3:2-Sieg gegen den Leader: Der HC Thurgau wird für seinen Mut belohnt

Beim Auswärtssieg gegen Ajoie kaschiert der HC Thurgau gekonnt die zahlreichen Absenzen im Kader. Dank der drei Punkte klettern die Ostschweizer in der Tabelle der Swiss League wieder auf Platz vier.

Matthias Hafen aus Pruntrut
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Connor Jones steuerte zwei wichtige Assists zum Sieg bei. (Bild: Mario Gaccioli, 18. August 2019)

Connor Jones steuerte zwei wichtige Assists zum Sieg bei. (Bild: Mario Gaccioli, 18. August 2019)

Böse Zungen behaupten, der HC Thurgau hätte auch mit einem Kleinbus an die Partie im Jurazipfel reisen können. Für das zweite Gastspiel in der Ajoie innert neun Tagen fehlten den Ostschweizern nicht nur die Langzeitverletzten Dominic Hobi, Adam Rundqvist und Michael Loosli. Zu allem Übel fielen für die Begegnung mit dem Leader der Swiss League auch Niki Altorfer (angeschlagen) und Mica Moosmann (Schule) aus. HCT-Geschäftsführer Martin Büsser musste sich kurzerhand beim EHC Chur in der MySports League bedienen, um mit dem 21-jährigen Cyrill Baumgartner wenigstens die vierte Sturmreihe auffüllen zu können. Ebenso griff Thurgaus Trainer Stephan Mair situationsbedingt wieder einmal auf Stürmer Gianluca Zanzi und Verteidiger Joel Steinauer zurück, die sonst mit einer B-Lizenz in der MySports League zum Einsatz kommen. Das Wagnis sollte Folgen haben – durchaus positive.

Steinauer und Zanzi erzielen das Tor des Abends

Mit einem solchen Kader ist gegen den Tabellenersten aus dem Jura normalerweise nichts zu holen. Doch der HC Thurgau stand am Donnerstagabend gegen Ajoie schon zum zweiten Mal in dieser Saison als Sieger da. Man könnte schon fast von einem Lieblingsgegner sprechen. Thurgau holte sich in der bitteren Kälte des Juras auch unverhofft drei Punkte, weil Zanzi und Steinauer mit der schönsten Kombination des Abends die 2:1-Führung erzielten. Verteidiger Steinauer, der von Trainer Mair an diesem Abend nach harzigem Start irgendwann zum Angreifer umfunktioniert wurde, stürmte in der 26. Minute am linken Flügel wie eine Bandenfräse nach vorne, passte mit herrlicher Übersicht in die Mitte, wo Zanzi vollendete. Der Treffer fiel nur 91 Sekunden nach Ajoies Ausgleich zum 1:1.

Die Jurassier egalisierten die Partie nach Spielmitte zwar erneut und besassen gegen Drittelende mehrere Topchancen, um erstmals in Führung zu gehen. Zwei Hammerschüsse von Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen knallten aber nur an die Latte. In dieser Sturm-und-Drang-Phase der Ajoulots hatte Thurgau Glück, dass es im Spiel blieb. Nicht zuletzt dank Janick Schwendener, der im Tor einmal mehr herausragend spielte.

Nur wenige bekommen Devos/Hazen so in den Griff

Am Ende gaben drei Tatsachen den Ausschlag, dass der HCT nach vier Auswärtsniederlagen in Folge wieder einmal als Sieger heimreisen konnte. Die Mannschaft besann sich in Pruntrut voll auf ihre defensiven Qualitäten und sorgte mit ihrer vorbildlichen Systemtreue dafür, dass man ihr den Qualitätsverlust durch die zahlreichen Absenzen gar nicht anmerkte. Auch bewiesen die Ostschweizer einmal mehr, dass sie eines der wenigen Teams sind, die Ajoies Kanadier Devos und Hazen in den Griff bekommen. Man erinnere sich nur an den Playoff-Triumph im vergangenen Frühjahr.

Zu guter Letzt gebührte die Ehre auch Patrick Brändli, der das einzige Powerplay des HCT zum 3:2-Siegtreffer nutzte (48.). Die Vorarbeit von Connor Jones, der schon das 1:0 von Melvin Merola in der vierten Minute vorbereitet hatte, war ebenso genial. Brändli aber versenkte den HC Ajoie schon zum zweiten Mal. Er hatte bereits den Siegtreffer im entscheidenden Viertelfinalspiel im März erzielt.

Ajoie – Thurgau 2:3 (0:1, 2:1, 0:1)

Voyeboeuf, Pruntrut – 1484 Zuschauer – SR Mollard/Hendry, Pitton/Wermeille.
Tore: 4. Merola (Connor Jones) 0:1. 25. (24:23) Hazen (Devos) 1:1. 26. (25:54) Zanzi (Steinauer, Parati) 1:2. 35. Ryser (Pouilly, Frossard) 2:2. 48. Brändli (Connor Jones, Merola/Ausschluss Mäder) 2:3.
Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Ajoie, 3-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Ajoie: Wolf; Pouilly, Ryser; Hauert, Casserini; Dotti, Birbaum; Prysi, Macquat; Schmutz, Devos, Hazen; Muller, Frossard, Staiger; Joggi, Privet, Huber; Schmid, Mäder, Thibaudeau.
Thurgau: Schwendener; Parati, Seiler; Wildhaber, Scheidegger; Collenberg, Fechtig; Engeler, Steinauer; Merola, Connor Jones, Kellen Jones; Moser, Brändli, Janik Loosli; Niedermaier, Hollenstein, Frei; Bischofberger, Kellenberger, Zanzi.
Bemerkungen: Ajoie ohne Pilet (verletzt) und Arnold (überzählig). Thurgau ohne Altorfer, Michael Loosli, Rundqvist, Hobi (alle verletzt), Moosmann (Schule), Schmuckli, Dufner, Rehak (alle Rapperswil-Jona/NLA), Huber und Schnetzer (beide Farmteam), dafür erstmals mit dem früheren Pikes-Junior Cyrill Bischofberger (Chur/MSL). – 31. Lattenschuss Devos. 40. Lattenschuss Hazen. – 59:01 Time-out Ajoie, danach mit sechstem Feldspieler anstelle des Goalies.

Janick Schwendeners Fanghand rettet dem HC Thurgau die drei Punkte

Nach einem Blitzstart bezwingt der HC Thurgau die EVZ Academy mit Hängen und Würgen 2:1. Dank des siebten Heimsiegs in Folge halten die Ostschweizer in der Swiss League den Anschluss an die Tabellenspitze. Am Donnerstag steht bereits das nächste Spiel an - auswärts gegen Leader Ajoie.
Matthias Hafen