Swiss League
Thurgaus Kämpferherz schlägt weiter: Der HCT verdient sich mit Overtime-Sieg Spiel sechs im Playoff-Halbfinal

Ein heroischer HC Thurgau gewinnt in Kloten 3:2 nach Verlängerung und bekommt dabei Hilfe von unerwarteter Seite. Am Ursprung des Erfolgs, mit dem der HCT die Best-of-seven-Serie auf 2:3 verkürzt, steht aber die nimmermüde Aufopferung der sichtlich ausgelaugten Spieler. Spiel sechs findet am Donnerstag um 19.45 Uhr in Weinfelden statt.

Matthias Hafen aus Kloten
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Die Spieler des HC Thurgau jubeln nach dem entscheidenden Treffer von Dominic Hobi in der 75. Minute. Die Saison geht weiter für sie.

Die Spieler des HC Thurgau jubeln nach dem entscheidenden Treffer von Dominic Hobi in der 75. Minute. Die Saison geht weiter für sie.

Bild: Mario Gaccioli

Die Leuen leben noch! In der 15. Minute der Verlängerung lenkte Dominic Hobi einen Schlagschuss von Jonathan Ang zum 3:2 ins Netz. Der HC Thurgau gewann damit das fünfte Halbfinalspiel gegen den EHC Kloten am Dienstagabend und zögert so sein Saisonende weiter hinaus. Am Donnerstag um 19.45 Uhr kommt es zum sechsten Duell zwischen dem Aufstiegsfavoriten aus der Flughafenstadt und dem HCT, dann wieder in der Weinfelder Güttingersreuti.

Zum Zeitpunkt des entscheidenden Treffers spielten die Thurgauer in Überzahl. Dies, nachdem Klotens Steve Kellenberger in der 74. Minute HCT-Goalie Luis Janett unabsichtlich rückwärts über den Haufen gefahren hatte und wegen Goaliebehinderung auf die Strafbank geschickt worden war. Es war eine dieser dringend nötigen Momente, die den sichtlich ausgelaugten Ostschweizern in die Karten spielten.

Der Puck liegt zum 3:2 im Netz: Während die Thurgauer ihren Sieg bejubeln, ziehen die Klotener enttäuscht Richtung Spielerbank.

Der Puck liegt zum 3:2 im Netz: Während die Thurgauer ihren Sieg bejubeln, ziehen die Klotener enttäuscht Richtung Spielerbank.

Bild: Mario Gaccioli

Die Hilfe kommt von Kloten-Goalie Zurkirchen

Denn in diesem fünften Halbfinalspiel vor 5624 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Stimo-Arena waren die Thurgauer stehend k.o. Die Abläufe auf dem Eis waren zwar noch erkennbar, doch entweder machten die Beine nicht mehr mit oder der Kopf. Jedenfalls waren die Pässe ungenau oder die Puckkontrolle ungenügend. Das führte oft zu Leerläufen der ansonsten schon ausgebrannten HCT-Spieler. Was aber wie noch zu Beginn des Playoffs top war: Der Kampfeswille. Auch mit dem Ausscheiden vor Augen liessen die Thurgauer nichts unversucht, gaben keinen Zentimeter Eis kampflos her. Selbst dann nicht, als nach Robin Figrens 1:0 in der 15. Minute nicht mehr viel für den Aussenseiter sprach. Die Klotener, die einmal mehr acht Spieler überzählig draussen lassen konnten, waren frischer, oft einen Tick schneller am Puck. Allerdings hatten auch sie Spieler wie Dario Meyer, die nicht mehr sehr frisch wirkten.

Was die Thurgauer an diesem Abend brauchten, war die Hilfe von oben, von unten, von irgendwo. Und sie kam. Sandro Zurkirchen sei Dank. Klotens Goalie liess in der 28. Minute einen Schuss von Patrick Spannring am weiten Pfosten unverhofft passieren. Spannring wollte den Puck eigentlich nur Richtung Gehäuse bringen. Ein Torschuss mit Intention war dies bestimmt nicht. Aus heiterem Himmel hiess es so 1:1 und der HC Thurgau konnte wieder in die Rolle schlüpfen, die ihm gegen Kloten am meisten behagt: Der mühsame Spielverderber, der nie aufgibt.

Thurgaus Jan Petrig setzt sich gegen Klotens Jeffrey Füglister durch, der sich in der 26. Minute einen heftigen Boxkampf ohne Handschuhe mit HCT-Verteidiger Misha Moor lieferte.

Thurgaus Jan Petrig setzt sich gegen Klotens Jeffrey Füglister durch, der sich in der 26. Minute einen heftigen Boxkampf ohne Handschuhe mit HCT-Verteidiger Misha Moor lieferte.

Bild: Mario Gaccioli

Thurgaus 2:1-Führung hält nur 46 Sekunden

Und Zurkirchen half noch ein zweites Mal. Fünf Minuten vor Schluss prallte ein Schuss von Ian Derungs von der Bande völlig unerwartet in die Richtung von Jonathan Ang, während Klotens Goalie auf der anderen Seite des Tores auf den Puck wartete. Ang reagierte blitzschnell und zirkelte die Scheibe am verdutzten Zurkirchen vorbei zum 2:1 ins Netz. 273 Sekunden fehlten dem HCT jetzt noch für das Spiel sechs.

Doch 46 Sekunden später hatte Kloten durch Marc Marchon wieder ausgeglichen. Der Favorit schaltete einen Gang höher, spielte die Thurgauer mit einem Doppelpass aus und schon war es passiert. Man fragte sich, weshalb Kloten solche Aktionen nicht öfter aufs Eis bringt. Denn in der Verlängerung drückten primär die Thurgauer auf den Sieg. Und sie wurden für ihren nimmermüden Einsatz schliesslich belohnt.

Kloten – Thurgau 2:3 n. V. (1:0, 0:1, 1:1)

Stimo-Arena – 5624 Zuschauer – SR Marc Wiegand/Ströbel, Duc/Urfer.
Tore: 15. Figren (Marchon) 1:0. 28. Spannring 1:1. 56. (55:27) Ang (Derungs) 1:2. 57. (56:13) Marchon (Faille, Ganz) 2:2. 75. Hobi (Ang/Ausschluss Kellenberger) 2:3.
Strafen: 7-mal 2 Minuten plus 5 Minuten (Füglister) plus Spieldauer (Füglister) gegen Kloten, 3-mal 2 Minuten plus 5 Minuten (Moor) plus Spieldauer (Moor) gegen Thurgau.
Kloten: Zurkirchen; Kindschi, Ganz; Seiler, Nodari; Stämpfli, Gähler; Randegger, Reinbacher; Marchon, Faille, Figren; Altorfer, Meyer, Spiller; Füglister, Kellenberger, Michael Loosli; Melnalksnis, Ness, Obrist.
Thurgau: Luis Janett; Rundqvist, Kühni; Moor, Parati; Törmänen, Forrer; Senn; Derungs, Pelletier, Ang; Petrig, Hobi, Spannring; Baumann, Hollenstein, Woger; Ramsauer, Jolliet, Binias; Salamin.
Bemerkungen: Kloten ohne Rouiller, Steiner, Simek, Schreiber (alle verletzt), Dostoinov, Hinterkircher, Knellwolf, Bartholet, Lindemann, Gian Janett, Ramel und Claireaux (alle überzählig). Thurgau ohne Schmutz, Lehmann, Palmberg/SWE, Soracreppa, Fechtig, Fritsche, Janik Loosli (alle verletzt), Meier und Azevedo (beide überzählig).

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