Tägerwilen
Drei Parteilose in den Startlöchern: Eine Frau und zwei Männer kandidieren für den freien Gemeinderatssitz

Eine volle Tribüne mit interessiertem Publikum gab es bei der Podiumsdiskussion zur Gemeinderatskandidatur in Tägerwilen.

Judith Schuck
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Thomas Ammann, Rebecca Fässler und Cyrill Werner kandidieren für den freien Sitz im Tägerwiler Gemeinderat.

Thomas Ammann, Rebecca Fässler und Cyrill Werner kandidieren für den freien Sitz im Tägerwiler Gemeinderat.

Bild: Andrea Stalder

Lokalpolitik live auf dem Fussballplatz, versprach Walter Münterer, der Präsident des Einwohnerforums Tägerwilen. Der neutrale Verein besteht seit Ende Februar diesen Jahres und hat sich nach vielen unschönen Zwistigkeiten in der Gemeinde auf die Fahne geschrieben, «konstruktiv, kommunikativ und kooperativ» zu wirken.

Um den Bürgerinnen und Bürgern trotz Corona ein persönliches Kennenlernen der Gemeinderatskandidaten zu ermöglichen, lud er auf den Tägerwiler Fussballplatz, wo die drei Kandidierenden bei einem Podium Red und Antwort standen.

Nachdem Thomas Gerwig seinen Posten im Finanzressort des Gemeinderats aufgibt, gilt es in erster Linie, diese Stelle neu zu besetzen. Die Gesprächsrunde leitete Bürgerpräsident Bernhard Lussi, der bei den Kandidaten die Bereitschaft für das Amt prüfte.

Offene Kommunikation liegt ihr am Herzen

Die 26-jährige Rebecca Fässler ist die Jüngste in der Runde. Sie ist in Tägerwilen aufgewachsen und heute dort liiert. Die Primarschullehrerin setzte ihrer pädagogischen Ausbildung ein Studium als Umweltingenieurin drauf. Sie möchte sich bei einer Wahl für ein «lebendiges, nachhaltiges Tägerwilen» engagieren. Sie sagt:

«Gleichstellung und eine offene Kommunikation liegen mir am Herzen.»
Rebecca Fässler, Gemeinderatskandidatin.

Rebecca Fässler, Gemeinderatskandidatin.

Bild: Andrea Stalder

Mit 30 Jahren gilt Cyrill Werner ebenfalls noch als junger Gemeinderatskandidat. Er stammt aus Wäldi und lebt sei vier Jahren in seiner Wahlheimat Tägerwilen. Als Controller bei der Mowag bringt er solide Kenntnisse im Umgang mit Zahlen mit. Nach seinen Lehren als Motorgerät- und Automechaniker absolvierte er gerade frisch ein Bachelorstudium als Wirtschaftsingenieur. Er sei bürgerlich und liberal geprägt. Er sagt:

«Ich möchte mich für Offenheit, Fairness sowie regionale Verbundenheit stark machen.»
Cyrill Werner, Gemeinderatskandidat.

Cyrill Werner, Gemeinderatskandidat.

Bild: Andrea Stalder

Als Heimspiel bezeichnete der 52-jährige Thomas Ammann seinen Auftritt auf dem Rasen des FC Tägerwilen. «Ich habe hier unten viel erlebt», liess er das Publikum wissen. Dafür benötigte er auch weitaus mehr Redezeit als seine beiden Mitstreiter, die sich an die vorgegebene Zeitlimite hielten.

Seit 30 Jahren lebt er in der Gemeinde. Nach seiner Ausbildung als Mechaniker bei der Mowag gelangte er über Etappen als Verkaufsleiter bei einer Firma in Winterthur zurück ins Dorf. Seit 2002 ist er Betriebsleiter der Firma Zecchinel. Er sei ebenfalls einen verantwortungsvollen Umgang mit Zahlen gewohnt. Seine Motivation für das Amt:

«Ich schätze das Leben in Tägerwilen und möchte etwas retour geben.»
Thomas Ammann, Gemeinderatskandidat.

Thomas Ammann, Gemeinderatskandidat.

Bild: Andrea Stalder

Gemeinsam ist den Dreien, dass sie keiner Partei angehören. Während Ammann versichert, unabhängig zu bleiben, könnte sich Werner zu einem späteren Zeitpunkt eine Parteimitgliedschaft vorstellen. Bei nationalen Frage sieht er sich der FDP, bei regionalen der SVP nahe. Fässler findet ihre Schwerpunkte bei EVP und Grünen wieder, denkt aber momentan nicht über einen Beitritt nach.

Dringlichkeit in Sachen Klimaschutz

Eine Zuhörerin fragte, wie die drei Kandidierenden jeweils zum CO2-Gesetzt stünden. Werner und Fässler bewiesen hier eine klare Haltung. Im Hinblick auf die Dringlichkeit in Sachen Klimaschutz würden beide mit Ja stimmen. Ammann machte dazu keine Aussage, er habe sich mit dieser nationalen Frage bisher noch nicht genug befasst. Einig waren sich alle darüber, dass einem «gehässigen Ton», wie es ihn in letzter Zeit in der Gemeinde immer wieder gab, entgegenzuwirken sei.

Die Bürger stünden vor der «Wahl der Qual», schliesslich brächten alle Drei einen gut gepackten Rucksack für das Amt mit, schloss Lussi die Vorstellungsrunde. In stiller Wahl wurde die 34-jährige Sonja Schlauer bereits als Präsidentin der Rechnungsprüfungskomission gewählt. Sie übernimmt das Amt von Markus Ellenbroek, der im November zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt worden ist.