HC Thurgau ist an Ajoie dran

Der HC Thurgau zeigt im ersten Playoff-Spiel gegen Ajoie eine starke Leistung. Der grosse Aufwand wird allerdings nicht mit einem Sieg belohnt. Dass das 3:5 den Thurgauern stinkt, ist ein gutes Zeichen.

Matthias Hafen, Pruntrut
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Die Thurgauer Verteidiger Simon Seiler (ganz links) und Joel Steinauer versuchen, Ajoies Topskorer Philip-Michael Devos zurückzuhalten. (Bild: Guillaume Hentzi/Photo Bist)

Die Thurgauer Verteidiger Simon Seiler (ganz links) und Joel Steinauer versuchen, Ajoies Topskorer Philip-Michael Devos zurückzuhalten. (Bild: Guillaume Hentzi/Photo Bist)

Der HC Ajoie beisst im Playoff-Viertelfinal gegen den HC Thurgau in einen Holzapfel, soviel steht schon nach dem ersten Spiel fest. Die Jurassier verloren aber noch keinen Zahn. Sie setzten sich in einer spektakulären Partie daheim vor 2000 Zuschauern knapp mit 5:3 durch. Der entscheidende Treffer gelang Routinier Mathias Joggi in der 55. Minute, als er HCT-Goalie Janick Schwendener mit einem Schuss aus dem Nichts am nahen Pfosten zum 4:3 erwischte.

Schwendener war ebenso bedauernswert wie die ganze Thurgauer Equipe. Sie hatte sich zum Playoff-Auftakt im äussersten Jurazipfel drei Drittel lang aufgeopfert und eine kämpferisch grossartige Partie gezeigt. Bei numerischem Gleichstand hatten die Gäste sogar Ajoies kongeniales Sturmduo Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen im Griff – das gibt Hoffnung für die zweite Begegnung vom Sonntag um 17.30 Uhr in Weinfelden.

Die Strafbank entscheidet über Sieg oder Niederlage

Doch ein Eishockeyspiel besteht selten nur aus 5-gegen-5-Situationen. Und schon jetzt ist klar, dass der Schlüssel zum Erfolg in dieser Best-of-7-Serie in den Powerplays und Boxplays liegt. Zumindest was die kassierten Strafen betrifft, war Ajoie im Auftaktspiel einfach cleverer. Die Gastgeber mussten bis zu den bedeutungslosen Schlusssekunden nur einmal in die Kühlbox, die Thurgauer dreimal. Und zwei von diesen drei Strafen nutzte Ajoie zu Toren – beim 1:0 durch Devos (9.) und beim 2:2 durch Jordane Hauert (47.). Schon Hauerts Lob war HCT-Goalie Schwendener unglücklich unter dem Körper durchgekullert. Es war zum Verzweifeln für die Ostschweizer, denen an diesem Abend ebenso das Quäntchen Glück fehlte, wie den Schiedsrichtern manchmal der Durchblick.

Vor dem 2:2 hatte der HCT auf fremdem Eis einen Rückstand wettgemacht, und war durch Léonardo Fuhrer zu Beginn des Schlussdrittels 2:1 in Führung gegangen. Die Leihgabe vom NLA-Club Rapperswil-Jona, die im vergangenen Jahr noch bei den Jurassiern unter Vertrag gestanden hatte, war ein steter Gefahrenherd vor dem Tor von Ajoie-Goalie Dominic Nyffeler. Fuhrer traf auch zum 3:3 in der 51. Minute. Es war in jener Phase, als die Pucks nur noch so ins Tor kullerten. Erst 89 Sekunden zuvor hatte Devos das 3:2 realisiert. Dazu schlich er sich unbemerkt vors HCT-Tor, wo er einen hohen Puck gekonnt ins Netz ablenkte.

Seiler warf sich in jeden Schuss

An Ajoies Spielintelligenz gab es ebenso wenig Zweifel wie an Thurgaus Einsatzwille. Vor allem defensiv ackerten die Gäste, als wäre es schon das alles entscheidende Spiel. Sinnbildlich dafür stand Verteidiger Simon Seiler, der sich furchtlos in jeden Schuss der Ajoulots warf. Und dass Kenny Ryan in der 52. Minute das 4:3 auf dem Stock hatte, zeigt auch, wie nahe der HCT am Qualifikationszweiten dran sind.

Ajoie – Thurgau 5:3 (1:1, 0:0, 4:2)

Voyeboeuf, Pruntrut – 2008 Zuschauer – SR Boverio/Ströbel, Huguet/Betschart.
Tore: 9. Devos (Hauert, Hazen/Ausschluss Michael Loosli) 1:0. 12. Ryan (Wydo/Ausschluss Ryser) 1:1. 44. Fuhrer 1:2. 47. Hauert (Ausschluss Fuhrer) 2:2. 50. Devos 3:2. 51. Fuhrer (El Assaoui) 3:3. 55. Joggi (Montandon) 4:3. 60. (59:22) Hazen (Hauert) 5:3 (ins leere Tor).
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Ajoie, 3-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Ajoie: Nyffeler; Hauert, Pouilly; Dotti, Casserini; Birbaum, Ryser; Blaser, Suleski; Schmutz, Devos, Hazen; Frossard, Privet, Kohler; Joggi, Montandon, Forrer; Wüst, Macquat, Puide.
Thurgau: Schwendener; Seiler, Parati; Collenberg, Steinauer; Wildhaber, El Assaoui; Hänggi, Bahar; Wydo, Fuhrer, Ryan; Hollenstein, Rundqvist, Merola; Arnold, Brändli, Michael Loosli; Janik Loosli, Vogel, Frei.
Bemerkungen: Ajoie ohne Weisskopf (Fribourg-Gottéron/NLA), Schmidt (rekonvaleszent), Thibaudeau und Fabio Arnold (beide überzählig). Thurgau ohne Engeler (verletzt), Moser, Zanzi, Kellenberger (alle überzählig), Gurtner und Schweri (beide Rapperswil-Jona/NLA). – Thurgau von 59:07 bis 59:22 ohne Goalie.

Thurgaus dritter Ausländer fürs Playoff

Die Karriere von Adam Rundqvist machte in der Vergangenheit mehrere Knicks. Doch in dieser Saison hat der HC Thurgau dank des 28-jährigen Stürmers quasi einen dritten Ausländer. Das könnte sich im Playoff-Viertelfinal ausbezahlen. Das erste Spiel beginnt heute um 20 Uhr in Pruntrut.
Matthias Hafen

Ajoie-Topskorer Devos: «Du wirst nicht Zweiter mit nur zwei Spielern»

Ajoies Topskorer Philip-Michael Devos ist in vielerlei Hinsicht der Schlüssel zum Erfolg – sowohl für die Jurassier wie auch für den HC Thurgau. Gelingt es den Thurgauern, den 28-jährigen Frankokanadier im Playoff-Viertelfinal aus dem Spiel zu nehmen, wachsen ihre Siegeschancen exponentiell. Am Freitag um 20 Uhr empfangen die Jurassier den HCT zum Auftaktspiel in Pruntrut.
Matthias Hafen