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Töff-Fahrer rast mit 103 km/h durch Weinfelden und muss ins Gefängnis

Ein Töfffahrer fuhr mehrmals ohne Führerschein. In Weinfelden war er zudem innerorts viel zu schnell unterwegs. Bisher kam er mit bedingten Geldstrafen davon, nun hat ihm das Bezirksgericht Weinfelden eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren aufgebrummt. Laut dem Verkehrspsychologen Joachim Kohler fehlt Rasern die Einsicht. Für den Fahrlehrer Christian von Arx ist Fahren eine Charaktersache.
Mario Testa
Ein Motorradfahrer im Innerortsbereich. (Symbolbild: Donato Caspari)

Ein Motorradfahrer im Innerortsbereich. (Symbolbild: Donato Caspari)

Ein 39-jähriger Mann stand am Dienstag wegen mehrerer Verkehrsdelikte vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Der Mann fuhr jahrelang mit einem Motorrad, für das er keinen Führerschein besass. Zudem wurde er in Weinfelden innerorts mit einer Geschwindigkeit von 103 km/h geblitzt. Die Staatsanwaltschaft Bischofszell forderte für den Mann eine Freiheitsstrafe von 1,5 Jahren wegen qualifizierter Verletzung der Verkehrsregeln sowie mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung.

«Als ich das Motorrad kaufte, hat mir keiner gesagt, dass ich einen anderen Führerausweis dafür brauche», sagt der Angeklagte während der Befragung durch den Vorsitzenden Richter Pascal Schmid. Auf die Frage, ob er denn selbst nicht gewusst habe, dass er für sein Motorrad einen Führerausweis der Kategorie A brauche, und nicht nur den vorhandenen A1, drückt sich der Mann anfänglich um eine klare Antwort. Auf Nachfrage gesteht er dann aber ein:

«Ich hab’s gewusst, aber ich habe mich nicht darum gekümmert.»

Es war damals eine emotional sehr belastende Zeit für mich, da ich nach der Scheidung mit dem Kampf um das Besuchsrecht für mein Kind beschäftigt war.»

Der Angeklagte wurde in den vergangenen Jahren in den Kantonen Zürich, Uri und Thurgau bei Polizeikontrollen erwischt, wie er ohne Führerschein unterwegs war. Dafür kassierte er bereits mehrere bedingt ausgesprochene Geldstrafen. Am Pfingstmontag des vergangenen Jahres gipfelte seine Missachtung der Verkehrsregeln darin, dass er in Weinfelden auf der Umfahrungsstrasse mit 103, statt den erlaubten 50 km/h geblitzt wurde.

«Ich wurde einfach im falschen Moment geblitzt»

Seine Raserfahrt begründet der Angeklagte vor Gericht mit technischen Problemen am Motorrad. «Ich holte im zweiten Gang Schwung in der Unterführung und dann schaltete ich hoch. Der dritte Gang ging jedoch nicht und so sprang er direkt in den Vierten. Da beschleunigt man dann halt sehr schnell – und genau in dem Moment wurde ich geblitzt, es war einfach der falsche Moment.» Trotzdem bereue er seine Tat heute sehr und werde nie mehr Motorrad fahren.

Der Mann habe sich stets kooperativ gezeigt, sagt die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Aber zu den Ausflüchten über den fehlenden Führerschein und die Raserfahrt findet sie deutliche Worte. «Es war ihm bewusst, dass er den falschen Ausweis hatte. Die Geschwindigkeitsmessung in Weinfelden fand 500 Meter nach besagter Unterführung statt und er wusste, dass er innerorts fuhr.»

Verteidigerin fordert Geldstrafe

Die Verteidigerin des Angeklagten probierte, die Anklage auf grobe statt qualifizierte Verkehrsregelverletzung zu drücken. «Dieser Strassenabschnitt hat Ausserorts-Charakter. Auf der geraden und übersichtlichen Strasse ging er daher ein mittleres Risiko ein, Personen zu verletzten oder zu töten, aber sicher kein hohes Risiko. Dann ist es laut einem Bundesgerichtsurteil kein Raserdelikt.»

Ihr Mandant fahre seit dem Einzug des Töffs nur noch mit dem öffentlichen Verkehr, habe dem Individualverkehr abgeschworen. Sie fordert eine Geldstrafe, im Falle von Freiheitsentzug eine bedingte oder maximal halbjährige teilbedingte Strafe für ihren Mandanten.

Das Bezirksgericht folgt in seinem Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft. «Der Sachverhalt ist klar erstellt. Innerorts ist das Gefährdungspotenzial riesengross. Das war sehr, sehr gefährlich», sagt Richter Pascal Schmid zum Angeklagten. «Wir haben sehr viele Schutzbehauptungen, Ausflüchte und Selbstbemitleidung gehört heute. Sie sind anständig und kooperativ, aber von Einsicht keine Spur.»

Bedingte Strafe nicht mehr möglich

Emotionale Belastungen seien keine Entschuldigung für derartige Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz. Eine bedingte oder teilbedingte Strafe sei aufgrund der Vorstrafen nicht mehr denkbar. «Es ist zu viel passiert. Das Fass ist übergelaufen und ihre Prognose ist definitiv ungünstig.

Sie haben sogar während der Probezeit und der Strafverfolgung weiter delinquiert.»

Nebst der Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren kassierte der Angeklagte auch eine Busse von 100 Franken. Zudem muss er die Verfahrenskosten von rund 13000 Franken bezahlen. Zudem widerruft das Gericht eine in Zürich bedingt ausgesprochene Geldstrafe aus dem Jahr 2014 von 180 Tagessätzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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