Teures Pferd stirbt nach Beinbruch: Besitzer fordert von der Tierklinik 800'000 Franken Schadenersatz vor dem Weinfelder Bezirksgericht

Bezirksgericht Weinfelden: Ein Pferdebesitzer fordert 800'000 Franken. Er wirft dem Tierarzt die Verletzung der Sorgfaltspflicht vor, worauf sein Pferd verunfallte und eingeschläfert werden musste.

Mario Testa
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Eine Verletzung am Vorderbein eines Springpferdes beschäftigt das Weinfelder Bezirksgericht.

Eine Verletzung am Vorderbein eines Springpferdes beschäftigt das Weinfelder Bezirksgericht.

(Symbolbild. Andrea Stalder)

Es begann mit einer Blessur des Pferdes und endete damit, dass es wenige Tage später eingeschläfert wurde. Wegen des Todes des Tiers musste sich am Dienstag eine Tierarztklinik vor dem Bezirksgericht Weinfelden verantworten. Der Besitzer des Pferdes verklagte die Klinik und fordert 800'000 Franken Schadenersatz.

Beide Parteien erscheinen nicht vor Gericht und lassen sich von ihren Anwälten vertreten. Die Klägerseite macht geltend, der behandelnde Tierarzt habe seine Sorgfaltspflicht verletzt. Er wurde vom Besitzer des Pferdes im Frühling 2018 auf seinen Hof gerufen, weil sich das Pferd am Vorderbein verletzt hatte. Der Klägeranwalt sagt:

«Es erlitt eine erhebliche Verletzung, welche durch einen Schlag eines anderen Pferdes verursacht wurde.»

Der Arzt versorgte die offene Wunde und ordnete ein paar Schontage für das Pferd an. Auf eine Röntgenaufnahme verzichtete er, weil ein allfälliger Haarriss noch nicht zu erkennen gewesen wäre und die leichte Hangbeinlahmheit des Tiers nicht auf einen Knochenriss hindeutete. Der Arzt ging von einer muskulären Verletzung aus.

Zustand des Pferdes besserte sich schnell

Nach zwei Wochen Schonzeit und einigen Telefonaten, bei denen der mit dem Pferd betreute Spitzenreiter dem Arzt von einer schnellen Besserung des Zustands des Tieres berichtete, durfte er das Ross wieder reiten. Während eines Trainings brach sich das Pferd das Vorderbein und musste daraufhin eingeschläfert werden.

Der Arzt habe bei der Versorgung des Pferdes zwei Wochen zuvor einen Haarriss nicht ausgeschlossen und es ohne Röntgenaufnahme oder Nachkontrolle zum Training freigegeben. Damit habe er seine Sorgfaltspflicht verletzt und so den Tod des wertvollen Tiers zu verantworten, argumentiert die Klägerseite.

«Das Pferd hatte beste Voraussetzungen und wäre zu Höchstleistungen fähig gewesen.»

Wert des Tieres ist schwer zu beziffern

Den angeblichen Marktwert des Tieres von 1,3 Millionen Franken stellte die Verteidigung am Prozess in Frage. So sei die neunjährige Stute kaum an Turnieren geritten und habe gerade mal einen zweiten Platz an einer tief dotierten Springkonkurrenz erreicht. Auch den Zusammenhang zwischen der Muskelverletzung und dem späteren Beinbruch des Pferdes bestreitet die Verteidigung.

«Es war eine Schnittwunde, aber nicht sehr eindrücklich. Zudem hat der Reiter berichtet, dass das Pferd schon am nächsten Tag nicht mehr lahmte.»

Im Nachhinein gesehen hätte eine Röntgenaufnahme vielleicht geholfen. «Aber das zählt hier nicht. Das ist ein sogenannter Rückschaufehler», sagt die Verteidigerin. Sie verlangt vollumfängliche Abweisung der Klage.

Langer statt teurer Prozess

Der vorsitzende Richter erkundigt sich bei beiden Parteien, weshalb keine Vergleichsgespräche geführt wurden und erläutert nachher das mögliche weitere Vorgehen. «Zuerst müssen wir entscheiden, ob die Klinik haftet für den Tod des Tieres. Und falls dies zutrifft, ginge es um die Höhe des Schadenersatzes.»

Er schlägt vor, zuerst Befragungen des Arztes, des Reiters und des Pferdebesitzers durchzuführen und so die Haftungsfrage zu klären. Allfällige Expertisen über den Wert sollen erst danach in Auftrag gegeben werden. «So gibt es zwar eine Verzögerung, dafür werden die Kosten tief gehalten.» Beide Anwälte zeigen sich mit diesem Vorgehen in den kommenden Monaten einverstanden.

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