Tägerwilen plant eine neue Mehrzweckhalle

An der Gemeindeversammlung in Tägerwilen bewilligen die Stimmberechtigten under anderem zwei Kreditbegehren für die Sanierung eines Teilbereichs der Hauptstrasse.

Rahel Haag
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Die Hauptstrasse von oben: Auf einem 350 Meter langen Abschnitt entsteht ein überfahrbarer Mehrzweckstreifen.

Die Hauptstrasse von oben: Auf einem 350 Meter langen Abschnitt entsteht ein überfahrbarer Mehrzweckstreifen.

Bild: Donato Caspari

«Ich bin überzeugt, dass wir heute ein Stück Tägerwiler Geschichte schreiben werden», sagt Gemeindepräsident Markus Thalmann zu Beginn der Gemeindeversammlung am Montagabend. Gemeint hat er damit den Posten 0299 im Budget 2020. Dahinter verbirgt sich das Projekt Mehrzweckhalle. 30'000 Franken will der Gemeinderat hierfür in ein Vorprojekt investieren.

Markus Thalmann, Gemeindepräsident.

Markus Thalmann, Gemeindepräsident.

Reto Martin

2005 wurde die Dreifachturnhalle in Tägerwilen eröffnet. «Bereits damals konnten nicht alle Wünsche der Vereine erfüllt werden», sagt Thalmann. Dass die Nachfrage grösser ist als das Angebot, habe sich nicht geändert. Bereits vor gut drei Jahren habe er sich deshalb mit Vereinsvertretern zusammengesetzt und sie einen Fragebogen ausfüllen lassen.

«Wenn wir die Mehrzweckhalle ab morgen nutzen könnten, wäre sie durch die einheimischen Vereine voll belegt.»

Realistisch gesehen, kann eine neue Mehrzweckhalle aber erst in acht bis zehn Jahren eröffnet werden. «Deshalb ist der Gemeinderat überzeugt, dass es höchste Zeit für den Startschuss ist», sagt Thalmann.

In der Diskussion äussern dann zwei Votanten Bedenken, ob der Bedarf einer neuen Mehrzweckhalle in der Gemeinde wirklich gegeben sei. Zweiterer spricht vom «Planungsfieber», das die Gemeinde erfasst habe.

Die Abstimmung ist dann aber klar: Das Budget 2020 wird mit nur einer Gegenstimme gutgeheissen. Es rechnet bei einem Aufwand von rund 2,7 Millionen Franken und einem Ertrag von knapp 2,3 Millionen Franken mit einem Defizit von gut 430'000 Franken. Den Antrag, den Steuerfuss um zwei Prozentpunkte auf 33 Prozent zu senken, genehmigen die 119 Anwesenden einstimmig.

Auch der Kredit über 1,15 Millionen Franken für die Sanierung der Werkleitungen der Hauptstrasse im Teilbereich Castellstrasse bis Hertlerkreisel wird einstimmig gutgeheissen.

Mehrzweckstreifen soll Trennwirkung reduzieren

Anschliessend stellt Thalmann die gemeinsamen Pläne der Gemeinde und des Kantons Thurgau für die Sanierung und Aufwertung der Hauptstrasse im Teilbereich Lindenstrasse bis Hertlerkreisel vor. Die Kosten für die Gemeinde belaufen sich auf 975'000 Franken. Unter anderem soll im Ortszentrum die Trennwirkung reduziert werden. Dies soll mit einem zwei Meter breiten Mehrzweckstreifen in der Mitte der Fahrbahn erreicht werden. Dieser wird sich über 350 Meter erstrecken und überfahrbar sein. Auf diese Weise können ihn Autofahrer unter anderem nutzen, um Velofahrer zu überholen oder einzuspuren.

Dass in Zukunft der Velostreifen wegfallen soll, stösst auf Gegenwehr. «Bisher habe ich mich sicher gefühlt», sagt ein Votant und Velofahrer. Nun habe er Angst, künftig von den Automobilisten zu nah überholt zu werden. Diese Bedenken versucht Benedikt Eberle, stellvertretender Kantonsingenieur zu zerstreuen. Untersuchungen zeigten, dass dank des Mittelstreifens die Fahrbahn schmaler erscheine. Er sagt:

«Dadurch reduzieren die Autofahrer einerseits ihr Tempo und überholen andererseits respektvoller.»

Darüber hinaus betont Thalmann, dass das Projekt noch nicht in Stein gemeisselt sei. «Es wird noch eine öffentliche Auflage geben», sagt er. Dann habe jeder die Möglichkeit, eine Einsprache zu machen. Den Kreditantrag heissen die anwesenden Stimmberechtigten in der Folge mit lediglich vier Gegenstimmen gut.