Swiss League
Shorthander führt ins Verderben: Der HC Thurgau verliert den Playoff-Auftakt in Langenthal 0:2

Thurgau hält im ersten Spiel der Viertelfinalserie gegen den Tabellendritten Langenthal über weite Strecken mit. Doch ein grosses Manko konnte der Qualifikationssechste auf das Playoff hin nicht ausmerzen. Immerhin winkt dem HCT schon am Freitag um 19.45 Uhr in Weinfelden die Chance auf den Ausgleich in der Best-of-7-Serie.

Matthias Hafen aus Langenthal
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Thurgaus Albtraum: Vincenzo Küng kehrt von der Strafbank zurück und erzielt das 2:0 für Langenthal, das immer noch in Unterzahl spielte.

Thurgaus Albtraum: Vincenzo Küng kehrt von der Strafbank zurück und erzielt das 2:0 für Langenthal, das immer noch in Unterzahl spielte.

Leroy Ryser

Langenthal gegen Thurgau, das war zum Beginn der Best-of-7-Serie keine normale Regatta. Das war America’s Cup 2021 – mit scheinbar fliegenden Booten die einiges schneller sind als die herkömmlichen. So ähnlich erhöhten die Viertelfinal-Kontrahenten die Intensität auf dem Eis, das Tempo in den Angriffen und die Härte in den Aktionen.

Langenthal gegen Thurgau am Mittwoch im Schoren war Playoff-Eishockey, wie man es sich wünschte. Kein Vergleich zur Qualifikation. Und dennoch erlebte der HC Thurgau bei der 0:2-Niederlage ein Déjà-vu. Wie so oft hielten die Ostschweizer auswärts gegen die Oberaargauer optisch gut mit, schafften es jedoch nicht, Langenthals Goalie genügend unter Druck zu setzen. Trotz 32 Schüssen der Gäste (Langenthal verzeichnete nur 25) verbrachte Pascal Caminada im Tor des SCL einen geruhsamen Abend, weil er die Pucks oft schon von weitem kommen sah.

91 Sekunden lang sucht Thurgau in doppelter Überzahl den Ausgleich

Nicht neu ist auch, dass Thurgau mitten in seinen grössten Bemühungen in den Hammer läuft. So in der 37. Minute, in der Vincenzo Küng von der Strafbank kommend in Unterzahl (!) auf 2:0 erhöhte. 91 Sekunden lang hatte der HCT zuvor in doppelter Überzahl den 1:1-Ausgleich gesucht. Ohne Erfolg. Und die einfache Überzahl endete schliesslich im Desaster.

Seinen grossen Schwachpunkt konnte der Tabellensechste aufs Playoff hin nicht ausmerzen. Thurgaus Powerplay hat fast komplett seine Wirkung verloren. Zu lange wird der Puck hin und her geschoben, zu oft wird aus Positionen abgedrückt, die kaum Gefahr bedeuten für den Gegner. Auch wird vor dem gegnerischen Tor wenig Verkehr generiert, der die Abwehrarbeit erschwert. Die beiden Ausländer Jonathan Ang und T.J. Brennan haben ihre offensive Feuerkraft im Playoff ebenfalls noch nicht gefunden. Das Duo war im Auftaktspiel sehr fleissig, aber oft glücklos. Ein Sololauf wie von Ang in der 44. Minute muss mit einem Tor gekrönt werden. Doch Thurgaus Kanadier scheiterte grandios am unüberwindbaren Caminada.

Von Anfang an das Glück selber in die Hand genommen

Thurgaus Auftaktniederlage ist besonders bedauerlich, weil der Aussenseiter ab der ersten Minute Vollgas gab und sein Glück selber in die Hand nahm. In der fünften Minute rettete Goalie Nicola Aeberhard mit einem Reisenreflex gegen Langenthals Captain Stefan Tschannen. Auch «Aebi» wäre bereit gewesen für einen grossen Abend. Doch mit der ersten richtigen Unterzahlsituation geriet der HCT kurz später 0:1 in Rückstand (Fabio Kläy/6.).

Am Ende fehlte Thurgau auch die Frische, um die Partie noch zu drehen. Die bange Frage ist nun, wie viel Luft nach oben beim HCT noch vorhanden ist. Denn was das Läuferische anbelangt, das Physische und auch den Willen haben die Gäste im ersten Playoff-Spiel alles gegeben. Dennoch liegen sie in der Best-of-7-Serie nun 0:1 hinten. Noch ist nichts verloren. Und am Freitag um 19.45 Uhr haben die Thurgauer Heimvorteil. Ihr Boot befindet sich am Kap der Guten Hoffnung.

Langenthal – Thurgau 2:0 (1:0, 1:0, 0:0)

Schoren – Keine Zuschauer – SR Massy/Hürlimann, Gurtner/Bachelut.
Tore: 6. Kläy (Himelfarb, Christen/Ausschluss Scheidegger) 1:0. 37. Küng (Ausschluss Müller!) 2:0.
Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Langenthal, 3-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Spannring) gegen Thurgau.
Langenthal: Caminada; Müller, Christen; Guggenheim, Maret; Büsser, Pienitz; Törmänen; Tschannen, Kummer, Küng; Kämpf, Torquato, Elo; Gerber, Himelfarb, Rüegsegger; Schläpfer, Kläy, Dähler; Nyffeler.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Parati, Wildhaber; Scheidegger, Molina; Schmutz; Hobi, Ang, Janik Loosli; Rehak, Rundqvist, Mosimann; Wetli, Brändli, Bischofberger; Hinterkircher, Hollenstein, Spannring; Fritsche.
Bemerkungen: Langenthal ohne Chanton, Weber, Wyss (alle verletzt), Derungs, Dobryskin, Wigger (alle überzählig) und Bircher (Langnau/NLA). Thurgau ohne Fechtig (überzählig), Hulak, Moor, Moser, Schmuckli (alle verletzt), Baumann, Kellenberger, Lanz, Schnyder (alle überzählig), Ness und Michael Loosli (beide Rapperswil-Jona/NLA). – Gesamter Verwaltungsrat des HC Thurgau als Zuschauer im Stadion. – 58:42 Timeout Thurgau, danach mit sechstem Feldspieler anstelle des Goalies.