Der Zeitplan hat sich verändert: Frühestens Ende 2021 werde man mit den Bauarbeiten beginnen können, heisst es in der Mitteilung. Für die Wiedereröffnung des touristischen Leuchturms spricht man von 2023.

Blick vom Rhein auf «Waaghaus und Drachenburg».

Blick vom Rhein auf «Waaghaus und Drachenburg».

Bild: PD

Ein Sommer als Perspektive für junge Berufsleute

Per Ende Jahr waren Hotel und Gastronomie geschlossen und allen Mitarbeitern gekündigt worden, weil ein Umbau unter Betrieb nicht möglich ist. Mit der neuen Entwicklung stand nun aber die Frage nach einer Zwischennutzung für den bevorstehenden Sommer im Raum. Niklaus Knüsel sagt:

«Wir haben sehr viele Optionen für Pop-up-Lösungen geprüft.»

Und mit dem Projekt «Palettino» – italienisch für Sprungbrett – habe man eine gute Möglichkeit gefunden. Ein innovatives Sozialprojekt zu Gunsten des Schweizer Hotelnachwuchses wird am 1. April in Betrieb genommen. Absolventen und Praktikanten Schweizer Hotelfachschulen übernehmen einen Sommer lang das Restaurant Waaghaus und das daran angebaute Hotel Rheineck. Sie sollen auf diese Weise in der aktuellen schwierigen Phase wichtige Berufserfahrungen sammeln können. Gastronomisch wird das Team von Star-Koch Pascal Schmutz unterstützt und begleitet. Gastgeber sind zwei junge Co-Direktoren, Luis E. Brucker und Attila Incze. Sie werden sich zusammen mit bis zu 23 Mitarbeitenden um das Wohl der Hotelgäste kümmern und, falls es Corona zulässt, auch um jene des Restaurants. Knüsel freut sich: «Wir denken, wir machen damit etwas Gutes.»

Mehr Informationen unter:
www.stiftung-drachenburg-waaghaus.ch und www.palettino.ch