Tägerwilen
«Mehr Vereine und mehr Hochstammobstbäume als 1995»: Amtsübergabe des Marathon-Gemeindepräsideneten an der Bundesfeier

Markus Thalmann feierte seinen Abschied vom Tägerwiler Gemeindepräsidium. Sein Nachfolger Markus Ellenbroek hielt die Festrede zum ersten August.

Judith Schuck
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Der neue Gemeindepräsident Markus Ellenbroek stösst mit Vorgänger Markus Thalmann an.

Der neue Gemeindepräsident Markus Ellenbroek stösst mit Vorgänger Markus Thalmann an.

Bild: Reto Martin


Statt am 1. August kamen die Tägerwiler dieses Jahr bereits am Abend des 31. Juli zur Bundesfeier zusammen. Grund für das vorgeschobene Fest war der offizielle Amtsaustritt des Marathon-Gemeindepräsidenten Markus Thalmann, dessen Verabschiedung mit der Geburtstagsfeier der Schweiz zusammengelegt wurde. Bei noch warmem Sommerwetter füllten Dorfbewohner und Wegbegleiter die Bänke im Festzelt bei der Sekundarschule.

«Vor 26 Jahren wäre ich wohl noch auf die Bühne gejuckt.»

Der 63-Jährige ist froh, dass heute eine Treppe an die Bühne gebaut ist, auf der er seinen Rückblick auf die 26 Jahre andauernde Amtszeit gab. Zollhof, barrierefreie Hauptstrasse, Ausbau der Mittelthurgaubahn, die neue Sportanlage im Tägermoos seien wichtige Meilensteine unter seiner Regierung gewesen. Auch der Anschluss der Abwasserreinigung an Konstanz und der Ausbau des Radwegs vom Gottlieber Zoll durchs Tägermoos zählt er zu den Höhepunkten.

«Heute gibt es auf jeden Fall mehr Vereine und mehr Hochstammobstbäume, mehr Kultur und eine grössere Produktion erneuerbarer Energien in Tägerwilen, als noch 1995, dem Jahr meines Amtsantritts.»

Langer Applaus für beliebten Präsidenten

Dass seine Mitarbeiter in der Verwaltung eine durchschnittliche Verweildauer von zehn Jahren in ihren Ämtern aufwiesen, deutete der scheidende Gemeindepräsident als Zeichen der Zufriedenheit. Für seine letzten offiziellen Worte erhielt Markus Thalmann langanhaltende Ovationen.

Regierungsrätin Carmen Haag

Regierungsrätin Carmen Haag

Bild: Reto Martin

Als Vertreterin des Kantons sprach Regierungsrätin Carmen Haag: «Du hast es lange ausgehalten!» An ihre Zusammenarbeit erinnert sie sich gern. Thalmann habe stets verbindend statt spaltend geschafft und mit Cleverness nach Lösungen gesucht.

«Nach 26 Jahren gehen viele Erfahrungen verloren, aber ich bin sicher, dein Nachfolger wird’s toll machen.»

Mit E-Bike und Natel ausgerüstet in die Pension

Stellvertretend für die Bevölkerung packte René Züst seine Rede in Reimform: «Jeder kennt den Mann mit Charme und Temperament. Er war unser Präsident, ausgestattet mit Talent.» Bei den Bürgerversammlungen habe das extreme Stimmvolumen Thalmanns dafür gesorgt, dass es niemals Verständigungsprobleme gegeben habe.

Grosszügig sei ihr Gemeindeoberhaupt gewesen. Mit seiner Grosszügigkeit habe er inmitten Corona die Bundesfeier 2020 durchgewinkt und auch das Festival «Oben Toben», was allerdings nicht bei allen gut ankam. Viele hätten ihn gern in anderen Positionen gesehen, in Ämtern bis nach Bern, «doch du warst schlau: Wenn ich geh’ ins Niemandsland, gebe ich den Thron aus der Hand».

Seine Kollegen erfüllten ihm den Wunsch eines E-Bikes für den neuen Lebensabschnitt. Ein Natel hatte sich der bis vor kurzem Handylose ja bereits selbst gekauft. Passend zum Geschenk zeigte die Cycling Formation aus Sirnach, vier mehrfach preisgekrönte Kunstradfahrerinnen, ihr Können auf der Bühne. Und die Turnerinnen und Turner des TSV Tägerwilen nahmen in einer humorvollen Performance ebenfalls Abschied vom Vereinsförderer Thalmann.

Ellenbroeks Rede zum Amtsantritt

Die Festrede hielt sein Nachfolger Markus Ellenbroek. Der 57-Jährige wies darauf hin, dass am Zusammenhalt des Gebildes Schweiz immer wieder gearbeitet werden müsse. Statt Nationalstolz sollten wir Dankbarkeit zeigen, in einem funktionierenden, sicheren Land zu leben.

«In Dankbarkeit steckt Demut und damit die Verantwortung und Verpflichtung, die Werte der Schweiz zu erhalten und zu teilen.»

Mit Blick auf die Streitigkeiten in der jüngsten Vergangenheit der Gemeinde, betonte Ellenbroek, wie wichtig es sei, zum Konsens beizutragen.

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