Thurgauer Bischöfe in Konstanz: Mit militärischer Hilfe oder ohne Priesterweihe

Als Bischöfe von Konstanz haben mehrere Thurgauer das Geschehen im grössten Bistum des Mittelalters geprägt. Heinrich von Klingenberg gilt gar als bedeutendster Konstanzer Bischof des Mittelalters.

Sabrina Bächi
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Das Konstanzer Münster war Bischofskirche und Sitzungssaal während des Konzils von Konstanz (1414-1418). (Bild: Donato Caspari)

Das Konstanzer Münster war Bischofskirche und Sitzungssaal während des Konzils von Konstanz (1414-1418). (Bild: Donato Caspari)

Stöbert man in den Analen des Bistums Konstanz, so finden sich drei Namen von Bischöfen, die mit dem Thurgau zu tun haben. Hermann von Arbon (Bischof von 1138 bis 1165), Heinrich von Klingenberg (1293-1306) und Nikolaus von Frauenfeld (1334-1344).

Drei unterschiedliche Persönlichkeiten, denen aber gemeinsam ist, dass sie mit ihrer Art Widerhall fanden. Der Bekannteste unter ihnen der als Bischof in Konstanz amtete, ist Heinrich von Klingenberg.

Heinrich von Klingenberg auf einem «Ewigen Pfennig». (Bild: PD)

Heinrich von Klingenberg auf einem «Ewigen Pfennig». (Bild: PD)

Wie sein Name bereits verrät, stammt er aus dem Geschlecht der Ritter von Klingenberg. Er ist der Sohn von Ritter und Landrichter Ulrich von Klingenberg und dessen Frau Willeburgis von Castell. Sein Bruder Konrad durchlief ebenfalls eine klerikale Karriere, er amtete als Bischof von Brixen (heute Südtirol).

Heinrich studierte in Bologna und Padua und wurde Geistlicher, erwarb jedoch auch einen juristischen Doktortitel. Bevor er den Bischofssitz in der Stadt am Bodensee innehatte, stand er als Geistlicher im Dienste König Rudolfs I. als Notar und Vizekanzler. Später diente er auch König Albrecht als Verwaltungsbeamter und Diplomat.

Heinrich mehrte die Besitztümer

Es bedurfte einiger Anläufe, bis Heinrich endlich Bischof wurde. Um sein Ziel zu erreichen, musste er gar zu den Waffen greifen. Zwei Mal bewarb er sich erfolglos auf das Amt des Bischofs in Freising und Passau.

Als 1293 der damalige Fürstbischof von Konstanz Rudolf von Habsburg-Laufenburg stirbt, meldet Heinrich sofort seinen Besitzanspruch an. Wie das Historische Lexikon der Schweiz schreibt, setzte er sich mit militärischer Hilfe durch und wird schliesslich noch im selben Jahr als Fürstbischof von Konstanz gewählt und am 8. März 1294 vom Mainzer Erzbischof geweiht.

Das Konstanzer Münster in seiner vollen Grösse. (Bild: Donato Caspari)

Das Konstanzer Münster in seiner vollen Grösse. (Bild: Donato Caspari)

Heinrich stiftete als Bischof das Spital Konstanz. Er wurde zudem als Mäzen des Zürcher Literaturkreises bekannt. Es gilt zudem als gesichert, dass er an einer verlorenen habsburgischen Chronik mitgeschrieben hat. Des Weiteren vergrösserte er den Besitz des Bistums und liess erstmals ein Urbar anlegen. Ein Urbar zeigt, welche Besitzansprüche etwa ein Kloster hat.

Heinrich besass mehrere Besitztümer, die ihm Geld einbrachten. Er bewies Organisationsgespür, um die Übersicht seiner Besitztümer zu wahren. Er war eine geistvolle Persönlichkeit, die es verstand, Besitz zu mehren, deren Anliegen jedoch auch die Geisteswissenschaften waren.

