Swiss League
Mit Gebrüll in den Showdown: Der HC Thurgau zeigt vor dem alles entscheidenden Spiel wieder Zähne

Der HC Thurgau verliert in Sierre trotz Kämpferherz 2:4. Er erarbeitet sich zahlreiche Top-Torchancen, nutzt diese aber zu wenig. Der grosse Einsatz der Ostschweizer zahlt sich gewissermassen in anderen Stadien aus.

Matthias Hafen aus Sierre
Merken
Drucken
Teilen
Adrian Wetli zeigte in Sierre viel Einsatz und hielt am Ende auch in einer Prügelei dagegen.

Adrian Wetli zeigte in Sierre viel Einsatz und hielt am Ende auch in einer Prügelei dagegen.

Bild: Mario Gaccioli (14. Februar 2021)

Die Herausforderung wird nicht kleiner für den HC Thurgau. Am Sonntag um 18.30 Uhr geht es im Heimspiel gegen Olten um alles. Vor dem letzten Qualifikationsspiel beträgt der Vorsprung der Ostschweizer auf Platz sieben noch immer einen Punkt. Das, obwohl sie auf Kosten von Olten (6:0-Sieg gegen Langenthal) auf den sechsten Rang abrutschten und ihr Auswärtsspiel in Sierre 2:4 verloren.

Dass am gleichen Abend auch die Verfolger La Chaux-de-Fonds (1:2 bei den Ticino Rockets) und Visp (5:7 bei den GCK Lions) stolperten, ist so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Denn zum ersten Mal in diesem Quali-Schlussspurt merkte man dem HC Thurgau an, dass es um sehr viel geht. Und vor allem, dass er die direkte Playoff-Teilnahme aus eigener Kraft erreichen will. Nach einem schwachen Auftritt in La Chaux-de-Fonds (0:3) und einem zu zaghaften Heimauftritt gegen Leader Kloten (0:2) zeigte der HCT in Sierre wieder ein ganz anderes Gesicht.

Viele Torchancen machen noch keine Tore

Alleine im Startdrittel hatten die Ostschweizer schon mehr gefährliche Torchancen als in den zwei vorangegangenen Spielen zusammen. Und die Gefahr ging wieder von allen Linien aus. Fabio Hollenstein, Frantisek Rehak, T.J. Brennan, David Baumann, Adam Rundqvist, Cyrill Bischofberger und Janik Loosli, sie alle hätten Thurgau in den ersten zehn Minuten in Führung bringen können. Wille und Einsatz verdienten Bestnoten, nur in der Ausführung haperte es. Denn während der HCT spielte, erzielte Sierre die Tore. Das 1:0 der Walliser (10.) fiel komplett entgegen des Spielverlaufs – mit der ersten Strafe gegen Thurgau. Die anfangs auffällig einseitig verteilten Strafen machten den Gästen auch im Mitteldrittel das Leben schwer. Nachdem Martin Ness auf herrliches Zuspiel von Joel Scheidegger den Puck zum 1:1 unter die Latte gehängt hatte (23.), führte erneut ein Powerplay von Sierre zum 2:1 (26.).

Keine Minute später hatte Dominic Hobi auf Zuspiel von Janik Loosli das Skore wieder ausgeglichen. Der Thurgauer Löwe fletschte mit den Zähnen. Adrian Wetli alleine hatte vier Grosschancen in diesem Drittel. Doch der Ertrag war einfach zu wenig. So kam es, wie es kommen musste. Mitten in der Thurgauer Sturm-und-Drang-Phase im Schlussdrittel erzielte Sierre das 3:2 – und machte mit dem 4:2 in der 54. Minute endgültig den Deckel drauf. Wieder einmal wurde der HCT für seinen Einsatz zu schlecht belohnt.

Im besten Fall reicht sogar eine Niederlage aus

Der Auftritt in Sierre zeigte aber, dass der HCT mit Gebrüll in den Showdown vom Sonntag in der Weinfelder Güttingersreuti steigen kann. Mit einem Sieg nach 60 Minuten würde der HCT alles klar machen zu seinen Gunsten. Doch die Mannschaft von Trainer Stephan Mair befindet sich in einem historischen Tief. In Sierre reihte sie die fünfte Niederlage aneinander. Eine Negativserie dieses Ausmasses durchlebte Thurgau zuletzt in der Saison 2016/17, als der Klub noch Hockey Thurgau hiess. Die Ausgangslage vor dem entscheidenden Spiel am Sonntag will es aber auch, dass unter Umständen selbst eine Niederlage nach 60 Minuten fürs Playoff reicht. Dann nämlich, wenn La Chaux-de-Fonds und Visp erneut punktlos bleiben. Und das ist bei den Gegnern Kloten und Ajoie nicht einmal so abwegig.

Sierre – Thurgau 4:2 (1:0, 1:2, 2:0)

Graben – Keine Zuschauer – SR Potocan/Weber, Pitton/Dreyfus.
Tore: 10. Arnaud Montandon (Castonguay, Dolana/Ausschluss Bischofberger) 1:0. 23. Ness (Scheidegger) 1:1. 26. (25:47) Maxime Montandon (Dolana/Ausschluss Baumann) 2:1. 27. (26:38) Hobi (Janik Loosli) 2:2. 48. Surdez (Dayer, Meyrat) 3:2. 54. Jolliet (Surdez, Berthoud) 4:2.
Strafen: 7-mal 2 Minuten gegen Sierre, 8-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Sierre: Giovannini; Meyrat, Maxime Montandon; Bezina, Berthoud; Brantschen, Dozin; Vouardoux; Dolana, Castonguay, Bernazzi; Rimann, Arnaud Montandon, Kyparissis; Heinimann, Bonvin, Monnet; Surdez, Jolliet, Dayer.
Thurgau: Rüegger; Brennan, Soracreppa; Wildhaber, Parati; Scheidegger, Molina; Fechtig; Rehak, Rundqvist, Ang; Bischofberger, Hobi, Janik Loosli; Wetli, Brändli, Baumann; Hinterkircher, Ness, Hollenstein; Lanz.
Bemerkungen: Sierre ohne den Kanadier Asselin, Smons, Vouillamoz (alle Genf-Servette/NLA), Fellay, Wyniger (beide verletzt), Privet und Molinari (beide überzählig). Thurgau ohne Spannring (private Gründe), Hulak, Moor, Moser, Mosimann, Schmuckli (alle verletzt), Fritsche, Kellenberger, Schmutz, Schnyder (alle überzählig) und Michael Loosli (Rapperswil). – 44. Pfostenschuss Wildhaber. – Thurgau von 58:50 bis 59:55 ohne Goalie.

Letzte Qualifikationsrunde. Sonntag, 18.30 Uhr: Thurgau – Olten. Visp – Ajoie. La Chaux-de-Fonds – Kloten. Langenthal – Sierre. Winterthur – Ticino Rockets. EVZ Academy – GCK Lions.