Thomas Bodenmann bringt Gerichte vergangener Zeiten auf die Teller

Seit über 20 Jahren wirtet Thomas Bodenmann im «Löwen» im Weinfelder Dorfzentrum. Er tischt seinen Gästen Gerichte auf, deren Exklusivität ihre Einfachheit ausmacht.

Sabrina Bächi
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Thomas Bodenmann wirtet seit 21 Jahren im Restaurant Löwen in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Thomas Bodenmann wirtet seit 21 Jahren im Restaurant Löwen in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Die Tür des Restaurant Löwen ist eine Pforte in längst vergangene Zeiten. Die Möbel und Wände sind urchig, dunkel und holzig. Die Lampen sehen aus wie zu Grossmutters Zeiten. An jedem freien Platz an der Wand hängt ein Bild, meist historische Karten. Auf einem Fenstersims stehen alte Bügeleisen. Auf den ersten Blick sieht dieses Restaurant nicht aus wie ein Gourmet-Tempel. «Das soll es auch gar nicht sein», sagt Thomas Bodenmann, Koch und Wirt im «Löwen».

Obwohl er sein Restaurant mit 14 Gault Millau Punkten führt, sieht er sich nicht als Gourmetkoch. Es muss nicht teuer oder oberexklusiv sein, findet Bodenmann. Er bietet seinen Gästen seit 21 Jahren denn auch Gutbürgerliches. «Gehoben gutbürgerlich, frisch und saisonal», bezeichnet er seinen Kochstil.

Von Diessenhofen über Zürich nach Weinfelden

Aufgewachsen ist der 53-Jährige in Diessenhofen. Nach zwei Schnupperlehren hat er sich für die Arbeit in der Küche entschieden. «Es ist ein hektischer Beruf, aber ich mag es, wenn viel läuft. Dann geht die Zeit schneller vorüber», sagt Bodenmann. Nach der Lehre im Gasthof Schupfen ging er ins Engadin, danach arbeitete er im «Witschi's» in Zürich. «Ich habe in verschiedene Betriebe reinschauen dürfen und immer etwas mitgenommen», sagt er. Das habe auch seinen eigenen Kochstil geformt.

«Ich arbeite kaum mit Rezepten. Fürs Kochen braucht es Feingefühl.»

Manchmal sei es auch ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. Thomas Bodenmann ist an den Herausforderungen gewachsen. «Ich habe dadurch meinen Horizont erweitert und das ist sehr wichtig für einen Koch.» Auch wenn er selbst eher gutbürgerlich kocht, er probiere alles. «Auch Insekten. Aber das ist nicht so meins», sagt er und lächelt.

Restaurant mit historischen Artefakten

Nachdem er mit 26 Jahren den «Roten Ochsen» in Frauenfeld übernahm, bot sich ihm vor 21 Jahren die Gelegenheit, den «Löwen» in Weinfelden zu übernehmen und damit ein Lokal, welches bereits mit historischen Artefakten gefüllt war. «Dies Art von Restaurant gefällt mir, weil es keinen Saal, aber drei Stuben hat. So bin ich flexibler.»

Ein Lieblingsgericht hat Bodenmann nicht. Aber Zutaten wie Trüffel gibt es bei ihm nicht. «Das haben ja alle.» Bodenmanns Spezialität ist nicht der Mainstream, sondern das Bewährte, wie etwa die Brotsuppe, oder Kutteln. Gerichte, die früher einst Mainstream waren, heute jedoch selten und aussergewöhnlich geworden sind. Bodenmann bringt das auf den Teller, was an vielen Orten verschwunden ist.

Wenn er frei hat, dann plage ihn die – wie er es nennt – Pfannenallergie. Dann kommt bei ihm ein Cervelat mit Senf, Brot und einem gekochten Ei auf den Tisch.