Swiss League
Playoff total verrückt: Der HC Thurgau gibt das fünfte Spiel gegen Langenthal aus der Hand und holt es in der dritten Overtime wieder zurück

Auf ein Neues am Sonntag! Der HC Thurgau gewinnt auswärts gegen Langenthal dank eines Treffers von Jonathan Ang in der 101. Minute 3:2. Damit verkürzen die Aussenseiter aus der Ostschweiz die Best-of-7-Serie auf 2:3 und erzwingen ein sechstes Spiel am Sonntag um 17.30 Uhr in der Weinfelder Güttingersreuti.

Matthias Hafen aus Langenthal
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Mit Händen und Füssen wehren sich die Thurgauer gegen Langenthals Powerspiel. Der längere Atem des Aussenseiters zahlt sich immer mehr aus.

Mit Händen und Füssen wehren sich die Thurgauer gegen Langenthals Powerspiel. Der längere Atem des Aussenseiters zahlt sich immer mehr aus.

Leroy Ryser

Vom Himmel in die Hölle und wieder zurück: So fühlte sich der HC Thurgau am Donnerstagabend in Langenthal. Zwei Minuten und 25 Sekunden vor Ende des dritten Drittels lenkte Thurgaus Adam Rundqvist einen Schuss von Jan Mosimann zum 2:1 ins gegnerische Tor. Wieder einmal erarbeitete sich der HCT in diesem Playoff-Viertelfinal mit viel Geduld und grossem Einsatz eine formidable Ausgangslage. Als wenige Sekunden später noch Langenthals Captain Yves Müller wegen eines Beinstellens auf die Strafbank wanderte und der HC Thurgau Powerplay spielen konnte, mussten die Gäste in Überzahl nur noch die restlichen Sekunden runterspielen. Einfacher hätten sie nicht mehr zu einem sechsten Spiel am Sonntag in Weinfelden kommen können.

Doch die Thurgauer entschieden sich für die komplizierte Variante. Jonathan Ang spielte im Powerplay zunächst einen katastrophalen Querpass zu Langenthals Dario Kummer, der einen Konter auslöste. Und als Thurgau die Chance bekam, sich nochmals aus der Umklammerung von Kummer und Co. zu lösen, verlor Ang auch noch in der eigenen Zone die Scheibe. Diesmal nutzte Kummer das Malheur zum 2:2-Ausgleich.

Ang wird in der Overtime vom Buhmann zum Helden

Mit einem Shorthander in den Schlusssekunden hatte der HC Thurgau im letzten Qualifikationsspiel schon Platz fünf und eine bessere Ausgangslage im Playoff verspielt. So gesehen, war das Spiel am Donnerstag in Langenthal die logische Fortsetzung dieser Pleiten-, Pech- und Pannenserie. Doch diesmal mit einem glücklichen Ende.

In der Verlängerung entschieden die Thurgauer die fünfte Partie zu ihren Gunsten. In der 101. Minute, 26 Sekunden nach Beginn der dritten Overtime, traf Ang zum 3:2-Siegtreffer. Ausgerechnet Ang, der dem HCT eine Stunde zuvor beinahe den Sieg gekostet hätte. Der kanadische Stürmer verwertete eine geniale Vorlage von T.J. Brennan und Patrick Brändli. Das 3:2 war auch der Lohn für Thurgaus Mut, während der gesamten Partie mit allen vier Linien durchzuspielen. Denn je länger die Overtime dauerte, desto überlegener waren die Ostschweizer in den Beinen. Dabei hatte der HC Thurgau die Partie vermeintlich schon in der 86. Minute entschieden. Der Torjubel nach Brändlis Treffer wurde jedoch mit dem Videostudium der Schiedsrichter zum Verstummen gebracht. Nach dem aberkannten Treffer wegen Goaliebehinderung war es gar nicht so einfach, aus dem verfrühten Siegestaumel wieder ins Spiel zu kommen.

Penalty-Killing ein entscheidender Faktor

«Irgendwann ergibst du dich dem Schicksal, sonst drehst du nur noch durch», sagte Thurgaus Trainer Stephan Mair, der auf der Spielerbank alle Emotionen des Sports an einem Abend durchlebte. Den Schlüssel zum Sieg sah er im Unterzahlspiel seiner Mannschaft, das alleine in der Verlängerung zwei heikle Phasen schadlos überstand.

Die Aufstellung des Südtirolers für diese Partie war etwas zwischen wilder Entschlossenheit und letzter Verzweiflung. Im Angriff mischte Thurgaus Headcoach seine Kräfte nochmals wild durcheinander, liess im Vergleich zum Dienstag nur das Duo Adam Rundqvist/Jan Mosimann zusammen. Dafür verzichtete der Südtiroler diesmal auf Stürmer Frantisek Rehak, der dem HCT im zweiten und im vierten Spiel dieser Best-of-7-Serie mit leichtsinnigen Fehlern den Sieg gekostet hatte.

Zwei Tage hat der HC Thurgau nun Pause, bevor es am Sonntag um 17.30 Uhr in Weinfelden mit Spiel sechs weitergeht. Der Aussenseiter in dieser Playoff-Serie ist definitiv zurück.

Langenthal – Thurgau 2:3 n. V. (1:0, 0:0, 1:2, 0:0, 0:0, 0:1)

Schoren – Keine Zuschauer – SR Massy/Hürlimann, Huguet/Wermeille.
Tore: 10. Küng (Kummer, Maret) 1:0. 41. (40:31) Spannring 1:1. 58. Rundqvist (Mosimann) 1:2. 60. (59:01) Kummer (Elo/Ausschluss Müller!) 2:2. 101. (100:26) Ang (Brennan, Brändli) 2:3.
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Langenthal, 5-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Langenthal: Caminada; Müller, Christen; Guggenheim, Maret; Büsser, Pienitz; Higgins; Kläy, Kummer, Küng; Kämpf, Torquato, Elo; Gerber, Himelfarb, Dähler; Nyffeler, Schläpfer, Derungs; Wigger.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Parati, Wildhaber; Scheidegger, Molina; Fechtig; Spannring, Brändli, Ang; Hinterkircher, Rundqvist, Mosimann; Bischofberger, Hobi, Janik Loosli; Wetli, Fritsche, Hollenstein; Baumann.
Bemerkungen: Langenthal ohne Tschannen, Rüegsegger, Chanton (alle verletzt), Weber (rekonvaleszent), Dobryskin (überzählig), Törmänen (Biel/NLA) und Bircher (Langnau/NLA). Thurgau ohne Hulak, Moor, Moser, Schmuckli (alle verletzt), Rehak, Schmutz, Kellenberger, Lanz, Schnyder (alle überzählig), Ness und Michael Loosli (beide Rapperswil-Jona/NLA). – 2. Schuss von Kummer ans Gehäuse. – Langenthal von 58:53 bis 59:01 ohne Goalie. – 59:42 Timeout Thurgau. – 75:35 Timeout Langenthal. – 86. Tor von Brändli aberkannt (Goaliebehinderung).