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Thurgauer lenkt sein Fahrzeug an die Spitze

Der Bottighofer Ales Hajdekr gehört zu den zehn besten Modellrennautofahrern, welche die Schweiz zu bieten hat.

Janine Bollhalder
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Ales Hajdekr mit seinem Modellrennauto auf dem Minidrom Sitterdorf. (Bild: Reto Martin)

Ales Hajdekr mit seinem Modellrennauto auf dem Minidrom Sitterdorf. (Bild: Reto Martin)

Ein Geruch ähnlich Benzin liegt in der Luft. Ein Modellrennauto flitzt über die Piste. «Andere gehen zum Psychologen, ich verbringe meine Zeit hier», sagt Ales Hajdekr, der Fahrer des surrenden kleinen Fahrzeugs. Er gehört zu den besten Modellrennautofahrern der Schweiz.

Mit 19 Jahren sei er durch Zufall auf das Hobby gestossen. «Ich habe Automechaniker gelernt, die Faszination an Motorfahrzeugen herumzuschrauben, stammt also nicht von ungefähr», sagt Hajdekr und schmunzelt. Sein damaliger Chef habe ihn gesponsert. So habe er schnell sein Können als Modellrennautofahrer ausbauen und bei den Schweizermeisterschaften mitfahren können.

Ein kostspieliges und zeitintensives Hobby

Der inzwischen 56-jährige Hajdekr betreibt seine Freizeitbeschäftigung leidenschaftlich. «Nach jedem Rennen nehme ich das Auto auseinander und setzte es wieder zusammen – das Fahrgefühl muss immer wieder das Gleiche sein.»

Vor den Rennen bastle er teilweise bis zu 20 Stunden in der Woche in seinem Zuhause in Bottighofen an seinem Fahrzeug und trainiere bis zu neun Stunden auf dem Minidrom in Sitterdorf. Es sei die am besten unterhaltene Strecke in der Schweiz, sagt er.

«Wenn ich an meinem Auto bastle, versinke ich in meiner Welt»

Hajdekr zählt mit strahlenden Augen die Fakten zu seinem Fahrzeug auf: Es hat 2,95 PS und wiegt nur 2,35 Kilogramm. In nur zwei Sekunden kann es von null auf 100 beschleunigen. Die Räder überleben zirka 30 Minuten in schneller Fahrt. Den Motor, der teuerste Baustein des Fahrzeugs, beziehe er von der Marke «Picco». Ales Hajdekr sagt: «Manchmal bekomme ich auch einen Motor geschenkt.»

Die Karosserie seines Modellrennautos sei sorgfältig ausgewählt, denn: «Schon eine klitzekleine Rille kann meine Fahrt langsamer machen», sagt Hajdekr. Er habe sie auch selbst gespritzt, in einem flammenähnlichen Muster in Gelb- und Rottönen. «Durch die individuellen Karosserien unterscheiden sich die Autos.»

Ohne Schweiss gibt es keinen Preis

Pro Rennen starten zehn Autos. «Da gibt es schon manchmal Unfälle», sagt er. Ein Rennen der Schweizermeisterschaft dauere 45 Minuten, jenes der Weltmeisterschaft eine Stunde. Dabei gilt es, bei gegebener Zeit möglichst viele Runden zu fahren. Das sei jeweils sehr anstrengend und kräftezehrend.

«Man kann nicht schnell auf die Toilette gehen oder etwas trinken, sondern muss bis zur letzten Runde voll konzentriert sein – egal, wie heiss es ist.»

Der Tank seines Modellrennautos fasst 125 Milliliter Nitromethanol – dem Benzin für die kleinen Autos. Das reiche für eine viereinhalb Minuten schnelle Fahrt. Das Fahrzeug lenkt er von einer Terrasse aus, mit Blick über die gesamte Strecke. Sein Kollege und Mechaniker unter der Terrasse betankt das Auto bei Bedarf und wechselt die Räder.

Ales Hajdekr ist per Zufall auf jenes Hobby gestossen, in welchem er nun so erfolgreich ist: Modellrennautofahren. (Bild: Reto Martin)

Ales Hajdekr ist per Zufall auf jenes Hobby gestossen, in welchem er nun so erfolgreich ist: Modellrennautofahren. (Bild: Reto Martin)

Familienvater Ales Hajdekr verdiene mit dem Hobby aber kein Geld. Für Nachwuchsfahrer sei dies aber durchaus möglich. Beruflich ist er Inhaber der Personalvermittlung «eurojob», welche in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Das Modellrennautofahren ist sein Ausgleich zum Alltag.

«Die Technologie und die Geschwindigkeit faszinieren mich. Und es ist schön, auf Gleichgesinnte zu treffen»

Hajdekr ist Mitglied des Modell Rennsport Clubs St. Gallen. «Weil es keinen gleichartigen Club im Thurgau gibt.» Die Atmosphäre unter den Rennfahrern sei familiär, es gäbe tolle Gespräche – auch, wenn sie bei den Rennen Konkurrenten sind.