Thurgau
«Was ist denn nur los in Egnach?» Grossfeuer in seit vielen Jahren leer stehendem Haus – mehrere 10'000 Franken Schaden

Am frühen Montagmorgen standen über 100 Angehörige der Feuerwehren Egnach und Arbon im Grosseinsatz. Eine unbewohnte Liegenschaft an der Bahnhofstrasse 1 in Egnach war in Brand geraten. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen keine. Der Wirt des benachbarten Restaurants Sternen kann kaum glauben, was derzeit im Umfeld seiner Beiz passiert.

Daniel Walt
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Bild: BRK News

Als Ismet Özgur, Inhaber des Restaurants Sternen in Egnach, von der Polizei aus dem Bett geklingelt wird, schwant ihm Böses. «Vor einer Woche war in mein Restaurant eingebrochen worden. Die Täter nahmen die Kasse mit etwa 900 Franken mit», erinnert er sich. In der Folge teilte ihm die Polizei aber mit, dass am frühen Montagmorgen eine leer stehende Liegenschaft gegenüber von seinem Restaurant in Vollbrand geraten sei.

Ismet Özgür, Wirt Restaurant Sternen in Egnach.

Ismet Özgür, Wirt Restaurant Sternen in Egnach.

Bild: dwa

Özgur, in Gossau wohnhaft, setzte sich sofort ins Auto und fuhr nach Egnach. Dort war der Lieferwagen seines Restaurants in unmittelbarer Nähe des brennenden Hauses parkiert gewesen. Das Fahrzeug war aber bereits von den Einsatzkräften einige Meter verschoben worden.

Özgur führt den «Sternen» seit rund zwei Jahren. Dass jetzt innerhalb von rund einer Woche bei ihm eingebrochen wurde und nun in unmittelbarer Nachbarschaft ein Grossfeuer ausgebrochen ist, kann er fast nicht glauben: «Was ist denn nur los in Egnach?», fragt er sich.

Frau meldete das Feuer

Feuerwehr, Polizei, Sanität, Blaulichter, Flammen, die in den Nachthimmel schiessen, und ganz viel Rauch: Auch die Einwohnerinnen und Einwohner von Egnach konnten am frühen Montagmorgen kaum fassen, was passierte. Viele glaubten zunächst, ein regelrechtes Déjà-vu zu erleben. Anders als vor dreieinhalb Jahren brannte dieses Mal aber nicht die Tobi Seeobst AG, sondern ein Wohnhaus in unmittelbarer Umgebung des Unternehmens.

Die Feuerwehr befand sich bei der Liegenschaft an der Bahnhofstrasse 1 im Grosseinsatz. Laut Daniel Meili, Mediensprecher der Thurgauer Kantonspolizei, ging der Brandalarm um 4.09 Uhr ein. Eine Frau hatte das Feuer im leer stehenden Haus gemeldet. Meili:

«Die Liegenschaft war seit längerem unbewohnt.»

Verletzte gab es beim Brand nicht.

Video: Daniel Walt

Christian Feuz ist Kommandant der Feuerwehr Egnach. «Als wir vor Ort kamen, stand das Haus in Vollbrand», sagt er. Zum Einsatz kamen über 100 Feuerwehr-Angehörige: 60 gehören zur Feuerwehr Egnach, fast 40 stiessen aus Arbon dazu. Zudem begaben sich Einsatzkräfte der Kantonspolizei Thurgau sowie der Sanität auf den Platz.

Feuer nach rund 30 Minuten unter Kontrolle

Als grösste Herausforderung bezeichnet Christian Feuz die Dimension des Brandes. Zudem war neben dem Fahrzeug von «Sternen»-Wirt Ismet Özgur auch ein Lastwagen unmittelbar beim Gebäude parkiert, den es wegzufahren galt.

Christian Feuz, Kommandant Feuerwehr Egnach.

Christian Feuz, Kommandant Feuerwehr Egnach.

Bild: dwa

Eine letzte Ungewissheit war laut Feuz, ob sich bei Brandausbruch vielleicht doch jemand im Haus befunden hatte. Dieses sei seit vielen Jahren unbewohnt gewesen, weiss der Egnacher Feuerwehrkommandant. Nach rund einer halben Stunde war der Brand unter Kontrolle. Die Liegenschaft sei abbruchreif, so Feuz. Laut Angaben der Thurgauer Kantonspolizei beträgt der Schaden mehrere 10'000 Franken.

Um 7 Uhr war ein Grossteil der Feuerwehr-Einsatzkräfte bereits nicht mehr vor Ort, die Nachlöscharbeiten waren im Gang. Zudem wurden Ermittlungen zum Brand aufgenommen, dessen Ursache unklar ist. Die Polizei sucht Zeugen, sie können sich unter der Telefonnummer 058 345 21 00 melden.

Millionenschaden in unmittelbarer Nachbarschaft vor dreieinhalb Jahren

Im März 2018 war es in Egnach zu einem verheerenden Grossbrand auf dem Areal der Tobi Seeobst gekommen. Der Schaden ging in die Millionen. Verantwortlich dafür waren Jugendliche, sie hatten das Feuer fahrlässig verursacht. Dies, indem sie auf Kunststoffpaloxen Kerzen anzündeten und diese bei ihrem Weggang brennen liessen.

Christian Feuz stand auch damals im Einsatz. Der Brand vom frühen Montagmorgen war möglicherweise der letzte, den er in seiner Funktion als Kommandant der Egnacher Feuerwehr miterlebte – er gibt das Kommando per Ende Jahr ab. «Es wäre schön, wenn es nicht noch zu einem weiteren Ereignis kommen würde, bei dem vielleicht Menschen zu Schaden kommen», sagt er. Und auch «Sternen»-Wirt Ismet Özgur hofft, dass bald wieder ruhigere Zeiten in Egnach anbrechen – «es wäre gerade in der Coronakrise von Vorteil, wenn der Puls der Menschen wieder etwas sinken würde», sagt er.

Video: ch media und BRK News

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