Tags Kursschiff, nachts Eventschiff: Die Generalüberholung der MS St.Gallen in Romanshorn nimmt Fahrt auf

Die «MS St.Gallen» wird in Romanshorn für rund 4,5 Millionen Franken komplett erneuert. Es sind bereits über 70 Tonnen Material aus dem Schiff entfernt worden.

Miguel Lo Bartolo
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So sieht es dereinst im Inneren aus.

So sieht es dereinst im Inneren aus.

PD

Neue Böden, Decken, Fenster und ein neues Kommunikationssystem – die «MS St. Gallen» wird komplett erneuert. Allein für Letzteres nimmt die Schweizerische Bodensee-Schiffahrtsgesellschaft (SBS) über Hunderttausend Franken in die Hand. Insgesamt sollen die Sanierungsarbeiten rund 4,5 Millionen kosten (unsere Zeitung berichtete).

Achtzig VIPs am Rundgang

Vorgestern Abend haben rund achtzig VIPs an einem Rundgang teilgenommen, unter Ihnen Vorstandsmitglieder, Politiker und Aktionäre. Ein Cateringteam schenkte fleissig Punsch aus. Oberkapitän Erich Hefti begleitet Gruppe drei von vier. Erste Station: das Werfttor. Ungefähr zwei Stunden soll es dauern, das Schiff ins Wasser zu geleiten. «15 Leute sind nötig», sagt Hefti. Vor Öffnung des Werfttors müsse der Innenraum geflutet werden.

«In alten Zeiten wäre diese Arbeit im Winter undenkbar gewesen.»
Oberkapitän Erich Hefti.

Oberkapitän Erich Hefti.

Reto Martin

Der Boden wäre bei einer solchen Übung zugefroren, die Mitarbeiter hätten bei den Bedingungen nicht arbeiten können. «Heute geniesst man den Luxus einer gesteuerten Klimatisierung.» Auch in Sachen Umweltfreundlichkeit habe man sich verbessert. «Vor vierzig Jahren wurde das Abwasser aus Küche oder Toiletten ohne Bedenken in den See entlassen.» Heute werde es ordnungsgemäss entsorgt. «Selbst die Motoren müssen gewissen Anforderungen genügen», sagt Hefti.

Anschliessend erläuterte Dominik Wattinger, Kapitän und Bauleiter, den Stand der Sanierungen. «Schon über siebzig Tonnen Material sind aus dem Schiff entfernt worden.» Dazu gehören Böden, Decken und Mobiliar im Hauptdeck. Der grösste Teil des Gewichts wurde allerdings im Unterdeck entfernt. Die neuen Motoren wiegen nämlich nur einen Bruchteil des alten, was für eine ungünstige Gewichtsverteilung sorgt.

«Im unteren Bereich braucht das Schiff deutlich mehr Gewicht»,

sagt Wattinger. Das hänge mit dem Metazentrum des Schiffs zusammen, das für die Stabilität der Schwimmlage wichtig ist. Deshalb müsse man im Unterdeck zusätzlichen Ballast mitführen. Gleichzeitig dürfen am Haupt- und Oberdeck nur Veränderungen vorgenommen werden, welche die Gewichtsverteilung nicht negativ beeinflussen. «Wir müssen beispielsweise die einfachverglasten Fenster beibehalten.»

Eine Hürde für die Architektin

Auch für Architektin Susanne Fritz stellt dies eine Hürde dar. «Aber keine unüberwindbare», wie sie sagt. Sie hat sich für einen klassischen Schiffsboden aus Holz entschieden. Gummifugen verhindern das Eindringen von Wasser. Die Innenverkleidung besteht aus Eichenholzstäben, dazwischen Filz. «Die Materialien, die wir verwenden, müssen schwer brennbar sein», sagt Fritz.

Damit sich das Frachtschiff leicht in ein Eventschiff verwandeln lässt, muss das Mobiliar leicht und stapelbar sein. «Natürlich muss es auch optisch etwas hermachen», sagt Fritz. Aber auch diese Herausforderung konnte gemeistert werden. Die Bauarbeiten verlaufen gemäss Zeitplan, sagt Hefti. Eine Aufsichtsbehörde würde die Fortschritte regelmässig begutachten. «Auch dadurch ist ein reibungsloser weiterer Verlauf der Sanierung gesichert», so der Oberkapitän.

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