Tausend Unterschriften und acht Einsprachen gegen den Abbruch der Arboner «Wunderbar»

Das Engagement von Arbonern und Auswärtigen gegen den Abbruch der «Wunderbar» ist riesig. Die örtliche SP und der Thurgauer Heimatschutz haben rechtliche Schritte eingeleitet.

Tanja von Arx
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Die «Wunderbar» soll einer Lagerfläche für Baumaterialien weichen.

Die «Wunderbar» soll einer Lagerfläche für Baumaterialien weichen.

Reto Martin

Der Widerstand gegen den Abbruch des Hotels und Restaurants Wunderbar am Arboner Quai wächst. Wie Recherchen zeigen, sind im Rahmen der Petition von Einwohnern und ehemaligen Politikern während einer Woche knapp tausend Unterschriften zusammengekommen. Initiantin und Alt-Vizegemeindeammann Veronika Merz spricht im Hinblick auf die Unterschriftenbogen in der «Wunderbar» selbst und im Altstadt-Lädeli Seelig von etwa 200 Stück, auf der Online-Plattform openPetition sind ausserdem beinahe 700 einsehbar.

Acht Einsprachen eingegangen

Am Mittwoch ist des Weiteren die Einsprachefrist betreffend dem Abbruchgesuch abgelaufen. Miranda Dauti von der städtischen Bauverwaltung sagt auf Anfrage: «Es sind acht Einsprachen eingegangen.» Abteilungsleiter Remo Tambini verweist ergänzend darauf, dass das Datum des Poststempels gelte.

«Bis Anfang nächste Woche können somit weitere Einsprachen eintreffen.»

Aus rechtlichen Gründen kann die Bauverwaltung keine inhaltliche Auskunft geben. Die Einsprache mit dem wohl eingängigsten Wortlaut stammt indes von der SP Arbon. Die Ortspartei fordert, dass die «Wunderbar» respektive die ehemalige Saurer-Kantine nachträglich unter Schutz gestellt wird. «Wir sind eng mit der Geschichte von Arbeiter- und Industriebauten verbunden», heisst es in einem Communiqué. Konkret fordert die SP, dass die kulturhistorische Relevanz des Hauses «neu beurteilt» wird.

«Ein Abriss darf frühstens nach Vorliegen der Neubeurteilung geschehen – dies im gesetzten Fall, dass jene keine Schutzwürdigkeit feststellt.»

Die heutige «Wunderbar» ist nicht Teil des geltenden Schutzplans von 2014. Die SP hatte bei der Erarbeitung einen entsprechenden Antrag gestellt, unterlag jedoch im Parlament der bürgerlichen Mehrheit; das Volk hiess die Vorlage gut. SP/Grüne-Fraktionspräsident Lukas Graf sagt allerdings auf Anfrage: «Der Kanton hat den Schutzplänen nicht gleich zugestimmt.» Sondern erst knapp vier Jahre später.

«Das ist nicht sauber gelaufen.»
Lukas Graf, SP Arbon.

Lukas Graf, SP Arbon.

PD

Stadtrat kann eingreifen – unter Auflagen

Doch ist es überhaupt möglich, nachträglich einen Schutzplan abzuändern? Stadtpräsident Dominik Diezi verweist auf Nachfrage an den städtischen Rechtsdienst. Rechtskonsulentin Elisabeth Schegg sagt: «Den Schutzplan selber kann man nicht einfach so ändern.» Damit eine gewisse Rechtsbeständigkeit gewahrt bleibe, würden Nutzungspläne wie der Schutzplan erst überprüft und angepasst, wenn sich die Verhältnisse erheblich geändert hätten.

«Allerdings ist es möglich, für bestimmte Objekte eine Einzelverfügung zu erlassen, namentlich durch den Stadtrat – jedoch ebenfalls nur, wenn diesbezüglich mit der Zeit die Gegebenheiten grundlegend andere sind.»

Schliesslich haben Recherchen ergeben, dass der Thurgauer Heimatschutz von seinem Verbandsrecht Gebrauch macht. «Wir haben ebenfalls eine Einsprache eingereicht», sagt Geschäftsführer Gianni Christen auf Anfrage. Wie die SP Arbon verlangt der Heimatschutz eine Neubeurteilung, und zwar von Seiten der kantonalen Denkmalpflege. «In den letzten Jahren hat sich die Sichtweise auf Industriebauten der Firma Saurer grundlegend geändert, vor allem im Zuge der Neubauten beim Saurer WerkZwei.» So sei nicht mehr denkbar, dass etwa das Hamel-Gebäude nicht unter Schutz stünde. Das Gleiche gelte für das Jumbo-Gebäude, das indessen als das schönste in der Schweiz gelte.

«Auch die Saurer-Kantine ist von einer solch schlichten, funktionalen Schönheit.»
Gianni Christen, Geschäftsführer Thurgauer Heimatschutz.

Gianni Christen, Geschäftsführer Thurgauer Heimatschutz.

PD

Christen verweist auf die charakteristische Architektur des Zürcher Büros Dubois & Eschenmoser, aus dessen Feder auch die Entwürfe für die heutige «Wunderbar» stammen.

Ehemalige Saurer-Kantine

Das Saurer Werk 1 mit der «Wunderbar» gehört der ZIK Immo AG. 2021 will die Firma das Informatikgebäude sanieren, die «Wunderbar» daneben soll Ende Jahr abgebrochen werden und der Lagerung von Baumaterialien sowie -maschinen dienen sowie als Parkfläche. Zwischen «Wunderbar» und ZIK besteht ein Mietvertrag, der Ende Jahr ausläuft. Im Saurer Museum ist ein neues Restaurant angedacht. Beim «Wunderbar»-Gebäude handelt es sich um einen Holz-Systembau von 1945. Saurer nutzte ihn einst als Kantine für über 300 Mitarbeiter. (tva)

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