Swiss League
Leichtsinn in den eigenen Reihen: Der HC Thurgau verliert auch das zweite Playoff-Heimspiel gegen Langenthal selbstverschuldet

Bei der 1:2-Niederlage im vierten Viertelfinalspiel bringen Frantisek Rehak und ein zweifelhafter Schiedsrichterentscheid Thurgaus fragiles Gerüst zum Einsturz. In der Best-of-7-Serie liegen die Ostschweizer nun 1:3 in Rückstand. Für die fünfte Begegnung am Donnerstag in Langenthal gilt: Verlieren verboten.

Matthias Hafen
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Für nichts zu schade: Die beiden Nordamerikaner Jonathan Ang und T.J. Brennan verrichten vor Goalie Nicola Aeberhard wichtige Abwehrarbeit.

Für nichts zu schade: Die beiden Nordamerikaner Jonathan Ang und T.J. Brennan verrichten vor Goalie Nicola Aeberhard wichtige Abwehrarbeit.

Mario Gaccioli

In den ersten drei Playoff-Spielen gegen Langenthal hatte der HC Thurgau insgesamt keine zwei Minuten geführt. Man wünschte dem Team von Trainer Stephan Mair im vierten Spiel nichts mehr, als dass es in dieser Best-of-7-Viertelfinalserie endlich einmal länger einen Vorsprung behaupten kann.

Und tatsächlich hämmerte Jan Mosimann in der 15. Minute einen Puck aus der zweiten Reihe hoch ins Langenthaler Tor, nachdem Janik Loosli mit seinem Vorstoss wichtige Vorarbeit geleistet hatte. Der Vorsprung hielt bis weit ins zweite Drittel. Dies, weil Thurgau wieder so cleveres Playoff-Eishockey spielte wie vor zwei Jahren, als es den grossen Favoriten Ajoie zur Verzweiflung gebracht und schliesslich den Halbfinal erreicht hatte. Der HCT liess kaum Chancen des Gegners zu. Und was trotzdem noch aufs Tor kam, fischte Nicola Aeberhard im Stile eines Weltklassegoalies. Es war angerichtet für den 2:2-Ausgleich in der Serie.

Ang wehrt sich zurecht – und wird dafür bestraft

Doch Thurgaus Gerüst in dieser Saison ist fragil. Der Erfolg basiert auf einer Null-Fehler-Toleranz. Sobald die Ostschweizer auf die Strafbank müssen, wird’s eng. Wenn dann noch Missgeschicke im eigenen Spielaufbau dazukommen, gehen Matches oft verloren. So gesehen im ersten Playoff-Heimauftritt am Freitag (3:5). Und in einer beängstigenden Wiederholung auch an diesem Abend.

Das Gerüst des HC Thurgau begann schon zu wackeln, als nach 35 Minuten Jonathan Ang eine Unterzahl verursachte. Wobei die Unterzahl eigentlich die Schiedsrichter verursachten. Sie schickten Thurgaus kanadischen Stürmer wegen übertriebener Härte für vier Minuten auf die Strafbank, nachdem er sich gegen die Langenthaler Luca Christen und Marc Kämpf gewehrt hatte, die nach einer strittigen Szene vor Goalie Pascal Caminada auf ihn eingeschlagen hatten. Von den zwei Langenthalern musste zum grossen Erstaunen nur Kämpf auf die Strafbank – und nur für zwei Minuten. Das Powerplay nutzten die Gäste mit ihrer Allzweckwaffe Eero Elo zum 1:1-Ausgleich. Der einzige Fehler des ansonsten souveränen Schiedsrichterquartetts war ein entscheidender.

Stürmer Rehak wird für Thurgau zur Hypothek

Ins Verderben schickte sich der HC Thurgau an diesem Abend jedoch selber. Wenige Sekunden nach Wiederanspiel im Schlussdrittel rannte Stürmer Frantisek Rehak in jugendlichem Leichtsinn nach vorne, wurde noch an der eigenen blauen Linie abgefangen und kreierte so einen Konterangriff, den Langenthals Dario Kummer zum 2:1-Siegtreffer nutzte. Auf genau gleiche Art hatte Rehak bereits bei der 3:5-Heimniederlage am vergangenen Freitag zwei Gegentreffer verursacht. Unglaublich!

Die effizienten Berner legten so im Playoff-Viertelfinal 3:1 vor und zeigten einmal mehr, dass sie vom HCT nur zu bezwingen sind, wenn sie es selber zulassen. Zumal das Powerplay der Thurgauer im vierten Spiel wieder unterirdisch schlecht war. Im Schlussdrittel hatten sie dreimal die Chance, in Überzahl den Ausgleich zu erzielen – und sorgten dabei nicht einmal gross für Torgefahr. Schade um eine weitere, verpasste Gelegenheit im diesjährigen Playoff.

Thurgau – Langenthal 1:2 (1:0, 0:1, 0:1)

Güttingersreuti, Weinfelden – Keine Zuschauer – SR Massy/Hürlimann, Micheli/Stalder.
Tore: 15. Mosimann 1:0. 37. Elo (Torquato, Müller/Ausschluss Ang) 1:1. 41. (40:41) Kummer 1:2.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 6-mal 2 Minuten gegen Langenthal. Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Parati, Wildhaber; Scheidegger, Molina; Fechtig; Hobi, Ang, Rehak; Wetli, Brändli, Hinterkircher; Janik Loosli, Rundqvist, Hollenstein; Fritsche, Spannring; Bischofberger.
Langenthal: Caminada; Müller, Christen; Guggenheim, Maret; Büsser, Pienitz; Higgins; Kläy, Kummer, Küng; Kämpf, Torquato, Elo; Gerber, Himelfarb, Rüegsegger; Nyffeler, Schläpfer, Dähler; Derungs.
Bemerkungen: Thurgau ohne Hulak, Moor, Moser, Schmuckli (alle verletzt), Schmutz, Baumann, Kellenberger, Lanz, Schnyder (alle überzählig), Ness und Michael Loosli (beide Rapperswil-Jona/NLA). Langenthal ohne Langenthal ohne Tschannen, Chanton (beide verletzt), Weber (rekonvaleszent), Dobryskin, Wigger (beide überzählig), Törmänen (Biel/NLA) und Bircher (Langnau/NLA). – 16. Schuss Torquato an die Torumrandung. – Thurgau ab 58:19 mit sechstem Feldspieler anstelle des Goalies. – 59:39 Timeout Thurgau.