Tägerwilen
«In zehn Jahren ist das Kirchgemeindehaus wichtiger, als zwei Kirchen zu haben»: Die evangelische Kirchgemeinde organisiert vor der Abstimmung ein Podium

Am 26. September entscheiden die Stimmberechtigten über das neue Kirchgemeindehaus der Evangelischen Kirchgemeinde Tägerwilen und eine damit einhergehende Steuererhöhung um vier Prozentpunkte. Das Siegerprojekt «Trinitas» kostet 4,6 Millionen Franken.

Judith Schuck
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Die Visualisierung zeigt, wie das evangelische Kirchgemeindehaus dereinst aussehen soll.

Die Visualisierung zeigt, wie das evangelische Kirchgemeindehaus dereinst aussehen soll.

Bild: PD

Unter den Podiumsgästen selbst herrscht durchweg Einigkeit darüber, dass Tägerwilen ein neues Gemeindehaus für die evangelische Kirche brauche. KW8, wie das Gebäude am Kirchweg 8 genannt wird, sei heute schon zu klein und für viele Veranstaltungen ungeeignet. Zudem ist der Altbau nicht barrierefrei, ein Zustand, der heutzutage gar nicht mehr tragbar wäre, findet Rahel Bitzer. Die junge Frau ist in Tägerwilen aufgewachsen und kennt die Gemeinde von Kindesbeinen an.

«Ob mit Kinderwagen oder Rollstuhl, jeder muss Zugang zur Gemeinde haben.»
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Donato Caspari

Als Einstieg zur Veranstaltung stellen Pfarrer Philipp Widler und Diakon Steff Keller ihre Visionen zum Neubau vor: Nach Feiern könnte dort in gemütlichem Rahmen ein Apéro stattfinden. Nach einem Gottesdienst ein gemeinsames Mittagsessen für Jung und Alt. Dank der Konstruktion wäre es möglich, dass Familien Veranstaltungen besuchten und im Blickkontakt zu den Kindern stünden, die im Obergeschoss ihren Bereich hätten.

Diakon Steff Keller und Pfarrer Philipp Widler stellen ihre Visionen zum geplanten Neubau vor.

Diakon Steff Keller und Pfarrer Philipp Widler stellen ihre Visionen zum geplanten Neubau vor.

Bild: Judith Schuck

Jugendliche werden den Raum nutzen

Da der Pavillon auf der Gemeindewiese, in dem die Jugendarbeit momentan beheimatet ist, irgendwann abgebrochen wird, brauchen die Kinder und Jugendlichen einen neuen Ort. Steff Keller glaubt, dass sie nicht nur den für sie vorgesehenen Keller im Neubau nutzen werden, sondern das ganze Gebäude:

«Bei den Jungscharen kommen pro Samstag gut 50 Leute zusammen. Bei den Kinderferientagen sind es über 100.»

Moderator Daniel Frischknecht stellt die Frage, wie die Diskussionsteilnehmenden die Gemeinde in zehn Jahren sehen, wenn das Haus realisiert werde. «Ist es förderlich für die Gemeinde oder bringt es ihr den finanziellen Tod?» Urs Brauchli, der seit 69 Jahren in Gottlieben lebt und ebenso lange Teil der Kirchgemeinde ist, antwortet:

«Ich denke, in zehn Jahren ist das Kirchgemeindehaus wichtiger, als zwei Kirchen zu haben.»

Was die Menschen bewege, finde nicht auf den Kirchenbänken statt, sondern dort, wo sie zusammenkommen.

Kirchenvorsteherschaft will Transparenz bei den Finanzen

Obwohl Kirchenpräsidentin Andrea Freund gleich zu Beginn nochmals alle Finanzen offenlegte, gibt es beim Thema Geld am meisten Kritik. Ob wirklich alle anderen Varianten geprüft seien, wie andere Gebäude umgenutzt oder erweitert werden könnten, wollte ein Zuhörer wissen. Das Projekt «Trinitas» vom Tägerwiler Architekturbüro Felber und Partner hatte die Ausschreibung 2019 gewonnen.

Eine weitere Visualisierung des Projekts «Trinitas» zeigt die Ausgestaltung im Innenbereich.

Eine weitere Visualisierung des Projekts «Trinitas» zeigt die Ausgestaltung im Innenbereich.

Bild: PD

«Wir haben im Vorfeld viele Abklärungen gemacht», sagt Pfarrer Widler. Ein Anbau wäre vom Denkmalschutz nicht genehmigt worden und die Bürgerhalle sei für viele Veranstaltungen ungeeignet. Das Haus soll letztlich nicht nur der Gemeinde, sondern dem ganzen Dorf zur Verfügung stehen. Vereine sollen sich beispielsweise einmieten können, eine Option, die Finanzierung mitzutragen.

Was die vier Prozent Steuerfusserhöhung betrifft, äussert sich Kirchenpflegerin Nadine Beneduce, die für die Finanzen verantwortlich ist:

«Es ist mir wichtig, offen zu kommunizieren, dass wenn das Haus gebaut wird, kommen wir um diese Erhöhung nicht umhin.»

Andrea Freund klärt ausserdem auf, dass die veranschlagten Kosten auf Schätzungen des Architekturbüros beruhten, die eher «konservativ» seien. «Wahrscheinlich werden es am Ende weniger als 4,6 Millionen sein.»

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