Thurgauer Musiker leiden unter Corona: «Wir sagen erst ab, wenn wir müssen»

Auch in der Thurgauer Musikszene hinterlässt Corona seine Spuren. Lokale Künstler müssen Events und Shows absagen und anderswo nach Einnahmen suchen.

Rosa Schmitz
Drucken
Teilen
Die Musikindustrie leidet unter der Coronakrise.

Die Musikindustrie leidet unter der Coronakrise.

Bild: Keystone

Fast keine Auftritte, wenig Studiozeit, klägliche Einnahmen. Die Coronakrise trifft Thurgauer Musikkünstler sehr hart. «Wir leben von der Nähe zum Publikum, die wir nun nicht mehr bieten können», sagt Schlager-Sänger Roger De Win. Bedrückend empfinde er die Unsicherheit und fragt sich: Wann dürfen Fans überhaupt wieder zu Konzerten gehen?

Ein Zeichen der Solidarität

Schlager-Sänger Roger De Win

Schlager-Sänger Roger De Win

Bild: Reto Martin

Dem 45-jährigen Amriswiler fehlt – wie all seinen Musiker-Kollegen – die Perspektive. «Das bremst enorm.» Deprimierend ist der Verlust an Einnahmen. Noch schlimmer, räumt er ein, sei es für «Restaurants, Bars und Kleinläden». Noch kommt er über die Runden. Investitionen in neue Instrumente, Outfits und Videos müssten allerdings warten.

Wichtiger ist ihm, ein Zeichen der Solidarität zu setzten – Solidarität zwischen lokalen Künstlern und zwischen ihnen und ihren Anhängern. Dazu kommt eine regionale Besonderheit. «Wir haben einen starken Schweizer Musikmarkt – aber der Thurgauer Dialekt ist massive untervertreten», sagt De Win. Dabei gäbe es in der Ostschweiz wunderbare Musiker. Auch als Statement für die Musik-Thurgau hat der Schlager-Sänger sein neuestes Lied «Diä unvollendet Symphonie» daher zusätzlich auf Mundart aufgenommen.

«Wir sagen erst ab, wenn wir müssen»

Sängerin und Popflötistin Sabrina Sauder

Sängerin und Popflötistin Sabrina Sauder

Bild: PD

Sängerin und Popflötistin Sabrina Sauder ist in einer ähnlichen Situation. «Ich lebe von der Musik», sagt die 35-jährige Sirnacherin. Die Coronakrise habe ihr allerdings einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Viele ihrer für Frühling und Sommer geplanten Auftritte sind abgesagt. Andere liegen auf Eis. Und wie es im Herbst weitergehe, «ist völlig offen», sagt Sauder. Sie sollte eigentlich von Mitte November bis Ende Dezember ausgebucht sein. Aber ob das Lachner Wiehnachtszauber stattfindet, steht in den Sternen. Doch die Künstler würden sich vorerst weiterhin vorbereiten.

«So einen Verlust könnten wir nicht wegstecken. Wir sagen erst ab, wenn wir müssen.»
Klavierspieler und Komponist David Lang

Klavierspieler und Komponist David Lang

Bild: Andrea Stalder

Klavierspieler und Komponist David Lang musste acht von zehn geplanten Konzerten absagen, zwei Kompositionsaufträge auf unbestimmte Zeit verschieben und zwei Engagements. «Psychologisch war es schwierig, von meiner Tour Abschied zu nehmen, da ich darauf fokussiert war und mich schwer lösen konnte vom ‹Wettkampfmodus›», sagt er. Aber er habe im Moment den Eindruck, dass Staat und Kanton ihre Künstler auf dem Radar hätten. Er fühle sich sehr unterstützt. Der 41-Jährige aus Mammern weiss natürlich nicht, ob die Menschen im Herbst – wenn denn alle Beschränkungen weggefallen seien – zurückhaltend sein werden mit Konzertbesuchen. Das wäre besorgniserregend. Aber darum kümmere er sich erst, wenn es so weit sei.

«Mal witzig, mal ernst und mal interessant»

Jazzmusiker Dani Felber

Jazzmusiker Dani Felber

Bild: Matthias Martin

Auch für Jazzmusiker Dani Felber aus Ermatingen ist es nicht einfach ohne Publikum. «Seit 40 Jahren stehe ich regelmässig auf der Bühne und liebe es, die Menschen mit meiner Musik glücklich zu machen», sagt er. «Im März wurde ich auf einen Schlag für mindestens sechs Monate arbeitslos.» Felbers Gattin habe ihn aber von Anfang an motiviert, seine Freunde und Follower trotz Corona mit seiner Musik zu entertainen. Der 48-Jährige macht täglich Kurzvideos mit Botschaften. «Mal witzig, mal ernst und mal interessant.»

Mehr zum Thema