Technologie

Die Kandelaber gehen bei den Weinfeldern bald automatisch an

Im westlichen Industriegebiet sollen künftig weitere sensorikgesteuerte Leuchten die Strassen erhellen.

Sabrina Bächi
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Thomas Bauer und Daniel Engeli bei den sensorikgesteuerten Leuchten beim RAZ.

Thomas Bauer und Daniel Engeli bei den sensorikgesteuerten Leuchten beim RAZ.

(Bild: Reto Martin)

Weinfelden ist ein Licht aufgegangen. Und zwar ganz automatisch. Dank eines Radars. Denn in der Schlechtenmühlestrasse beim Regionalem Annahmezentrum der KVA (RAZ) hat Weinfelden seit gut drei Jahren 13 sensorikgesteuerte Leuchten. Das Parlament hat im September 2020 den Kredit bewilligt, auch die Dufourstrasse, Abschnitt Verkehrssicherheitszentrum bis Brunnenwiesenstrasse, die angrenzend an die Schlechtenmühlestrasse ist, zu sanieren und mit den gleichen Leuchten zu bestücken.

Mitte Januar soll es losgehen mit den Tiefbauarbeiten und ganz zum Ende hin wird dann auch diese Strasse mit Leuchten ausgestattet, die auf Bewegung reagieren und in der Nacht anzünden, wenn sie gebraucht werden. «Die Gründe für den Entscheid, dort eine intelligente Beleuchtung einzusetzen, sind klar», sagt der zuständige Stadtrat Daniel Engeli. Es habe in der Nacht praktisch keinen Verkehr und das Abdunkeln bringe dann auch einen wirtschaftlichen Nutzen. Engeli sagt:

«Wir sparen so auch Strom und leisten einen Beitrag für weniger Lichtverschmutzung.»

Rund 50'000 Franken kostet die neue Beleuchtung mit sensorikgesteuerten Leuchten.

Die neuen Kandelaber kommen im April

Der Stadtrat überträgt den Technischen Betrieben Weinfelden AG (TBW) den Auftrag, die Leuchten entsprechend einzusetzen und zu betreiben. Zuständig für sämtliche 1800 Leuchten in Weinfelden ist Thomas Bauer. Er ist für die Stromversorgung in Weinfelden zuständig, darunter fällt auch die Strassenbeleuchtung. «Ich denke Mitte April oder im Mai werden wir die neuen Kandelaber aufstellen», sagt Bauer.

Mit den sensorikgesteuerten Leuchten an der Schlechtenmühlestrasse habe man in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen gemacht. «Die Leuchten haben einen Radar, der im Umkreis von etwa 10 bis 15 Metern Bewegungen registriert», erklärt er. Wenn nun ein Fussgänger auf dem Trottoir geht, registriert der Radar, ob es sich um Langsam- oder Schnellverkehr handelt und passt die Beleuchtung vorauseilend an. Bauer sagt:

«Bei einem Fussgänger leuchten drei Lampen weiter vorne auf, bei einem Auto sind es fünf, da es sich schneller fortbewegt.»

Katzen, Hunde oder Füchse machen nicht hell

Katzen, Hunde oder Füchse würde der Radar nicht registrieren, starker Regen allerdings schon. «Es kann sein, wenn es die ganze Nacht durchregnet oder schneit, dass die Beleuchtung dann nicht ausgeht.» Über alles gesehen sei es dennoch sinnvoll, eine intelligente Beleuchtung in diesem verkehrsarmen Industriegebiet einzusetzen.

In den Wohnquartieren bleibt die Beleuchtung

Weniger geeignet dafür sei jedoch das Wohnquartier. «Das Problem ist, dass die Kandelaber gut 30 bis 40 Meter auseinanderstehen. Wenn man aus dem Haus tritt, kann es sein, dass man in völliger Dunkelheit steht», sagt Bauer. Das Sicherheitsempfinden in den Wohnquartieren sei jedoch wichtig, darum sei er kein Fan von sensorikgesteuerten Leuchten in Wohnquartieren. Stadtrat Daniel Engeli schliesst es jedoch nicht aus, dass in Zukunft auch dort intelligente Leuchten stehen, die durch ihre Weiterentwicklung unsere Bedenken entkräften.

Und auch Thomas Bauer weiss: Das Licht unterliegt einem grossen Wandel. Die Ansprüche und Möglichkeiten ändern sich stetig. So hätten sie früher von kaputten Lampen nur aufgrund von Kontrollgängen oder von Meldungen aus der Bevölkerung erfahren. Bauer sagt:

«Intelligente Leuchten melden sich selbst, wenn sie kaputt sind.»

Und auch gegen die Lichtverschmutzung sind die modernen LED-Lampen, die man heute standardmässig einsetzt, nützlich. Sie beleuchten viel präziser, erklärt Thomas Bauer. «Die früheren Lampen waren auch sehr energieeffizient, aber sie beleuchteten auch vieles ausserhalb der Strasse – Vorgärten beispielsweise oder Felder und Wiesen neben der Fahrbahn.» Mit der LED-Technik könne das verhindert werden.

Für die Fauna

Bisher wurden in Weinfelden LED-Leuchten mit einer Farbtemperatur von 4000 Kelvin eingesetzt. Das heisst mit einem Licht mit viel Blaulichtanteil, dass eher weiss leuchtet. «Man hat herausgefunden, dass Licht mit hohem Blauanteil sehr viele Insekten anzieht, die dann so lange um das Licht fliegen, bis sie ermüden und sterben», sagt Thomas Bauer von den TBW. Um das zu verhindern, wird die Stadt künftig alle neuen Lampen nur noch mit Leuchten ausstatten, die eine Farbtemperatur von 3000 Kelvin haben und deren Licht entsprechend weniger Blauanteil enthält. Um bei 3000 Kelvin die gleiche Helligkeit wie bei 4000 Kelvin zu erhalten, benötigt es etwa fünf bis zehn Prozent mehr Energie, sagt Bauer. Mit blossem Auge könne man den Unterschied zwischen 4000 oder 3000 Kelvin jedoch kaum erkennen, sagt Bauer. (sba)