Vom Mönch zum Bischof

Ein paar Jahre vor Heinrich sass Hermann von Arbon auf dem Bischofsstuhl. Woher Hermann von Arbon wirklich stammt, ist nicht abschliessend geklärt. Vermutlich stammt er aus einem Adelsgeschlecht, welches auf der Burg Arbon wohnte und dem Bischof dienstpflichtig war. Den Beinamen «von Arbon» hat er erst in der Neuzeit erhalten.

Das Münster von innen. (Bild: Donato Caspari)

Das Münster von innen. (Bild: Donato Caspari)

Er war zunächst Mönch in Einsiedeln und wurde 1138 ohne je eine Priesterweihe empfangen zu haben, zum Bischof von Konstanz gewählt. Dies jedoch gegen den Willen des neuen Königs Konrad III. Die erste Amtshandlung des Thurgauer Bischofs war den auch, die Reise nach Rom anzutreten, um sich Papst Innozenz II. vorzustellen.

Jener weihte ihn zum Priester und Bischof. Hermann von Arbon spielte in der Reichspolitik eine tragende Rolle. Er war öfter im Dienst als Botschafter des Papstes unterwegs. In den fast 30 Jahren, in denen Hermann Bischof von Konstanz war, reiste und korrespondierte er mit verschiedenen berühmten Persönlichkeiten des Mittelalters.

Kontakt mit Hildegard von Bingen

Er führte etwa eine Korrespondenz mit Hildegard von Bingen und begleitete den Kreuzzugprediger Bernhard von Clairvaux auf seinen Reisen. Auch der spätere König Friedrich Barbarossa nahm die Dienste Hermann von Arbons in Anspruch. Weiter hielten sich mehrere Herrscher seiner Zeit in Konstanz auf.

Insbesondere der Hoftag 1153, auf dem der sogenannte Konstanzer Vertrag zwischen König Friedrich Barbarossa und Papst Eugen III. geschlossen wurde, ist als einer dieser Besuche zu nennen. Während Heinrich von Klingenberg also den Besitz des Klosters mehrte, wirkte Hermann von Arbon politisch als Vermittler und Dienstleister für den König. Als Dank für seine Reichsdienste erhielt Hermann von Arbon mehrere Schenkungen und die Stadt Konstanz erfuhr dadurch Aufschwung.

Flucht nach der Wahl

Der dritte im Bunde ist Nikolaus von Frauenfeld. Er ging als grosser Wohltäter in die Geschichte ein. Der Weg zum Bischofssitz war für den gebürtigen Frauenfelder ein eher steiniger. Es kam zu einer Kampfwahl, welche schliesslich Papst Johann XXII. entschied – zu Gunsten des Thurgauers.

Der Jakobsweg führt durch Konstanz nach Märstetten. (Bild: Donato Caspari)

Der Jakobsweg führt durch Konstanz nach Märstetten. (Bild: Donato Caspari)

Dies hatte Folgen für Nikolaus weiteres Leben. Denn als er 1334 von seinem Papstbesuch als Bischof zurückkehrte, fürchtete er die Rache seiner Feinde und verschanzte sich auf der Meersburg. Diese liessen nicht lange auf sich warten: Die Stadt belagerten sie aber vierzehn Wochen lang erfolglos.

In seiner zehnjährigen Amtszeit war der Frauenfelder immer wieder in politische Auseinandersetzungen verwickelt. Etwa als Verwalter der Gebiete Schwaben und Elsass. Als solcher verhinderte er einen Krieg zwischen den Eidgenossen und den Herzögen dieser Gebiete.

Andererseits wirkte er in kriegerischen Auseinandersetzungen aktiv mit. Doch die Kriege und Fehden dämpften den Eifer des Bischofs, sodass er sich umso mehr als Wohltäter betätigte. Während der grossen Hungersnot 1344 verpflegte er über 3000 Arme.

Als er am 25.Juli 1344 verstarb, gaben ihm, wie er es sich gewünscht hatte, nur die vielen Bedürftigen das Geleit nach Konstanz.