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Interview

Thurgauer BDP-Politiker nach Hitler-Tweet: «Wahrscheinlich war ich naiv - wer Hitler erwähnt, ist politisch tot»

Mit einem solchen Shit-Storm hat Thomas Keller, ehemals Präsident der Jungen BDP Thurgau, nicht gerechnet. Sein Kommentar zu Adolf Hitler auf Twitter hat ihm nur Ärger eingebracht. Er sagt: «Ich bin kein Rassist.»
Ida Sandl
Ein Tweet mit Folgen: Thomas Keller löste mit seinen Äusserungen auf Twitter einen Sturm der Entrüstung aus. (Collage: SGT)

Ein Tweet mit Folgen: Thomas Keller löste mit seinen Äusserungen auf Twitter einen Sturm der Entrüstung aus. (Collage: SGT)

Finden Sie Adolf Hitler gut, Herr Keller?

Ganz und gar nicht. Das war ein Mensch, der wahnsinnig viele Verbrechen begangen hat, ein Massenmörder. Ich leugne auch keineswegs den Holocaust an den Juden und habe kein Verständnis dafür, wenn jemand das tut.

Wie kommt es, dass Sie in Ihrem Tweet Hitler in Schutz nehmen?

Es sollte ein Plädoyer dafür sein, Dinge zu hinterfragen. Ich wollte damit ausdrücken, dass Hitler für viele Menschen das personifizierte Böse ist. Bei anderen Massenmördern wie etwa Stalin wird nicht mit gleich langen Ellen gemessen. Dazu bin ich zutiefst überzeugt, dass jeder Mensch etwas Gutes in sich hat.

Thomas Keller, BDP-Politiker und Bauunternehmer, aus Oppikon. (Bild: pd)

Thomas Keller, BDP-Politiker und Bauunternehmer, aus Oppikon. (Bild: pd)

Fühlen Sie sich missverstanden?

Meine Worte wurden in Relationen gesetzt, die ich nie beabsichtigt habe. Wahrscheinlich war ich naiv. Ich musste erkennen, dass Hitler ein absolutes No-Go ist. Wer ihn erwähnt, ist politisch tot.

Sie würden diesen Tweet also nicht mehr so schreiben?

Nein. Dieser Tweet war ein Riesenfehler. Ich entschuldige mich für den Vergleich mit Adolf Hitler. Ich bin wirklich kein Rassist.

Hat Sie der Shit-Storm überrascht?

Auf jeden Fall. Der Tweet war als persönliche Antwort an meinen St.Galler Parteikollegen Kenny Gubser gedacht. Der hatte einen Kommentar zum «Blick»-Artikel über einen Tessiner Polizisten geschrieben. Was ich nicht wusste, war, dass der Tweet zugleich auf dem Account des «Blick» gelandet ist.

Hat sich die BDP-Spitze schon bei Ihnen gemeldet?

Es hat nicht einmal fünf Minuten gedauert, nachdem ich den Tweet abgesetzt hatte. Da kam schon die Reaktion «ganz gefährlich».

Jemand hat auf Twitter geschrieben, bis zum Wochenende werden Sie kein Mitglied der BDP mehr sein. Rechnen Sie mit dem Ausschluss?

Davon gehe ich nicht aus. Schauen wir mal, würde ich sagen.

Die Partei geht auf Distanz zu Ihnen, fühlen Sie sich noch wohl in der BPD?

Ich bin absolut ein Mann der Mitte. Pauschale Verurteilungen wie zum Beispiel «Flüchtlinge sind Schmarotzer» liegen mir nicht. Vor rund einem Jahr habe ich an einem Treffen mit Flüchtlingen und ihren Betreuern teilgenommen und dabei von sehr beeindruckenden Schicksalen erfahren.

Haben Sie auch Applaus für Ihren Hitler-Tweet bekommen?

Ich habe ganz unterschiedliche Reaktionen erhalten. Einige haben mir geschrieben, man müsste den Text nur genau lesen und verstehen, dann wäre die ganze Hysterie unbegründet. Einzelne haben mich aber sogar zum Suizid aufgefordert. Dazu kamen dann auch sehr bedenkliche Reaktionen aus der rechtsextremen Szene. Die hatte Freude an meinem Tweet. Doch mit diesen Kreisen möchte ich auf gar keinen Fall etwas zu tun haben.

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