Swiss League
Ohne Herz und ohne Leidenschaft: HC Thurgau lässt gegen Ticino Rockets ein 1:4 über sich ergehen

Thurgaus Offensive ist bei der 1:4-Auswärtsniederlage gegen das Farmteam aus dem Tessin an Harmlosigkeit kaum zu übertreffen. Doch Rettung naht. Angeblich haben die Ostschweizer bereits einen weiteren, ausländischen Stürmer engagiert.

Matthias Hafen aus Biasca
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Unter Druck: Thurgaus Goalie Nicola Aeberhard stand immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens.

Unter Druck: Thurgaus Goalie Nicola Aeberhard stand immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens.

Mario Gaccioli (Zug, 16. Januar 2021)

Manch ein Thurgauer hätte sich an diesem Mittwoch gewünscht, dass der HCT im Schnee steckengeblieben wäre und das Auswärtsspiel gegen die Ticino Rockets nicht hätte antreten müssen. Doch die Mannschaft des Trainerduos Mair/Winkler schaffte es sicher ins Tessin und musste sich dem Farmteam stellen, das in vier seiner fünf letzten Spiele gepunktet hatte. Gegen den HC Thurgau resultierten nach einem verdienten 4:1-Sieg gar wieder einmal drei Punkte. Und das, obwohl die Rockets – wie schon seit Saisonbeginn – ohne Ausländer spielten.

Sportchef der Ticino Rockets lancierte seine Karriere im Thurgau

(mat)  Genau 20 Jahre ist es her, seit Rockets-Sportchef Sébastien Reuille für den HC Thurgau gespielt hat. Der damals 19-jährige Junioreninternationale wurde nach einer Verletzung vom NLA-Klub Kloten für zwei Spiele in die NLB ausgeliehen – zwei Spiele, die Reuille in bester Erinnerung sind. «Im ersten Spiel in Lausanne habe ich gleich zwei Treffer erzielt», sagt der Mann, der im Raum Lausanne aufgewachsen ist und heute für die sportliche Entwicklung der Ticino Rockets verantwortlich zeichnet. Nach zwei HCT-Spielen stand Reuille mit vier Skorerpunkten da. «Als ich dann zu Kloten zurückkehrte, erzielte ich im ersten Spiel gegen Rapperswil-Jona ebenfalls zwei Tore. Es war die Phase in meiner Karriere, in der ich richtig durchgestartet bin», sagt der heute 39-jährige Romand. Schon die Saison darauf wurde er eine Teamstütze bei Rapperswil. Später wechselte er zu Lugano, wo er 2005/06 Meister wurde. Insgesamt bestritt Reuille in 21 NLA-Jahren 1035 Ligaspiele.

Der HCT machte in Biasca einen uninspirierten Eindruck, trat ohne Herz und Leidenschaft auf. Als nach 103 Sekunden das 0:1 fiel, schien dem Team in Gelb die Lust ganz vergangen zu sein. Doch wie soll man denn auch Lust am Eishockey bekommen, wenn im Spiel gegen vorne einfach nichts klappen will. Gegen Ticino liessen die Gäste nicht nur zahlreiche Powerplay-Chancen aus. Sie waren auch bei numerischem Gleichstand selten eine grosse Gefahr für Rockets-Goalie Viktor Östlund. Dass Thurgau am Ende mit mehr Schüssen aufs Tor dastand als das Heimteam, hatte nur statistischen Wert.

Brändli bringt die Hoffnung zurück

Das ungenaue Spiel der Thurgauer, ihre individuellen Fehler und ihre offensichtliche Powerplay-Schwäche nutzten die Tessiner zu einem soliden Heimerfolg. Rockets-Topskorer Petr Cajka schraubte im Mitteldrittel das Skore auf 3:0 hoch (29./32.). Nur als Patrick Brändli zu Beginn des Schlussdrittels in Überahl auf 1:3 verkürzte, keimte kurz Hoffnung auf bei den Gästen. Die war aber mit dem 4:1 durch Loic Vedova in der 56. Minute, ebenfalls im Powerplay, wieder erstickt.

Wie es aktuell um den HC Thurgau steht, verdeutlicht das: Frantisek Rehak kam in Biasca nach vier Partien zurück in die Aufstellung – und trug noch immer das Topskorer-Shirt des HCT. Während Rehaks Zeit beim NLA-Klub Rapperswil-Jona schaffte es kein Teamkollege, dem jungen Tschechen mit Schweizer Lizenz den Flammenhelm abzunehmen. Und nicht nur das. Rehaks bislang letzter Skorerpunkt liegt schon zwei Monate zurück. Am 29. November erzielte er beim 3:1-Sieg in Winterthur zwei Assists.

HC Thurgau verpflichtet weiteren Kanadier

Die Misere in der Offensive zeigt, wie sehr der HC Thurgau auf einen zweiten Ausländer – einen Skorer – angewiesen ist. Und dieser, ein Kanadier, ist mittlerweile auch gefunden. Derzeit sitzt er in Nordamerika noch eine Coronaquarantäne aus. Dafür muss er dann in der Schweiz keine mehr antreten und dürfte in rund zehn Tagen zu seinem Debüt im HCT-Dress kommen. Es ist eine dringend benötigte Verstärkung in einer Phase der Meisterschaft, in der die Thurgauer drauf und dran sind, ihre gute Ausgangslage fürs Playoff zu verspielen.

In Biasca verlor der HCT nicht nur das Spiel. Auch Verteidiger Atanasio Molina kehrte im zweiten Drittel nicht mehr ins Spiel zurück. Angeblich hat er sich den Finger gebrochen.

Ticino Rockets – Thurgau 4:1 (1:0, 2:0, 1:1)

Raiffeisen-Arena – Keine Zuschauer – SR Gianinazzi/Unterfinger, Bichsel/Haag.
Tore: 2. Deluca 1:0. 29. Cajka (Deluca) 2:0. 32. Cajka (Matewa) 3:0. 43. Brändli (Rundqvist/Ausschluss Canova) 3:1. 56. Vedova (Del Ponte, Romanenghi/Ausschluss Brändli) 4:1.
Strafen: 7-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Canova) gegen die Ticino Rockets, 4-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Ticino Rockets: Östlund; Fontana, Del Ponte; Hänggi, Buchli; Pinana, Matewa; Franzoni; Bionda, Romanenghi, Vedova; Canova, Cajka, Lauper; Ritzmann, Neuenschwander, Deluca; Misani, Dufey, Kasslatter; Schwab.
Thurgau: Aeberhard; Fechtig, Scheidegger; Brennan, Soracreppa; Schmuckli, Molina; Wildhaber; Hollenstein, Hobi, Mosimann; Hinterkircher, Rundqvist, Wetli; Rehak, Brändli, Janik Loosli; Bischofberger, Fritsche, Lanz; Baumann.
Bemerkungen: Ticino Rockets ohne Lutz (verletzt), Anex (krank). Thurgau ohne Michael Loosli, Hulak, Moor, Moser, Parati, Schmutz, Spannring, (alle verletzt), Kellenberger, Schnyder (beide überzählig). – Molina fällt im ersten Drittel verletzt aus (Fingerbruch). – 33. Pfostenschuss Fontana.

Nächstes Spiel. Samstag, 17.30 Uhr: Thurgau – La Chaux-de-Fonds.