Interview
Tägerwiler Kita-Chefin: «Ich will trotz der Grösse die Nähe zur Basis behalten»

Sandra Himmelberger hat vor 15 Jahren ihre erste Kinderkrippe eröffnet. Heute hat sie in der Region Kreuzlingen vier Standorte und ist selber Mami.

Martina Eggenberger Lenz
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Geschäftsführerin und Gründerin Sandra Himmelberger in der Calimero-Kita in Tägerwilen.

Geschäftsführerin und Gründerin Sandra Himmelberger in der Calimero-Kita in Tägerwilen.

(Bild: Andrea Stalder)

Frau Himmelberger, Sie haben als 24-Jährige in Triboltingen Ihre erste Kita eröffnet. Welche Erinnerungen haben Sie an die Anfänge?

Sandra Himmelberger: Es war eine tolle Zeit. Rückblickend bin ich all jenen Eltern, die mir damals ihre Kinder anvertraut und somit den Start ermöglicht haben, sehr dankbar. Das alte verwinkelte Haus meiner Grossmutter hatte seinen ganz eigenen Charme. Heute gibt es natürlich ganz andere Auflagen als früher und es hat eine starke Professionalisierung stattgefunden.

Hat sich das Bild, das die Gesellschaft von Kitas hat, in der Zwischenzeit verändert?

Auf jeden Fall. Als ich eröffnete, gab es schon noch viele Skeptiker. Ich musste mir oft anhören, dass Kitas Kindern nicht guttun würden. Diese negativen Stimmen nehme ich heute kaum mehr wahr.

Sie leiten heute ein KMU mit 65 Mitarbeitern und 14 Lernenden, haben vier Standorte und kümmern sich um 360 Kinder. Ihr Job hat wahrscheinlich nicht mehr viel zu tun mit jenem bei der ersten Calimero-Kita, oder?

Ja, ich arbeite nicht mehr am Kind, höchstens wenn es mal einen Notfall gibt. Primär bin ich jetzt für die Personalplanung, die Elternarbeit und anderes Administratives zuständig. Ich kümmere mich um Auflagen und Projekte und pflege eine intensive Zusammenarbeit mit den vier Hausleitungen. Auch wenn mein Büro dezentral ist, gehe ich für Sitzungen bewusst in die Kitas. Es ist mir wichtig, eine Nähe zum Geschehen zu behalten. Wenn man eine Krippe betritt, spürt man sofort viel.

War es denn je Ihr Ziel, mit Ihrer Kinderkrippe so gross zu werden, wie Sie es heute sind?

Ich habe das nicht so geplant, nein. Ich bin für jede Erweiterung immer irgendwie angefragt worden. Für mich hat sich gezeigt: Das ist der richtige Weg. Ich möchte auch nicht zu gross werden. Gerade kürzlich wurde ich wieder wegen der Übernahme einer Kita angefragt. Da war mir dann aber die Distanz zu gross. Ich brauche eine gewisse Nähe und einen Bezug zum Standort.

Hat sich, wenn Sie an Ihre ersten betreuten Kinder zurückdenken, bei der Zusammensetzung der Gruppen etwas verändert?

Die soziale Durchmischung war bei uns von Anfang an gut. Einige bringen ihre Kinder, weil sie arbeiten gehen müssen. Andere sind Kunden, weil sie den Krippenbesuch mit den sozialen Kontakten unter den Kindern für die Entwicklung als förderlich sehen oder für sich selbst Energie tanken wollen. Was ich feststelle, ist, dass es heute mehr Kinder gibt, die ohne jegliche Deutschkenntnisse zu uns kommen. Das ist für uns natürlich eine Herausforderung. Diese Kinder müssen enger begleitet werden. Es zeigt sich jedoch, dass sie sehr rasch lernen, sobald sie in eine Gemeinschaft integriert werden können.

Wie ist es Ihnen gelungen, die Kitas auch mit wirtschaftlichem Erfolg zu betreiben?

Am Anfang konnten wir uns natürlich nicht so viel leisten und es gab viele ehrenamtliche Arbeitsstunden. Unsere Auslastung war aber recht schnell in einem guten Bereich. Heute ist unsere Lohnstruktur solide, es ist mir wichtig, dass es den Mitarbeitern gut geht, zum Beispiel auch dass gemeinsame Ausflüge drin liegen. Es gibt immer wieder Eltern und Firmen, die uns zur Seite stehen. Unsere vier Kitas sind praktisch voll, jene in Bottighofen und im Ziil haben noch vereinzelte freie Plätze.

Sie haben selber zwei Kinder. Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?

Nun, meine zwei Kinder waren früher ebenfalls Calimero-Kids. Jetzt im Schulalter helfen wir uns in der Verwandtschaft mit Zmittagessen aus. Mein Mann und ich schauen, dass an den freien Nachmittagen immer ein Elternteil zu Hause sein kann. Das ist natürlich ein Luxus, dass wir das so machen können. Mein Mann arbeitet mittlerweile ja auch für Calimero, im administrativen Bereich.

Was ist denn Ihre Motivation, so viel zu arbeiten?

Ich brauche meine Arbeit! Ich bin eine Macherin, bei mir muss immer etwas laufen. Das Schaffen bedeutet für mich auch eine Auszeit vom Mami-sein.

Nach dieser enormen Entwicklung, die Sie in den letzten Jahren mit Ihrem Unternehmen gemacht haben: Welche Vision haben Sie noch für die Zukunft?

Mein Leben ist so, wie es ist, erfüllt. Ich möchte bei meinen Kitas die Qualität halten – oder punktuell sogar steigern. Und ja: Ich werde auch in Zukunft ab und zu ein Projekt brauchen. Sonst wird es mir langweilig.

Erinnern Sie sich noch an die allerersten Kinder, die Sie in Ihrer Triboltinger Kita betreut haben?

Ja, ich weiss sogar noch jeden Namen und die Symbolbilder, die ich den Kindern damals zugeordnet habe. Die bleiben einem. Weil es am Anfang wenige waren, konnten wir sie ganz intensiv betreuen. Mittlerweile hatte ich schon eine Praktikantin und sogar eine Lehrtochter, die früher von mir betreut wurden. Das macht natürlich Freude.

Und wie feiern Sie nun Ihr 15-Jahr-Jubiläum?

Wir organisieren Anfang März für alle Calimero-Kinder ein Kinderkonzert in der Bürgerhalle. Ausserdem ist ein Fest für die Mitarbeiter geplant. Unser Erfolg ist nur möglich, weil sie ihren Job mit so viel Herzblut machen. Nicht minder dankbar bin ich aber natürlich allen Eltern, die uns ihr Vertrauen entgegenbringen.