Töne aus der Arboner Künstlervilla

Poetisch, verspielt und überraschend: Klangkünstler Stefan Philippi lädt im Sonnenblumenhaus zu einer Entdeckungsreise vom Garten bis zum Dachboden. «Ohrensachen» heisst das Projekt.

Max Eichenberger
Drucken
Teilen
Stefan Philippi bespielt in einem dunklen Raum Trommeln, die mit bemalten Tierhäuten bespannt sind. (Bild: Max Eichenberger)

Stefan Philippi bespielt in einem dunklen Raum Trommeln, die mit bemalten Tierhäuten bespannt sind. (Bild: Max Eichenberger)

Sie ist aus einer anderen Zeit. Mit einer Reihe kultureller Veranstaltungen erfährt die Künstlervilla Max Burkhardt seit zwei Jahren unter der Ägide des gleichnamigen Vereins eine Renaissance – allerdings mit offener Zukunft (unsere Zeitung berichtete).

Einen Monat lang wird das Sonnenblumenhaus nun zum Klanghaus: Der Arboner Klangkünstler Stefan Philippi hat sich darin eingenistet. In den Räumen der ehemaligen Wirkungsstätte des bekannten Fotografen und Dekorationsmalers wie auch im Garten hat der Begründer des Klangskulpturenfestivals «Arbonale» zehn Installationen aufgebaut.

Bewegung, die technisch erzeugt wird – etwa durch einen Ventilator oder durch Berührung – machen sie zu Klangobjekten.

Schreiner entwickelt sich zum Klangkünstler

«Klänge können wunderbar Assoziationen wecken. Man hört Geräusche und visionalisiert sie. Viele Menschen sind sehr angetan von Klängen. Deren Palette ist ungeheuer gross und vielfältig», weiss der gelernte Schreiner und Instrumentenbauer, der über die Musiktherapie zur Klangkunst gefunden hat. Stefan Philippi, der seit 15 Jahren im ZiK seine Werkstatt am See betreibt, sagt:

«Bei allem, was ich beruflich machte, habe ich viel gelernt über akustische Phänomene»

«Skulpturale Klangkunst» nennt der 60-Jährige seine Passion, mit gestalterischer Kreativität und spielerischer Neugier das Klanguniversum immer weiter zu erforschen. Dabei bedient er sich unterschiedlichster Materialien, die er beim Baumarkt bezieht, und Gegenständen, die ihm im Alltag zufallen. «Die Kunst gibt mir die grösstmögliche Freiheit, mit dem Klang zu arbeiten.»

Im Keller überrascht die Badewanne

Die Möglichkeiten sind unerschöpflich, beweist Stefan Philippi immer wieder aufs Neue. Dabei scheut er sich nicht, auch politische Themen aufzugreifen. «Waterloo» nennt er sein «akustisches Plakat» gegen die Umweltzerstörung, das gleichzeitig als Aufschrei gegen die Wasserknappheit in Entwicklungsländern verstanden werden kann. Im Keller des Sonnenblumenhauses steht eine Badewanne, gefüllt mit Plastikmüll aus seinem Umfeld.

Von oben tropft in unterschiedlichen Intervallen aus diversen Ausgüssen Wasser herunter auf Büchsendeckel und weiteren Kunststoffabfall. In einem Experimentierraum können Besucher zudem herausfinden, wie Blech in verschiedenen Formen und Spannungen tönt. Bespannt mit doppelt eingefärbten Tierhäuten vom Pferd, Kalb und von der Kuh lassen sich beim Bespielen der dezent illuminierten Trommeln in einem verdunkelten Raum – allein schon ein visuelles Kunstwerk – klangliche Nuancen heraushören.

Bei einem anderen Objekt schlagen Kugeln an Metallstäbe an. Die geometrische Form seines Objekts Ro(h)r-Schach hat Philippi aufgelöst und im Garten der Villa in floraler Anordnung aufgebaut, farblich Ton in Ton mit dem Gelände. Schliesslich werden auch Klanggeheimnisse gelüftet – zum Beispiel, was hinter dem vermeintlichen Rauschen des Baches oder Knistern des Feuers steckt. Neben Stefan Philippi werden auch Erika Brunner und Heinz Lieb die Installationen bespielen.

Hinweis: Die Ausstellung dauert vom 19. Oktober bis 23. November. Vernissage: 19. Oktober, 19 Uhr. Weitere Infos: hausmaxburkhardt.ch

Arboner Stadtparlament verhindert Verkauf der Künstlervilla

Die Stadt Arbon muss das über 100-jährige Künstlerhaus Max Burkhardt behalten. Das Parlament schickt die Vorlagen zum Verkauf und zur Übergabe im Baurecht bachab. Damit ist die Regierung wieder dort angelangt, wo sie bereits vor vier Jahren war.
Annina Flaig

Sonnenblumenhaus soll erblühen

ARBON. Das Interesse war gross. Über 400 Besucher haben am Sonntag die Jugendstilvilla Burkhardt in Augenschein genommen, ein Stück ihrer Geschichte erspürt. Eine Interessengemeinschaft will dem Sonnenblumenhaus kulturelles Leben einhauchen.
Max Eichenberger