Swiss League
Nur die Faustschläge sitzen noch: Der HC Thurgau kommt nicht aus dem Tief heraus

Daheim gegen den HC La Chaux-de-Fonds verliert der HCT 1:3 und kassiert damit die vierte Niederlage in Serie. Nordamerika-Profi Brandon Hagel verabschiedet sich als Torschütze und einer Prügelei im NHL-Stil in Richtung Heimat.

Matthias Hafen
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Thurgaus Topskorer Brandon Hagel bringt Frédéric Iglesias NHL-Manieren bei. Für die Schlägerei kassierten beide Spieler je vier Minuten Strafe.

Thurgaus Topskorer Brandon Hagel bringt Frédéric Iglesias NHL-Manieren bei. Für die Schlägerei kassierten beide Spieler je vier Minuten Strafe.

Bild: Mario Gaccioli

Die Matchuhr im Eishockey tickt leise. Trotzdem bringt sie der HC Thurgau derzeit nicht aus dem Kopf. Im Heimspiel vom Donnerstagabend gegen den HC La Chaux-de-Fonds hämmerte jede Sekunde eine weitere Kerbe in die sonst schon angeschlagene Psyche der Thurgauer. Drei ganze Spiele blieben sie zuletzt ohne Treffer. Insgesamt 215 Minuten warteten sie schon auf einen Torerfolg.

Bei 255 Minuten hatte das Zählen ein Ende. NHL-Talent Brandon Hagel traf bei seinem letzten Einsatz für den HCT 23 Sekunden nach Beginn des Schlussdrittels. Doch da lag der HCT gegen La Chaux-de-Fonds schon 0:2 hinten. Am Ende resultierte eine 1:3-Niederlage, Thurgaus vierte in Folge. In der Tabelle der Swiss League wird der einstige Leader mittlerweile durchgereicht.

Das Tief bohrt sich immer weiter in die Köpfe

Im Angriff passt derzeit sehr wenig zusammen. Wohl sind Torchancen vorhanden, doch oft stehen sich die Thurgauer vor dem gegnerischen Gehäuse selber im Weg. Und wenn einmal der Wurm drin ist, dann frisst er sich durch das ganze Team. Auch die Abwehr war an diesem Abend nicht sattelfest. Beim 0:1 durch Dominik Volejnicek nach nur 102 Sekunden spielte der HCT bereits ein erstes Mal in Unterzahl. Und Gegentreffer wie das 0:2 durch Kyen Sopa 32 Sekunden vor Ende des Startdrittels wären mit der bestmöglichen Aufstellung wohl verhindert worden.

Schöne Geste: Die zehn noch zulässigen Eintrittstickets verteilte der HC Thurgau fürs Spiel gegen La CHaux-de-Fonds an die Fans, die während der gesamten Partie Stimmung machten, wie sie zu Coronazeiten lange nicht mehr zu hören war.

Schöne Geste: Die zehn noch zulässigen Eintrittstickets verteilte der HC Thurgau fürs Spiel gegen La CHaux-de-Fonds an die Fans, die während der gesamten Partie Stimmung machten, wie sie zu Coronazeiten lange nicht mehr zu hören war.

Mario Gaccioli

Vieles ist mit den acht verletzten Abwesenden zu erklären, doch Thurgaus Tief hat längst auch eine psychologische Komponente. Die Mannschaft von Trainer Stephan Mair braucht nebst mehreren Rückkehren aus dem Lazarett dringend ein Glücksmoment aus dem Nichts – oder zumindest eine längere Verschnaufpause. Man hätte gegen La Chaux-de-Fonds im ersten Drittel einiges lamentieren können. Zum Beispiel, dass der kanadische Stürmer Derek Hulak erneut als Verteidiger begann. Doch das änderte Trainer Mair im zweiten Drittel und nahm Hulak in den Sturm. Ein Torerfolg war dem HCT trotzdem nicht beschieden. Auch die Härte fehlte in Thurgaus Spiel lange. Etwas, womit man Coffman und Co. aus dem Konzept bringen kann. Doch als der HCT endlich begann, konsequent auf den Mann zu spielen, machten ihm die Schiedsrichter Fabrice Fausel und Alessandro Gianinazzi einen Strich durch die Rechnung, die offensichtlich ein Spiel ohne Körperkontakt wünschten.

Hagel bietet ein letztes Mal Spektakel

Atanasio Molina wurde für einen Check gegen den Kopf unter die Dusche geschickt. Später kassierte Hulak zwei plus zehn Minuten für einen Check von hinten. Nordamerika-Profi Hagel verabschiedete sich gar mit einer Prügeleinlage aus dem Thurgau. Im letzten Spiel vor seiner Rückreise deckte er Chaux-de-Fonds’ Frédéric Iglesias in der zwölften Minute mit Schlägen ein und hinterliess damit eine letzte NHL-Duftmarke.

Thurgau – Chaux-de-Fonds 1:3 (0:2, 0:0, 1:1)

Güttingersreuti, Weinfelden – 10 Zuschauer – SR Fausel/Gianinazzi, Gurtner/Urfer.
Tore: 2. Volejnicek (Ahlström, Coffman/Ausschluss Scheidegger) 0:1. 20. (19:28) Sopa (Achermann, Iglesias) 0:2. 41. (40:23) Hagel 1:2. 58. Achermann (Dubois, Bogdanoff) 1:3.
Strafen: 4-mal 2 Minuten plus 5 Minuten (Molina) plus 10 Minuten (Hulak) plus Spieldauer (Molina) gegen Thurgau, 5-mal 2 Minuten gegen La Chaux-de-Fonds.
Thurgau: Aeberhard; Schmuckli, Hulak; Scheidegger, Schmutz; Fechtig, Molina; Kellenberger; Hagel, Rundqvist, Mosimann; Hinterkircher, Hobi, Spannring; Lanz, Fritsche, Hollenstein; Bischofberger, Brändli, Schnyder.
La Chaux-de-Fonds: Charlin; Zubler, Iglesias; Kühni, Jaquet; Prysi, Ahlström; Wyss; Hasani, Coffman, Volejnicek; Dubois, Achermann, Sopa; Voirol, Privet, Bogdanoff; Zürcher, Bouchareb.
Bemerkungen: Thurgau ohne Murphy (überzählig), Rehak, Moor, Soracreppa, Parati, Wildhaber, J. Loosli, Baumann, Moser (alle verletzt), M. Loosli und Schweri (beide Rapperswil-Jona/NLA). La Chaux-de-Fonds u. a. ohne Trettenes (NOR/verletzt). – 59:02 Timeout Thurgau, danach ohne Goalie.

Nächstes Spiel: Samstag, 17.30 Uhr, Thurgau – Visp